Boutique erleichtert

27. Juli 2014 10:17; Akt: 27.07.2014 11:43 Print

Wechselgeld-Betrüger beim Tricksen gefilmt

So plump und doch so effizient: Der mutmassliche Betrüger verwirrt die Verkäuferin, lenkt sie ab und verlässt den Laden mit einem Hunderter extra im Portemonnaie.

Der Betrüger verwirrt die Verkäuferin gezielt und verlässt den Laden mit einem Hunderter extra.
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Der Trick ist eigentlich uralt und doch funktioniert er immer wieder. Im Video sieht man einen älteren Herren, der in der Boutique Favorit05 in der Zürcher Konradstrasse einen Hoodie kauft. Er legt zwei Hunderternoten auf den Tresen, die Verkäuferin legt das Geld in die Kasse, gibt das Rückgeld, die Transaktion ist eigentlich abgeschlossen.

Dann merkt der ältere Herr, der Englisch mit osteuropäischem Akzent spricht, dass er viele kleine Noten hat und bittet die Verkäuferin um Rückgabe einer Hunderter-Note. Die Verkäuferin gibt ihm den Hunderter, während er umständlich die Zehner und Zwanziger zählt. Dann übergibt er die Noten der Verkäuferin und verwirrt sie mit dem Hinweis, sie möchte die Noten bitte genau nachzählen. Das tut sie, und verteilt danach die Noten in die einzelnen Fächer der Kasse. Der Mann fordert mit Handgeste die Hunderternote, die ihm zustehe. Die Verkäuferin gibt sie ihm anstandslos. Der Mann verlässt ohne Eile den Laden.

Unzählige Varianten

Der Vorfall wurde bei der Zürcher Stadtpolizei zur Anzeige gebracht. Mediensprecher René Ruf: «Betrügerische Wechselgeldtricks gibt es in unzähligen Varianten. Gemeinsam ist allen, dass die Verkaufsperson unter Stress gesetzt und verwirrt wird.»

Der psychologische Trick im vorliegenden Fall ist der, dass die Verkäuferin, nachdem sie den Hunderter übergeben hat, zuschaut, wie der Mann die kleinen Noten zählt. Mit der Übergabe der kleinen Noten ist der Deal für sie innerlich abgeschlossen. Bevor sie das Geld in der Kasse versorgen kann, verlangt der Mann, dass sie nachzählt. Sie sträubt sich einen Moment, dann zählt sie das Geld nach. Danach ist ihr nicht mehr gewahr, dass das Geschäft abgeschlossen ist. Der Mann seinerseits fordert selbstsicher «seinen Hunderter» und bekommt ihn.

René Ruf betont, dass für den älteren Herrn zwar die Unschuldsvermutung gelte, aber falls man seiner habhaft werde, müsse er sich einer eindringlichen Befragung stellen. «Je nach Ausgang dieser Befragung wird der Staatsanwalt den Verdächtigen anklagen oder seine Freilassung verfügen.»

(mec)