Fall vor Zürcher Obergericht

09. Januar 2020 17:03; Akt: 09.01.2020 17:03 Print

Welcher der drei Porsches machte Lärm in Kolonne?

Drei Porsche-Fahrer sind in Zürich in eine stockende Kolonne geraten. Einer von ihnen soll unnötig Lärm verursacht haben. Nun wurde er freigesprochen.

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Um eine Busse von 100 Franken ging es in einem Fall vor dem Zürcher Obergericht. Ein 28-jähriger Mann aus der Ostschweiz soll mit einem Porsche im Mai 2016 um 22.45 Uhr unnötig Lärm verursacht haben. Unterwegs war er auf der Nüschelerstrasse in Zürich als einer der Lenker von drei gleichartigen Porsches 911 GT3 RS.

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In der stockenden Kolonne habe er beim mehrmaligen Anfahren und Anhalten der Kolonne jeweils den Motor unnötig hochdrehen lassen – als einziger der drei Porsche-Fahrer. Gemäss einem zivilen Polizisten, der zu Fuss nebenherging, habe das übermässigen Lärm verursacht. So lautet der Vorwurf im Strafbefehl, in dem der Mann wegen vorsätzlichem Verursachen von vermeidbarem Lärm mit einer Busse von 100 Franken bestraft wird.

Zweifel, von wem die Geräusche stammten

Dagegen wehrte er sich und wurde vom Bezirksgericht Zürich im Zweifel für den Beschuldigten freigesprochen. Motorengeräusche hätten den Polizisten dazu veranlasst, den orangefarbenen Porsche kontrollieren zu lassen. Es bestünden aber Zweifel daran, dass die Geräusche vom Fahrzeug des Beschuldigten ausgegangen seien – und nicht von einem anderen der drei Porsches.

Im Verfahren hat der Beschuldigte auch geltend gemacht, dass es technisch nicht möglich sei, mit einem Automatikgetriebe derartigen Lärm zu erzeugen. Ein Experte habe jedoch aufzeigen können, wie Motorengeräusche durch unsachgemässe Bedienung des Fahrzeugs erzeugt werden könnten.

Urteil bestätigt

Mit dem Urteil des Bezirksgerichts war das Stadtrichteramt Zürich nicht einverstanden. Es zog dieses weiter ans Obergericht. Das Stadtrichteramt stellte sich auf den Standpunkt, dass der Beschuldigte das mit der technischen Unmöglichkeit gar nicht vorgebracht hätte, wenn er keinen übermässigen Lärm verursacht hätte. Zudem kritisierte es, dass die Aussagen des Polizisten zu wenig Gewicht erhalten hätten. Es handle sich um einen professionellen Zeugen, der nicht zufällig vor Ort gewesen sei.

Doch davon wollte das Obergericht nichts wissen und sprach den Ostschweizer ebenfalls von der Verletzung der Verkehrsregeln frei. Die Vorinstanz begründe ohne offensichtliche Fehlschlüsse, warum sie einen Irrtum bei der Identifikation des Lärmverursachers für so wahrscheinlich halte, dass sie unüberwindliche Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten habe. Das Urteil ist rechtskräftig.

(tam)