1.-Mai-Aktivisten

29. April 2015 17:34; Akt: 29.04.2015 17:59 Print

Wut nach Farbanschlag auf den Sechseläutenplatz

Anschlag auf den Sechseläutenplatz im Vorfeld des 1. Mai: Ob die Farbe entfernt werden kann, ist unklar. Derweil streiten sich die Organisatoren um den Startort des Umzugs.

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Der Farbanschlag auf den Sechseläutenplatz - laut den Urhebern eine Protestaktion. (Bild: NZZ Webcam )

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Die Vorboten des 1. Mai zeigen sich schon am Mittwoch: Diesmal wurden keine Geschäfte beschädigt, sondern der Valser Quarzit des Zürcher Sechseläutenplatzes. Die Stadtpolizei erhielt morgens kurz vor drei Uhr eine Meldung, dass dort ein Farbanschlag verübt worden sei, bestätigt Medienchef Marco Cortesi: «Auf einer Fläche von circa vier mal fünf Metern wurde der Platz rot gefärbt.» Die Täter würden derzeit ermittelt.

ERZ Entsorgung + Recycling Zürich hat Spezialisten beauftragt, um die Farbe zu entfernen, wie es in einer Mitteilung schreibt: «Ob dies restlos gelingt oder die Steine ersetzt werden müssen, lässt sich noch nicht sagen.» Dementsprechend seien noch keine genauen Angaben zu den Kosten möglich: «Es wird sich aber um einen fünfstelligen Betrag handeln.» Das ERZ werde eine Strafanzeige einreichen.

Linksradikale Organisation bekennt sich zum Anschlag

Der Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, Stadtrat Filippo Leutenegger, verurteilt den Vandalismus: «Der Sechseläutenplatz ist ein Volksplatz für alle geworden, insbesondere für junge Menschen.» Deshalb löse der Anschlag nur Unverständnis und Ärger aus.

Auf ihrer Facebookseite hat sich die linksradikale Organisation Revolutionäre Jugend Zürich zur Aktion bekannt. «Sie ist ein Zeichen gegen die Tatsache, dass die bewilligte Demonstration am Morgen des 1. Mai auf dem Platz der Zünfter im Quartier der Bonzen endet, statt dass man den 1. Mai dorthin trägt, wo historisch die ArbeiterInnenbewegung in Zürich ihre Wurzeln hat – in den Kreis Vier nämlich», begründet sie den Farbanschlag unter anderem.

Knatsch um den Startort des Umzuges

Die Organisatoren des 1.-Mai-Umzugs halten hingegen am Sechseläutenplatz fest, wie Präsident des Zürcher Gewerkschaftsbundes (GBKZ) und AL-Kantonsrat Markus Bischoff sagt: «Wir hatten dort letztes Jahr eine gute Stimmung – den Leuten hat es gefallen.» Die Schlusskundgebung werde seit 2007 aus Sicherheitsgründen nicht mehr auf dem Helvetiaplatz durchgeführt: «Es gab dort zu viele Scharmützel.» Aus diesem Grund werde der 1.-Mai-Umzug auch nicht mehr im Kreis vier gestartet, sondern auf der Lagerstrasse: «Das ist Teil unserer Friedensstrategie, die wir zusammen mit der Polizei und dem 1.-Mai-Komitee erarbeitet hatten.»

Nun aber macht das 1.-Mai-Komitee, das das Fest am Tag der Arbeit organisiert, dem Umzugsveranstalter GBKZ, einen Strich durch die Rechnung. Denn es hat zu einer Kundgebung auf dem Helvetiaplatz um 9 Uhr aufgerufen – danach will es beim regulären Umzug mitlaufen, der um 10 Uhr beginnt. Bischoff versteht das nicht ganz: «Die Lagerstrasse hat sich in den letzten Jahren bewährt.» Es sei dort stets ruhig gewesen und Scharmützel seien ausgeblieben: «Ich verstehe nicht, warum man daran rütteln will.»

Protestaktion gegen Europaallee

Anders sieht dies der Sprecher des 1.-Mai-Komitees und Vizepräsident der Grünen Schweiz Luca Maggi: «Der Stadtrat hätte unsere Veranstaltung nicht bewilligt, wenn er Sicherheitsbedenken gehabt hätte.» Man will sich auf dem Helvetiaplatz auf den Umzug einstimmen und politische Botschaften verbreiten: « Redner aus Mexiko und Syrien treten auf und es werden Kaffee und Gipfeli verteilt.» Die enge Lagerstrasse sei dafür kein geeigneter Ort. Zudem kritisiert Maggi deren Nähe zur Europaallee, die in seinen Augen ein Symbol für eine verfehlte Stadtentwicklung ist: «Nur ein Teil der Bevölkerung kann sich dort die Luxuswohnungen leisten.» Dagegen wolle man ein friedliches Zeichen setzen.

Medienchef Marco Cortesi sagt zur Kundgebung im Kreis 4: «Wir haben mit allen Beteiligungen Abmachungen getroffen. Wenn diese eingehalten werden, gibt es keine Probleme.» Ob der 1. Mai so friedlich wie in jüngster Vergangenheit wird, kann Cortesi nicht sagen: «Das wäre Kaffeesatzlesen.» Man sei wie in den vergangenen Jahren mit einem Grossaufgebot vor Ort. Im Auge behalten werde man auch Sechseläutenplatz und die Europaallee.

«Wir würden mit den Kritikern lieber friedlich ein Bier trinken»

Obwohl diese bei der Krawallnacht im letzten Dezember arg gelitten hat, treffen die Ladenbesitzer keine speziellen Vorkehrungen, wie ein Sprecher der Vereinigung Europaallee sagt. «Die Polizei hat uns signalisiert, dass sie die Lage im Griff hat.» Lieber würde man mit den Kritikern friedlich ein Bier trinken: «Dialog bringt uns weiter statt Krawalle.» Schliesslich seien die Geschäfte an der Europaallee kleine Betriebe und keine Grosskonzerne: «Wir verstehen nicht, warum wir in den Fokus der Randalierer geraten sind.»


(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walter R am 29.04.2015 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Primitives Gesindel...

    Das Werk linker Chaoten, einfach nur primitiv.

  • J.stadelmann am 29.04.2015 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das!!Abschaffung 1.Mai

    Warum schaut die Stadt zu jedes Jahr!!! Schaft endlich diesen Tag ab immer muss der Steuerzahler diesen misst ausbaden aber die Stadtregierung heisst ja solche Sachen noch gut ansonsten hätte man so einen Tag schon lange abgeschafft?!!!!

    einklappen einklappen
  • Christian Harlacher am 29.04.2015 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diskussion ja aber ohne Gewalt

    Es gibt immer wieder Personen die glauben mit Gewalt und Sachbeschädigung etwas zu erreichen, dabei Schaden sie sich nur selber. Es ist eine Schande dass in einem freiheitlichen und demokratischen Land wie unsere Heimat es solche Leute gibt, die unsere Werte so mit den Füßen treten. Diskussion Ja aber ohne Gewalt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nick am 30.04.2015 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1. Mai - Feuer frei

    Das Vandalismusproblem lässt sich mit 100 Fränkli und 3 Stunden Straffreiheit nachhaltigst lösen. Danach taufen wir den Tag um. Tag des himmlischen Friedens - kommt Euch doch bekannt vor meine lieben Genossen?

  • Züri-Bueb am 30.04.2015 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Roter Farbstoff

    Wenn der Zoff am 1. Mai wieder wie üblich losgeht und hunderte von Vermummten riesige Schäden anrichten: Warum kann dem Wasserwerfer der Polizei nicht ein Farbstoff - z.Bsp. Rot - beigemischt werden? So hätte man nachher kein Problem mit der Identifikation!

  • Jürg am 30.04.2015 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst

    Es handelt sich hier um Kunst und stellt das vergossene Blut bei Marignano dar. Unbedingt beibehlten!!!

  • Anmeldeformular? am 30.04.2015 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peanuts

    Also für einen 5-stelligen Betrag würde ich persönlich mit Zahnbürste und Aceton bewaffnet den Platz sauber schruppen

  • Oma am 30.04.2015 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zürcher Kunstansichten

    Über den altenHafenkran habt ihr euch gefreut, der konnte ja nicht genug Kosten. Warum seht ihr das bisschen rot nicht auch als Kunst an ist nicht halb so teuer wie der Hafenkran? Setzt doch dort statt Steine wieder ein paar Rasenziegel ein, kostet am wenigsten.