«Fehlende Voraussicht»

23. September 2019 13:22; Akt: 23.09.2019 15:26 Print

Jetzt schiesst die Swiss Life gegen Manor zurück

Manor macht die Filiale an der Bahnhofstrasse per Ende Januar 2020 dicht. In den sozialen Netzwerken steht nun die Vermieterin unter Beschuss. Swiss Life wehrt sich.

Das sagen Passanten zum Manor-Aus und zur Rolle von Swiss Life. (Video: Fabienne Näf)
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Das Aus von Manor an der Zürcher Bahnhofstrasse wird ringsum bedauert. Die Zürcher Stadtentwicklerin Anna Schindler sagt etwa, die Schliessung sei «extrem schade»: «Es ist ein Verlust für die Kundinnen und Kunden, natürlich für die Angestellten und die Angebotsvielfalt an der Bahnhofstrasse.» Im mittleren Preissegment gebe es nun eine Lücke.

Ins Schussfeld gerät nun auch der Finanzdienstleister Swiss Life, die Eigentümerin der Immobilie. Sie hatte zunächst den Mietzins massiv erhöhen wollen – die Rede ist von einer Verdreifachung – und später ein Kaufangebot von Manor für die Immobilie an der Bahnhofstrasse abgelehnt. Jérôme Gilg, der CEO des Warenhauses, attackierte Swiss Life vor den Medien scharf: «Der Vermieter hatte kein Interesse, mit Manor an der Bahnhofstrasse weiterzufahren.»


Der Manor-Chef im Interview.

«Swiss Life mutiert zum Immobilienhai»

Auf Social Media werden Swiss Life nun «Profitgier» und «Renditemaximierung» vorgeworfen. Ein Twitter-User spricht von einer «Schande».





Auch in zahlreichen Leserkommentaren bekommt Swiss Life ihr Fett weg. So schreibt Leserin Marie Bleiker auf Tagi.ch, der Vorsorge-Anbieter mutiere «scham- und herzlos zum Immobilienhai». Eine 20-Minuten-Leserin schreibt: «Ich arbeite bei Manor und finde es mehr als schade. Heute geht es nur noch um Profit und Geld. Swiss Life ist egoistisch und es ist einfach nur traurig.»

Boykott-Aufrufe

Ein Leser spricht von frostigeren Zeiten unter Swiss-Life-CEO Patrick Frost. Dessen Entlöhnung fiel 2018 mit 4,25 Millionen Franken um rund eine Million Franken höher aus als im Vorjahr. «Den Kunden die Renten kürzen. Dem Volk das günstige, feine Manor-Mittagessen wegnehmen. Es geht abwärts, mit der Fairness, mit der Menschlichkeit in der Schweiz.»

Zu lesen sind gar Boykottaufrufe: «Kündigt eure Policen bei Swiss Life! Wie heisst der Besitzer? Profit Life? Weil mit Swiss hat es wohl nichts mehr zu tun», so ein Leser.

Andere Stimmen mahnen zu einer differenzierten Betrachtung: «So gern ich in den Manor gegangen bin, genauso hängt meine Pensionskasse auch an der Swiss Life und ich muss davon ausgehen, dass langfristig dieser Schritt nötig ist, um die Pensionskassen zu halten», findet ein Kommentator. Manor habe es natürlich wesentlich einfacher, die Bevölkerung hinter sich zu scharen, weil die meisten einen Bezug dazu hätten.

Swiss Life schiesst zurück

In einer Medienmitteilung schiesst Swiss Life zurück und wirft Manor «fehlende unternehmerische Voraussicht» vor. «Leider hat es das Management von Manor unterlassen, rechtzeitig einen alternativen Standort zu finden, obwohl seit 2011 bekannt ist, dass der Mietvertrag ausläuft.» Die Leidtragenden seien die Mitarbeiter. «Swiss Life bedauert dies und hofft, dass Manor die Mitarbeitenden an einem neuen Standort weiterbeschäftigen kann.»

Es sei nicht die Aufgabe von Swiss Life, «einen Konzern mit dem Geld unserer Versicherten zu subventionieren, indem wir auf eine marktübliche Miete verzichten. Wir erachten es als unsere Pflicht, für die Gelder unserer Kunden einen marktgerechten Ertrag zu erwirtschaften.» Swiss Life halte Immobilien als Kapitalanlagen zugunsten ihrer 1,4 Millionen Versicherten. Ein Verkauf dieser wichtigen Liegenschaft an der Bahnhofstrasse würde der Geschäftsstrategie und den Interessen der Kundinnen und Kunden von Swiss Life zuwiderlaufen.

(daw)