Gerichtsfall Dietikon

22. Januar 2018 05:45; Akt: 22.01.2018 05:45 Print

«Weihnachts-Lieder sollen nicht Pflicht sein»

Ein Vater erhielt eine Busse, weil seine drei Söhne am Weihnachtssingen nicht teilnahmen. Die Zürcher Lehrer plädieren für eine pragmatische Konfliktlösung.

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Drei muslimische Buben waren für das Weihnachtssingen in der Kirche Dietikon ZH entschuldigt, nicht aber für die Hauptprobe, die während der regulären Unterrichtszeit stattfand. Der Vater schickte seine drei Söhne deshalb nicht in die Schule und wurde in der Folge wegen Verletzung der Elternpflichten mit 500 Franken gebüsst. Dagegen erhob er Einspruch.

Doch vor Bezirksgericht unterlag der Vater, wie der Islamische Zentralrat der Schweiz mitteilt. Der salafistische Verein, der die Interessen des Familienvaters vertritt, übt scharfe Kritik an der Busse. Es handle sich um «religiöse Zwangsassimilierung», die weder akzeptabel noch rechtskonform sei. Das Urteil werde die Familie anfechten.

«Man kann niemanden zwingen, Weihnachtslieder zu singen»

«Es war richtig, die drei Kinder vom Konzert zu dispensieren», sagt Christian Hugi, Präsident des Zürcher Lehrerverbands. Weihnachtslieder gehörten zwar zum Unterricht dazu, weil die Schweiz ein christlich geprägtes Land sei, aber wenn Eltern klaren Widerstand zeigten, brauche es Alternativen. «Statt der Teilnahme an der Hauptprobe wäre es durchaus denkbar, dass eine Schule die dispensierten Schüler anderweitig beschäftigt, damit diese die Schulpflicht erfüllen können.»

Hugi findet, dass man niemanden zwingen könne, Weihnachtslieder zu singen, ganz im Unterschied etwa zum Schwimmunterricht: «Diese Fähigkeit ist überlebenswichtig und deshalb Pflicht für alle Schüler.»

«Konflikte mit Muslimen sind selten»

Bei der katholischen Kirche Zürich ist man gleicher Meinung. «Anders- und Nichtgläubige sollen nicht unter Zwang religiöse Weihnachtslieder singen müssen», sagt Simon Spengler, Sprecher des Zürcher Synodalrats. Man soll daraus keine Glaubensfrage machen und gesunden Menschenverstand walten lassen: «Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, entschuldigte Schüler mit etwas anderem zu beschäftigen.»

Zudem seien Konflikte mit Muslimen ohnehin selten. Häufiger involviert in solche Fragen seien Eltern, die mit dem Christentum nichts mehr am Hut haben wollen.

(tam)