Schönheits-OP

23. Januar 2015 14:49; Akt: 23.01.2015 15:04 Print

Weitere Frauen klagen über entstellte Brüste

Ein 78-jähriger Zürcher Schönheitschirurg steht im Fokus. Der einschlägig Vorbestrafte soll weitere Brustoperationen mangelhaft ausgeführt haben.

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Ein bekannter Zürcher Schönheitschirurg, der bereits 78 Jahre alt ist, hat der 19-jährigen Larissa M. die Brüste bei einer Verkleinerung derart verunstaltet, dass sie mindestens auf der einen Seite vermutlich nie mehr stillen kann. Professor Dirk Schäfer, Chefarzt des Universitätsspitals Basel, bezeichnete das Ergebnis gegenüber «Kassensturz» als «eklatante Entstellung einer jungen Frau».

Mittlerweile haben sich bei 20 Minuten zwei weitere Frauen gemeldet, die beim selben Arzt ihre Brust hatten operieren lassen. Beide sind sehr unzufrieden mit dem Ergebnis. So liess die heute 68-jährige Esther D.* vor einem Jahr ihre Brust verkleinern. Das Ergebnis schockiert sie: «Sie sind nicht gleich gross, verschiedenförmig, die Brustwarzen sind nicht rund und auf verschiedenen Höhen.» Sie fühlt sich entstellt. Als sie den Arzt auf das unschöne Ergebnis ansprach, habe dieser ihr lapidar geantwortet: «Ihre Brüste sind das Schönste an ihnen.»

«Er hat die benutzten Klammern einfach wieder in die Wunde gedrückt»

Was D. an der Geschichte besonders ärgert: «Mein Frauenarzt hat mir den Mann empfohlen.» Dabei steht der Chirurg schon seit über zwanzig Jahren wegen mangelhaft ausgeführter Operationen im Fokus der Medien. In einem Fall wurde er gar wegen fahrlässiger Körperverletzung von einem Gericht verurteilt. «Ich kann nicht verstehen, wie man mir so jemanden empfehlen kann», so Esther D.

Auch mit der Nachbetreuung ist D. nicht zufrieden. Zum Zusammenhalten der Narben habe der Arzt die Wunden mit Metallklammern zusammengetackert. Als er diese bei einer Brustwarze entfernen wollte, habe er bemerkt, dass die Wunde noch nicht richtig verheilt war. Esther D.: «Da hat er die benutzten Klammern einfach wieder hineingedrückt.»

Löcher und Faltenbei der Narbe

Ähnlich Haarsträubendes berichtet Nadia R.*. Die 29-Jährige wollte sich vom selben Schönheitschirurgen die Brust straffen lassen. Die Empfehlung, zum 78-Jährigen zu gehen, hatte sie wie Esther D. von ihrem Frauenarzt. «Das macht mich unglaublich wütend», so R. Der Eingriff wurde bei ihr im Sommer 2014 vorgenommen. Seither hat sie immer wieder so starke Stiche in der Brust, dass sie zu Schmerzmitteln greifen muss.

Aber auch optisch gefällt ihr das Ergebnis der Operation nicht. Die Brüste stehen viel zu weit nach aussen, sind unterschiedlich gross und die Brustwarzen sind nicht mehr rund. «Wenn ich meine Brust anhebe, habe ich bei der Narbe ausserdem Falten und Löcher und das Implantat bewegt sich.»

Barzahlung und keine Rechnung

Wie Esther D. ist sie auch entsetzt über die Art, wie der Chirurg sie nach der Operation behandelte. Er habe sie einfach geduzt und ihre Klagen über das Ergebnis heruntergespielt. «Er sagte zu mir immer wieder: ‹Jetzt tu nicht so.›» Beide Frauen sagen zudem, dass sie die Operation vorgängig bar bezahlen mussten. Eine Rechnung haben sie hingegen nie bekommen.

Nun wollen sich beide an eine auf Arzthaftpflichtrecht spezialisierte Anwältin wenden. «Man muss diesem Arzt unbedingt das Handwerk legen», sagt Nadia R.

Der betroffene Schönheitschirurg war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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*Namen geändert

(ann)