19. April 2005 13:58; Akt: 19.04.2005 13:59 Print

Wiedereingliederung statt Rente

Dank umfassender Begleitung erkrankter oder verunfallter Arbeitnehmender lassen sich hohe Invaliditätskosten einsparen.

Fehler gesehen?

Ein entsprechendes Pilotprojekt bei der Kantonalzürcher Verwaltung zeigt erste positive Resultate.

Das starke Wachstum bei den IV-Rentenbezügern der letzten Jahre ist in aller Munde. Seit 1990 hat deren Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung von 3,1 auf 5,2 Prozent zugenommen, im Kanton Zürich liegt er zurzeit bei 4,6 Prozent.

Seit einem halben Jahr läuft beim Kanton Zürich das Projekt Rehabilitations-Unterstützung. Damit soll geklärt werden, ob und wie sich mit besserer Betreuung potenzieller IV-Rentenbezüger letztlich eine kostspielige Invalidität verhindern lässt.

Reha-Begleiter werden aktiv

Die Zürcher Justizdirektion präsentierte am Dienstag einen Zwischenstand: Zwar ist der Handlungsbedarf auf Bundesebene erkannt und es laufen bei der IV Anstrengungen zu Gesetzesänderungen. «Man wollte aber nicht warten», sagte Regierungsrat Markus Notter (SP).

Deshalb habe man in seiner Direktion mit rund 1600 Angestellten das Projekt gestartet und bisher positive Erfahrungen gemacht. Es dauert noch bis Ende 2006, danach will die Regierung laut Notter über eine Ausweitung auf die Kantonsverwaltung entscheiden.

Beim freiwilligen Pilotprojekt können sich verunfallte oder schwerer erkrankte Arbeitnehmende der Justizdirektion bei Reha- Betreuenden melden. Diese erarbeiten zusammen mit den Patienten, dessen Arbeitgebern und Ärzten Alternativen zur drohenden Invalidisierung.

Grosses Sparpotenzial

Wichtig sei auch der Einbezug des sozialen Umfeldes Betroffener, sagte Karin Andermatten, stellvertretende Personalleiterin der Justizdirektion. Seit September 2004 beteiligen sich neun Angestellte am Projekt. Für eine Bilanz sei es noch zu früh, Einzelbeispiele wiesen jedoch auf grosse Spareffekte hin.

So drohte einem 40-jährigen Verunfallten eine 30-prozentige Invalidität. Dank Reha-Begleitung arbeitet er künftig zu 30 Prozent zuhause und nur noch zu zwei Dritteln am Arbeitsplatz. Er bleibe damit weiterhin 100-prozentig arbeitsfähig.

Die Invalidisierung hätte die Beamtenversicherungskasse (BVK) rund 260 000 Franken gekostet. Der Aufwand der Reha-Unterstützung betrug 2800 Franken. Ähnlich ist der Fall eines 61-Jährigen. Eine 100-Prozent-Invalidität konnte verhindert werden. Die Reha- Unterstützung kostete 4000 Franken, die BVK spart 85 000 Franken.

Jährlich kommen bei der BVK bis zu 300 neue IV-Fälle hinzu - mit hohen Kosten. Das Geld für die Reha-Begleitung sei angesichts des Spareffekts gut angelegt, sagte BVK-Chef Rolf Huber. Für das Reha- Pilotprojekt - ein ähnliches läuft auch in der Stadt Zürich - haben Kanton und BVK gemeinsam 250 000 Franken zur Verfügung gestellt.

(sda)