Dällikon ZH

23. Februar 2011 08:00; Akt: 23.02.2011 00:15 Print

Wegen Lebenskrise zum Drogenhandel

von Attila Szenogrady - Mit einer illegalen Indoor-Hanfplantage hat ein Techniker aus Dällikon rund 18 Kilogramm Marihuana abgesetzt und einen Umsatz von über 86'000 Franken erzielt.

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Der heute 46-jährige Angeklagte aus Dällikon habe seine illegalen Geschäfte mit grosser Energie und Raffinesse betrieben, führte der Gerichtsvorsitzende Rudolf Kieser während der Urteilseröffnung vom Dienstag aus. Sicher ist, dass der Zürcher Unterländer ab Sommer 2008 in Zürich-Albisrieden im Untergeschoss einer Liegenschaft eine professionell betriebene Indoor-Hanfplantage mit rund 550 Jungpflanzen aufbaute.

Ueber 86 000 Franken Umsatz erzielt

Der Verkauf des qualitativ hochwertigen Rauschgiftes lief gut an. Bis zum Frühling 2010 setzte der Angeklagte rund 18 Kilogramm Marihuana ab und erzielte einen ansehnlichen Umsatz von 86 400 Franken. Der persönliche Gewinn betrug mindestens 21 400 Franken.

Der Schweizer Techniker ging schlau vor. Einerseits leitete er am Tatort den Strom mittels einer Klemme am Zähler vorbei, um den grossen Energieverbrauch zu vertuschen.

Andererseits liess er den Drogenerlös bei einer Treuhänderin aus Kloten rein waschen. So liess er sich bei der Komplizin offiziell als angeblicher EDV-Mitarbeiter anstellen und liess ich seinen widerrechtlichen Gewinn als angeblichen Lohn auszahlen. Insgesamt überwies er der eingeweihten Frau über 32 000 Franken. Davon erhielt er über 25 000 Franken als fiktives Gehalt zurück.

Einbruch mit Folgen

Alles schien für den Angeklagten perfekt zu laufen. Bis ihm eine unverhoffter Einbruch in das Gebäude der Plantage einen dicken Strich durch die Rechnung machte. So stiess die Polizei zufällig auf die Hanfproduktion und nahm den Angeklagten fest. Er verbrachte danach 26 Tage in Untersuchungshaft und gab grundsätzlich alles zu.

Auch am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich. Allerdings stellte er zunächst die Höhe des Gewinns in Abrede und rang sich erst am Schluss der Verhandlung zu einem halbherzigen Geständnis durch.

Lebenskrise als Tatmotiv

Der Ersttäter gab eine Lebenskrise als Tatmotiv an. So habe er 2007 von seiner Erkrankung an Aids erfahren und sei deshalb in ein tiefes Loch gefallen. Seine asiatische Ehefrau trage ebenfalls den HIV-Virus in sich, fuhr er fort. Wenigstens seien die Bluttests bei seinem im Sommer 2010 geborenen Sohn bisher negativ ausgefallen. Was bedeute, dass das Kind gesund sei.

Während die Staatsanwaltschaft für den Vater eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie 2000 Franken Busse forderte, setzte sich die Verteidigung für eine erheblich mildere Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 30 Franken auf Bewährung ein.

Das Gericht setzte 18 Monate bedingt fest, kam aber dem Angeklagten in finanzieller Hinsicht massiv entgegen. So verzichtete das Gericht sowohl auf eine zusätzliche Busse als auch auf eine von der Anklage verlangten Ersatzforderung von 50 000 Franken. Selbst die Verfahrenskosten wurden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.

So war am Prozess klar geworden, dass sich der hoch verschuldete Beschuldigte heute mit bescheiden entlöhnten Reinigungsarbeiten durchschlägt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tobias am 23.02.2011 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    verhältnismässigkeit

    Umsatz von 86 400 Franken. Der persönliche Gewinn betrug mindestens 21 400 Franken. Und nun kriegt er dafür die volle Härte des Gesetzes zu spüren dieser böse,böse Mann. Wenn aber einer die IV um 250'000 betrügt drückt man gerne hie und da immer mal ein Auge zu mit der Begründung, er hat es ja nicht böse gemeint oder er hatte eine schwere Jugend. Ich bin nicht für's Kiffen, aber irgendwas stimmt mit der Verhältnissmässigkeit nicht.

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  • Stefan am 23.02.2011 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird Zeit

    Es wird Zeit,das Hanf endlich legalisiert wird.

  • Alpheu am 23.02.2011 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ach hatte ihr doch

    dem Naturhanf seine Daseinsberechtigung gelassen, anstatt dessen Konsumenten und Produzenten zu Versteckspielen mit Indoor zu noetigen. Den dazu erfordlichen Strom muessen wir nun produzieren und morgen haben wir noch mehr AKWs oder was?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 23.02.2011 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird Zeit

    Es wird Zeit,das Hanf endlich legalisiert wird.

  • Alpheu am 23.02.2011 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ach hatte ihr doch

    dem Naturhanf seine Daseinsberechtigung gelassen, anstatt dessen Konsumenten und Produzenten zu Versteckspielen mit Indoor zu noetigen. Den dazu erfordlichen Strom muessen wir nun produzieren und morgen haben wir noch mehr AKWs oder was?

  • Tobias am 23.02.2011 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    verhältnismässigkeit

    Umsatz von 86 400 Franken. Der persönliche Gewinn betrug mindestens 21 400 Franken. Und nun kriegt er dafür die volle Härte des Gesetzes zu spüren dieser böse,böse Mann. Wenn aber einer die IV um 250'000 betrügt drückt man gerne hie und da immer mal ein Auge zu mit der Begründung, er hat es ja nicht böse gemeint oder er hatte eine schwere Jugend. Ich bin nicht für's Kiffen, aber irgendwas stimmt mit der Verhältnissmässigkeit nicht.

    • Samuel am 24.02.2011 09:03 Report Diesen Beitrag melden

      Der Unterschied zwischen HIV und Aids

      es wäre hilfreich wenn man auch hier im Artikel den Unterschied zwischen HIV und eineer Aidserkrankung unterscheidet. HIV positiv zu sein bedeutet nicht, an Aids erkrankt zu sein.

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