Neue Kampagne

18. April 2018 09:35; Akt: 18.04.2018 09:35 Print

Was tun, wenn eine junge Frau belästigt wird?

Die heutige Gesellschaft zeigt immer seltener Zivilcourage. Die VBZ und die Stadtpolizei Zürich haben deshalb eine Kampagne lanciert.

VBZ und Stadtpolizei Zürich haben eine Kampagne mit der Botschaft «Andrea kann HEH! Und du?» lanciert.
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«Viele Menschen schauen heute mehr auf ihr Handy und kriegen gar nicht mit, was um sie herum passiert», sagt Rolf Nägeli, Chef Prävention der Stadtpolizei Zürich. In der digitalisierten Gesellschaft sei Zivilcourage immer seltener. «In kritischen Situationen schauen sie eher weg oder wissen gar nicht, wie sie richtig handeln sollen», sagt Nägeli.

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Situation richtig einschätzen

Die Stadtpolizei Zürich und die VBZ haben deshalb eine Präventionskampagne zum Thema Zivilcourage lanciert. Das Motto: HEH! – Hinschauen, Einschätzen, Handeln. «Wir wollen die Leute für das richtige Handeln sensibilisieren», sagt VBZ-Direktor Guido Schoch.

Kopfloses Intervenieren ist aber nicht das, was man sich bei der VBZ und Stadtpolizei wünscht. «Wir raten, auf das Bauchgefühl zu hören und die Situation richtig einzuschätzen», erklärt Schoch.

Vandalen dem VBZ-Chauffeur melden

Wie im Fall einer älteren Frau, die als Beispiel in der Kampagne genannt wird und ein paar Vandalen beim Besprayen von Tramsitzen beobachtete. Sie meldete den Vorfall der Trampilotin. «In solchen Fällen ist es gut, einen VBZ-Fahrer darauf aufmerksam zu machen», sagt Schoch. Der leite dann die nötigen Massnahmen ein.

Oder der Fall einer jungen Frau, die die Polizei rief, als sie hörte, wie ihr Nachbar seine Frau schlug. «Falls es Hinweise auf Misshandlungen gibt, ist Zivilcourage wichtig», sagen die Projekt-Verantwortlichen der Kampagne. «Aber auch hier soll man nicht den Helden spielen.» Besser sei es, sich Unterstützung von Anwohnern zu holen oder die Polizei zu rufen.

Bei sexueller Belästigung richtig handeln

Das Gleiche gilt bei sexueller Belästigung: Serkan musste mitansehen, wie eine Gruppe Männer einer jungen Frau an den Hintern fasste. «Die Pöbel-Jungs waren zu fünft – ziemlich alkoholisiert und aggressiv», sagt er. Also ging Serkan zum Türsteher und meldete ihm den Vorfall.

Auch Istvan setzte sich für einen homosexuellen Fussball-Kollegen ein: Er wies den Coach darauf hin, die dummen Sprüche zu unterlassen. «Bei Mobbing und Diskriminierung raten wir, sich für die Betroffenen starkzumachen.» Brauche man dazu Unterstützung, «gibt es einige Beratungsstellen, die weiterhelfen».

Online-Selbsttest mit verschiedenen Szenarien

Ergänzt wird die HEH-Kampagne mit einem Online-Selbsttest: 15 Szenarien, die man in einem ersten Schritt anhand seines Bauchgefühls beantworten muss. Danach folgen fünf konkrete Handlungsmöglichkeiten – und für eine muss man sich entscheiden.

Zudem wird die Stadtpolizei in den nächsten zwei Jahren mit einem Live-Experience-Projektor unterwegs sein. Diese mobile Beratungsstelle ist das zentrale Element der Kampagne, die unter anderem ein elektronisches Schattenspiel beinhaltet.

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Litsch96 am 18.04.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zivilcourage - Polizei

    Ich (Mann) war mit einer guten Kollegin in Zürich. Ein Gruppe Junge Männer kamen auf uns zu und entdeckten ihre schönen Augen, sie wurde begrapscht und versuchten sie zu küssen. nach Einer intervention meiner Seite kam gleich eine Drohung. Habe die Polizei informiert aber leider hatten die keine kapazität und andere prioritäten. Sie meinten ich soll nochmals anrufen wenn sich die Lage zuspitz. Sehr enttäuschendes Erlebnis und nimmt auch das vertrauen in unsere Staatsmacht!

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  • Ronny C. am 18.04.2018 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Der längere Hebel

    Grundsätzlich ist Zivilcourage ein Muss, aber es ist in doppelter Hinsicht gefährlich in der CH : Erstens kann der Angreifer mit Messer oder anderen Waffen handgreiflich werden. Zweitens, und das ist der gefährlichere Punkt : Ich kann mich dank jahrelangem Krav Maga - Training gut gegen ein oder zwei Angreifer verteidigen. Aber wenn es im Gerangel gebrochene Nasen, Handgelenke usw. gibt, führt es dazu, dass ICH ein Problem mit der Justiz bekomme, nicht der Angreifer selbst. In den USA ist das anders, aber hier ist der Täter am längeren (juristischen) Hebel.

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  • erfahrene Frau am 18.04.2018 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diskriminierung

    Die Kampagne finde ich grundsätzlich sehr gut. Der Titel suggeriert aber, dass es sich nur bei jungen Frauen um schützenswerte Opfer handelt. Ältere Frauen oder Männer sind genauso Opfer wie Kinder oder junge Frauen, es geht um Mitmenschen! Auch ich musste schon die Polizei rufen, weil ein junger Mann Hilfe brauchte. Das Personal schaute tatenlos zu.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jaqueline am 19.04.2018 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Nur jungen Frauen helfen?

    wieso nicht allen helfen, die bedrängt werden, egal ob Mann, Frau, Jung, Alt?

  • Feline X am 18.04.2018 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Zivilvourage

    Zum Glück lassen sich viele Situationen mit Kommunikation lösen. Dies merkt man immer wieder.

  • junger Mann am 18.04.2018 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    leider...

    Die Sache Objektiv betrachten, ob jetzt wirklich ein Angriff im Gange ist. Leider ist Heutzutage die Zivilcourage und das Soziale verloren gegangen. Viele sind nur noch Egoisten und schauen zu sich selbst. Ich frage ob ich helfen kann, wenn ich sehe, dass jemand Hilfe benötigt. Ein Danke kommt immer zurück. Wenn ich sehe, dass jemand angegriffen wird handle ich. Wenn Kinder/Jugendliche angegriffen werden, gehe ich dazwischen, bis der/die Angreifer/in abzieht... Macht leider kaum jemand...

  • E.K. am 18.04.2018 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Freizeitport Zivilcourage

    Die Kampagne wird rein gar nichts bringen. Erst, wenn Zivilcourage zum Freizeitsport wird unter den Jungen, quasi als Wettbewerb und moderne Ritter, dann wird sich etwas ändern. Die älteren Menschen sind viel zu feige dafür. Sie haben aber zurecht, Angst um sich selbst.Also, wieder eine nette Geschichte, die in der Praxis wenig bis nicht bringen wird - wie üblich bei solchen Kampagnen.

  • Bertb am 18.04.2018 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kampagne-Zivilcourage

    nutzt nicht viel wen man jeweils vom täter/n angezeigt wird! und diese sprüche wie man es machen sollte von der polizei gehen zu 90% nicht auf in einer solchen situation. mein bester freund ist eine person die immer einschreitet in solchen situationen. ob es einer ist oder mehrere hält ihn nicht ab, vom helfen da er es kann. wegen seiner Zivilcourage hat er jährliche anwaltskosten meist im 5stelligen bereiche. das kann es nicht sein; er rettet leute und muss noch bezahlen dafür!