Böttstein AG

23. März 2016 16:43; Akt: 23.03.2016 17:02 Print

Wildschwein-Quäler kassiert hohe Strafe

Ein 55-jähriger Bauer hat im Oktober in Böttstein AG absichtlich vier Wildschweine überfahren. Das Bezirksgericht Zurzach verurteilte ihn am Mittwoch wegen Tierquälerei.

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Vier Wildschweine hat der Bauer in Böttstein vorsätzlich mehrfach überfahren. (Bild: Screenshot Tele M1)

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18 Monate bedingt – so lautet die Freiheitsstrafe, die der 55 jährige Schweizer am Mittwochnachmittag vom Bezirksgericht Zurzach kassierte. Zudem verhängte es eine Busse von 4000 Franken, weil der Mann vorsätzlich gehandelt habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Fall von Tierquälerei hatte im Oktober viel Aufsehen erregt. Die Polizei suchte zunächst einen unbekannten Autolenker, der drei Frischlinge und eine Bache (Muttertier) auf einem Feld mit einem Geländewagen gezielt überfahren hatte.

Wut wegen Wildschweinschäden als Motiv

Rund 20 Tiere hatten sich auf dem Feld aufgehalten. Während sich die meisten Tiere retten konnten, wurden die Frischlinge so schwer verletzt, dass sie auf der Stelle starben.
Ein Muttertier erlitt ein gebrochenes Rückgrat und blieb die ganze Nacht verletzt auf dem Feld liegen. Es konnte erst am folgenden Morgen durch einen gezielten Schuss erlöst werden.

Als geständiger Täter sass vor Gericht ein kräftiger Mann mit dunkelblonden Haaren, der auf die Fragen des Gerichtspräsidenten knapp und leise antwortete. Er zeigte sich kaum reuig. Die Tat rechtfertigte er mit den von Wildschweinen angerichteten Schäden. Es sei einfach «eine Katastrophe». Die Bauern würden von den Behörden im Stich gelassen. «Dann gehen die Nerven halt einmal durch. Ich hatte ein Blackout.»

Keine Absicht

Er habe die Wildschweine vertreiben wollen, sagte er. Er sei ihnen nachgefahren - und vier Tiere seien dann unters Auto gekommen. Er habe nie die Absicht gehabt, die Wildschweine zu töten. Die Justizbehörden hatten ihn nach einer Woche ermittelt. Erst im Verlaufe der Strafuntersuchung gestand er.

Zuvor hatte er in den Medien von einer «abscheulichen Tat» gesprochen. Im Rückblick hätte er sich selbst selbst stellen sollen, räumte er ein. Der Landwirt erhält pro Jahr rund 65'000 Franken Subventionen. Als gelernter Maurer arbeitete er bislang auch im Baugeschäft seines Bruders.

Verteidiger wollte bedingte Geldstrafe

Die Staatsanwältin forderte für den Wildschwein-Quäler eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten und eine Busse von 4000 Franken. Die Wildschweine seien gezielt gejagt worden.
Es hätten sich «dramatische Szenen» abgespielt. «Es gab keinen Grund, Selbstjustiz zu üben», sagte sie. Der Mann habe «kaltblütig» gehandelt.

Der Verteidiger forderte einzig eine Verurteilung wegen mehrfacher Tierquälerei. Er beantragte eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen. Sein Mandant sei «kein Monster». Dieser habe die Wildschweine vom Feld vertreiben wollen.

Die Tat des Angeklagten und der Prozess rief auch mehrere Tierschützer auf den Plan. Die Organisationen Animalrights und Animaltrust forderten wegen Tierquälerei die «Höchststrafe von drei Jahren». Ein Dutzend Personen hielten am Mittwochmorgen vor dem Gerichtsgebäude eine Mahnwache ab.

Zwei Falschaussagen mit Folgen

Ein befreundeter Landwirt, der als Zeuge vor Gericht befragt wurde, hatte den Täter zunächst gedeckt. Er wurde wegen der Falschaussage bereits zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten und zu einer Busse verurteilt.

Im Auto sass bei der Tat auf dem Beifahrersitz der 13-jährige Neffe des Täters, wie am Prozess bekannt wurde. Er log für seinen Onkel. Die Jugendanwaltschaft führt nun ein Verfahren gegen den Minderjährigen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tjt am 23.03.2016 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Hohe Strafe"???

    Dieser Mann kam sehr, sehr glimpflich davon. Für mich ist das keiner hohe Strafe!!!

  • PaSchi am 23.03.2016 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoch ?

    Hört doch endlich auf bei bedingten Strafen von hohen Strafen zu schreiben. Ausser der Busse spürt der Kerl davon gar nichts.

  • Lea am 23.03.2016 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedingte Strafe?

    Bedingt? So eine Strafe muss Unbedingt sein, sonst ist es ja keine Strafe! 4000 Franken? Zuwenig!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonja am 24.03.2016 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eine frage

    der 13 jährige enkel war dabei,er sagte niemanden etwas. das wird sicher ein problemfall.

  • Jane38 am 24.03.2016 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schaden

    klar können die wildschweine grossen schaden anrichten aber es muss andere lösungen geben. vieleicht in absprache mit förster einen zaun beim wald usw. aber so wie es der bauer getan geht gar nicht und gehört scharf bestraft

  • lucky luk am 24.03.2016 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    umbedingt

    die 15 monate müssen umbedingt sein und nicht bedingt und die 4000.- bezahlen eh wir mit den direkt zahlungen.

  • Mike am 24.03.2016 06:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wir bezahlen..

    Also bezahlen eigentlich wir Steuerzahler die 4000 Fr. mittels Subventionen...

  • Chris am 24.03.2016 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    65'000.-

    Nicht schlecht, ist ca. mein Netto-Jahreseinkommen! Schwaches Urteil! Die 4000.- Busse werden in dem Fall vom Bund subventioniert. Man sollte ihm die Subventionen um 30'000.- kürzen! DAS wäre eine Strafe.