Restaurant in Zürich

11. Februar 2016 10:47; Akt: 11.02.2016 17:11 Print

Wer nur eine Vorspeise isst, zahlt 10 Franken extra

Das Restaurant Neumarkt in der Zürcher Altstadt sorgt mit einer Wenigesser-Gebühr für Empörung. Laut dem Wirt sind dafür die Hauptgänge günstig.

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Zehn Franken für nichts: Unter dieser Überschrift findet sich auf Facebook ein Foto der Speisekarte des Restaurants Neumarkt. Hochgeladen hat es ein Kunde. Das Bild fokussiert auf einen kleinen Abschnitt zwischen Bioforellenfilet und Steinpilzravioli. «Falls nur eine Vorspeise konsumiert wird, erheben wir zusätzlich einen Deckungsbeitrag für unsere Dienstleistung von zehn Franken», steht dort geschrieben.

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Diese Gebühr sorgt offenbar nicht nur beim betroffenen Kunden für Kopfzerbrechen. «Typisch Zürich», liest man zum Beispiel in den Kommentaren zu diesem Post. Neumarkt-Wirt René Zimmermann kann das nachvollziehen. In der «Limmattaler Zeitung» verteidigt er jedoch den Eintrag auf der Speisekarte: «Wir hatten immer mehr Leute, die einfach einen Abend lang dasassen und nichts konsumierten.»

«Sonst geht die Rechnung nicht auf»

Es sei immer wieder vorgekommen, dass Leute einen ganzen Tag lang Plätze besetzt und dabei nur eine Tasse Tee getrunken hätten. Gründe dafür sind laut Zimmermann die schöne Lage inmitten der Altstadt und der gute Service. Auch hätten schon Gruppen zu Essenszeiten einen Tisch reserviert und danach gar nichts gegessen. «Wir sind ein Speiserestaurant, da geht bei uns die Rechnung hinten und vorne nicht auf – wir müssen die Personalkosten erwirtschaften», sagt Zimmermann.

Eine Gebühr für Wenigesser sei an sich nichts Spezielles und in vielen gehobenen Gastronomiebetrieben verbreitet, sagt der Neumarkt-Wirt weiter. Üblicherweise werde der Deckungsbeitrag jedoch auf den Hauptgang aufgeschlagen. Zimmermann wollte das nicht – nicht zuletzt, um die Hauptgänge günstig zu halten. So ist ein Hauptgang im Restaurant Neumarkt ab 27 Franken zu haben, Mittagsteller gibt es ab 16.50 Franken.

«Ein guter Gastgeber muss darüberstehen»

Bis auf vereinzelte Gäste, die nur wenig konsumieren und das schöne Ambiente hätten geniessen wollen und danach bei der 10 Franken höheren Rechnung aus allen Wolken gefallen seien, hat laut dem Wirt noch niemand negativ reagiert. Das Neumarkt sei übrigens nicht das einzige Restaurant in Zürich, das einen deklarierten Zuschlag für Wenigesser verlange, lässt Zimmermann durchblicken.

«Wer es sich leisten kann, kann das so machen», sagt Ernst Bachmann, Präsident des Wirteverbands GastroZürich. «In meinem Restaurant könnte ich mir das wahrscheinlich nicht erlauben.»

Hiltl: «Geschäftsmodell überdenken»

Zwar sieht er ein, dass die Personalkosten im Schnitt bis zu 50 Prozent der gesamten Betriebskosten betragen und unbedingt gedeckt werden müssen. Er rät jedoch auch zur Kulanz. Zimmermann: «Das gibts doch einfach, dass jemand mal keinen Hunger hat. Da müssen wir als gute Gastgeber darüberstehen.»

Dieser Meinung ist auch Rolf Hiltl. «Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen», sagt der Gastronom. Das Hiltl funktioniere ja auch prima ohne Gebühr für Wenigesser. «Mir würde das nie in den Sinn kommen», so der Inhaber. Er ist der Meinung, dass Kunden bei attraktiven Angeboten automatisch gerne konsumieren. Hiltl: «Vielleicht müsste man das Geschäftsmodell überdenken.»

Kritik vom Konsumentenschutz

Rein rechtlich gesehen stehe es natürlich jedem Betrieb offen, eine Gebühr einzuführen, sagt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz. «Konsumentenfreundlich ist sie aber definitiv nicht», so die Geschäftsleiterin. Betrete man ein Restaurant, sei ein derartiger Aufschlag das Letzte, was man erwarte. Stalder: «Solch eine Gebühr ist mir neu – sowohl in ihrer Art als auch in ihrer Höhe.»

Mühe hat Stalder vor allem damit, dass der Gast erst im Restaurant von der Klausel erfährt: «Die Gebühr müsste bereits am Eingang klar deklariert werden. Der Kunde sollte nicht erst beim Blick in die Menükarte vom Zahlungszwang erfahren.» Neumarkt-Wirt René Zimmermann entgegnet, dass sich der Kunde bereits vor Betreten des Restaurants über die Gebühr informieren könne, da die Karte an der Tür angebracht sei.

(ced)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vorkoster am 11.02.2016 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    wer also sparen will...

    geht da am Besten erst gar nicht hin.

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  • gastronom bern am 11.02.2016 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    tipp von einem gastronomen

    wenn die rechnung nicht aufgeht und man nicht fähig ist kostendeckend zu arbeiten - dann besser gleich schliessen! das ist ein klares - no go! - gegenüber den gästen

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  • Mia Pia am 11.02.2016 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nicht nur in Zürich so.

    In Luzern zahlt man z.B. 5 CHF extra, wenn man sich eine Vorspeise teilen möchte. Meiner Meinung nach geht sowas überhaupt nicht, wenn man neben dem Hauptgericht noch eine Flasche Wein, Dessert und Co bestellt. Solche Restaurants bekommen von mir schlicht kein Trinkgeld, werden nicht wieder besucht und auch nicht weiter empfohlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Mordasini am 29.02.2016 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke ist eine Frechheit :(!

    Ich finde dieses Verhalten sehr frech, diskriminierend und abzockerisch dem Gast gegenüber! Egal, was und wieviel jemand konsumiert, jeder sollte gleichberechtigt bedient und behandelt werden. Ich bevorzuge eh Lokale, wo alle Gäste, egal ob jung oder alt, Viel- oder Wenigesser, gleich behandelt werden. Wirte müssen sich sonst weder wundern noch jammern, wenn die Gäste ausbleiben, denn sie, die Restaurantbesitzer, haben es selber in der Hand!

  • Cor Inne am 11.02.2016 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Gast ist König, er sollte sich aber auch könig

    Der Kunde ist König! Aber er sollte sich auch königlich benehmen!!! "Eine Tasse heisses Wasser bestellen, da sie das Teebeutelchen schon selber dabei haben." ect.ect. das gibt es zu bestimmten Zeiten leider viel zu oft. Drüber stehen, denke ich und auf die zahlenden Gäste warten. .

  • Tatütata am 11.02.2016 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inhaltlich gut / Formulierungen falsch

    Immer wieder wird das Wort Gebühr verwendet. Wann begreift auch mal der letzte Schreiberling das Gebühren nur der Staat und Hochschulen erheben können. Alle anderen können Spesen, Zuschläge oder Aufschläge verlangen aber niemals Gebühren.

  • DavidLU am 11.02.2016 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche existens Angst

    der, der heude lediglich eine Vorspeisse gegessen hat, wäre morgen evtl. morgen mit 5 Personen essen gekommen

  • Daniela Prieto Cereijo am 11.02.2016 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch das gibt's

    Ich kenne ein Ehepaar, das jedesmal nur ein Menü oder Teller bestellt, sich aber alles teilen möchte, auch mit Teller und Besteck extra... Es gibt viele solche oder ähnliche Leute obwohl es schwer zu glauben ist