Martin Graf eckt an

02. Juni 2013 17:03; Akt: 02.06.2013 17:03 Print

Zölibat-Kritik – Bischof empört über Justizdirektor

In einer Rede kritisierte der Zürcher Regierungsrat Martin Graf Bischof Huonder und Papst Franziskus. Im Bistum Chur reagiert man empört und fordert eine Entschuldigung.

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Als «Frontalangriff auf die Religionsfreiheit» und «Ausdruck totalitärer Gesinnung» bezeichnete der Churer Generalvikar Martin Grichting in den Sonntagsmedien die Aussagen von Regierungsrat Martin Graf. Dieser hatte am 50-Jahr-Jubiläum der Zürcher Katholiken eine Rede gehalten und unter anderem das Zölibat kritisiert. Er sagte, dass «die Kirchenoberhäupter von Chur und Rom meinen, weiterhin an den verfassungsrechtlich geschützten Grundrechten vorbeipredigen zu können, welche für die gesamte Bevölkerung der Schweiz gesellschaftliche Richtschnur sind».

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Die Kritik bezog sich laut einer Präzisierung von Graf auf das Zölibat, die Verweigerung der Priesterweihe für Frauen, die Nichtanerkennung gleichgeschlechtlicher Paare und die Weigerung, geschiedene Paare wieder zu vermählen. Diese Punkte würden seiner Meinung nach der Bundesverfassung widersprechen. Diese sichere etwa das Recht auf Ehe und Familie ausdrücklich zu.

«Geschützte Werkstatt von Chur und Rom»

Grichting, die rechte Hand von Bischof Vitus Huonder, sagte gegenüber der «NZZ am Sonntag», dass der Zürcher Justizdirektor nicht verstehe, worum es bei den Grundrechten gehe. Das Zölibat wie auch das Priestertum sei ein aus freien Stücken gewählter Lebensstand. Folge man der Logik Grafs wolle dieser «offenbar die staatliche Zwangsehe einführen».

Doch die Aussage über Priestertum und Zölibat ist nicht die Einzige, die dem Bistum sauer aufstiess. Der Zürcher Regierungsrat hatte die moderne katholische Kirche in Zürich gelobt und in Hinsicht auf Bischof Huonder und Papst Franziskus von der «geschützten Werkstatt von Chur und Rom» gesprochen, «wo die Zeit offenbar im späten Mittelalter stehen geblieben ist».

Graf soll sich entschuldigen

Damit habe Graf «indirekt den Bischof von Chur und Papst Franziskus als Behinderte» bezeichnet, sagt Grichting. Denn geschützte Werkstätten seien Betriebe, wo im freien Arbeitsmarkt nicht mehr vermittelbare Personen einer Arbeit nachgingen. Nun müsse sich der Regierungsrat für die «verletzende Ausfälligkeit» entschuldigen.

Ob Graf nach diesem Aufschrei der Empörung die Aussagen zurücknimmt und sich entschuldigt, ist unklar. «Ich äussere mich nicht dazu», sagt er gegenüber 20 Minuten.

(ann)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Es wird niemand gezwungen, katholischer Priester zu sein. Wer heiraten will, und trotzdem Pfarrer sein will, kann ja auch zur reformierten Kirche wechseln. Das Zölibat wurde in der katholischen Kirche relativ spät eingeführt. Es ging nicht darum, dass der Priester vor allem keusch zu sein hatte, sondern man wollte damals verhindern, dass Kirchengüter und Land nicht weitervererbt werden, sondern bei der Kirche blieben. Denn früher ging Land und Gut an die Nachkommen. Heutzutage könnte das Zölibat längst abgeschafft werden. – Pierre Vontobel

Es wird niemand gezwungen, katholisch zu sein. Jeder, dem die Spielregeln nicht passen, ist frei, sich einer anderen Glaubensgemeinschaft anzuschliessen. Ich bin katholisch und werde es immer bleiben. Gilt die Religionsfreiheit für mich nicht? – K. Tholik

Es ist niemand gezwungen, Katholik zu sein. Wem die Werte der katholischen Kirche nicht passen, kann ja austreten. Es ist auch verlogen, von jedem zu verlangen, dass er punkto Sexualität "politisch korrekt" ist. Wenn jemand die gleichgeschlechtliche Ehe abstrus findet, ist er frei, das zu denken und auch kund zu tun. Herr Graf hat sein Meinung, die Kirche vertritt andere Werte. Niemand hat von Herrn Graf verlangt, er soll sich bekehren. Aber als Justizminister ist zu erwarten, dass er auch die Werte der katholischen Kirche zumindest achtet. – Fabio, Bern

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AlphornCloto am 03.06.2013 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Martin

    Es braucht viel Mut die Fakten vor der Nase zu legen. Deshalb die Reaktion der katholische Kirche. Was kann man anders erwarten.

  • Antikleriker am 03.06.2013 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch das Aufheulen des Klerus

    DER Zölibat. Eine weitere unchristliche, in der Bibel nicht vorkommende Erfindung zum kath. Machterhalt. Und freiwillig und frei von Zwang ist der Austritt längst nicht für alle. Wer sein Seelenheil bei den Katholen sucht und glaubt zu finden, hat es oft nicht leicht. Typisch das Aufheulen des geschlechtlich dysfunktionalen Klerus: Frauen diskriminieren und anderen teils entgegen der naturgegebenen Bestimmung Vorschriften machen.

  • Atheist am 03.06.2013 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Trennen - sofort!

    Die Katholische Kirche darf von mir aus predigen und machen was sie will, solange sie vom Staat getrennt ist, die Unternehmen keine Kirchensteuern mehr zahlen müssen und die Steuereintreibung wie bei jedem anderen Club auch privat gemacht wird. Wenn die, die dann noch im Club sind Mittelalter spielen wollen respektive sich mit den hirarchischen Clubregeln abfinden ist mir das dann auch egal.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Antikleriker am 03.06.2013 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch das Aufheulen des Klerus

    DER Zölibat. Eine weitere unchristliche, in der Bibel nicht vorkommende Erfindung zum kath. Machterhalt. Und freiwillig und frei von Zwang ist der Austritt längst nicht für alle. Wer sein Seelenheil bei den Katholen sucht und glaubt zu finden, hat es oft nicht leicht. Typisch das Aufheulen des geschlechtlich dysfunktionalen Klerus: Frauen diskriminieren und anderen teils entgegen der naturgegebenen Bestimmung Vorschriften machen.

  • AlphornCloto am 03.06.2013 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Martin

    Es braucht viel Mut die Fakten vor der Nase zu legen. Deshalb die Reaktion der katholische Kirche. Was kann man anders erwarten.

  • Religionsskeptiker am 03.06.2013 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Der Zölibat

    DER Zölibat. Eine weitere unchristliche, in der Bibel nicht vorkommende Erfindung zum kath. Machterhalt. Und freiwillig und frei von Zwang ist der Austritt längst nicht für alle. Wer sein Seelenheil bei den Katholiken sucht und glaubt zu finden, hat es oft nicht leicht. Typisch das Aufheulen des geschlechtlich dysfunktionalen Klerus: Frauen diskriminieren und anderen teils entgegen der naturgegebenen Bestimmung Vorschriften machen.

  • Atheist am 03.06.2013 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Trennen - sofort!

    Die Katholische Kirche darf von mir aus predigen und machen was sie will, solange sie vom Staat getrennt ist, die Unternehmen keine Kirchensteuern mehr zahlen müssen und die Steuereintreibung wie bei jedem anderen Club auch privat gemacht wird. Wenn die, die dann noch im Club sind Mittelalter spielen wollen respektive sich mit den hirarchischen Clubregeln abfinden ist mir das dann auch egal.

  • Ernst Moser am 03.06.2013 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Schweigen

    Graf als Nicht-Katholik soll gefälligst schweigen und sich nicht in die Kath. Kirche einmischen. Der Bischof hat sich ja auch nicht in das Privatleben von Graf eingemischt.