Freispruch

10. Juni 2011 08:00; Akt: 09.06.2011 19:27 Print

Zu widersprüchliche Belastungen

von Attila Szenogrady - Ein Autolenker aus Richterswil soll in Zürich ein anderes Fahrzeug auf ein Trottoir abgedrängt und ein Rotlicht überfahren haben. Da der Kronzeuge der Anklage zu widersprüchlich ausgesagt hatte, wurde der beschuldigte Finanzmanager freigesprochen.

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Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl gegen den heute 48-jährigen Finanzmanager aus Richterswil wogen schwer. So soll er sich am 13. Januar 2009 mitten in Zürich als gefährlicher Verkehrsrowdy aufgeführt haben. Die Anklageschrift schilderte, wie der HSG-Oekonom in den späten Abendstunden mit seinem Luxusfahrzeug der Marke BMW durch die Zürcher Innenstadt fuhr und auf der Höhe der Gessnerbrücke plötzlich seinen Motor massiv beschleunigte.

Anderes Fahrzeug auf Trottoir abgedrängt?

Laut Anklage wechselte der Manager plötzlich von der rechten auf die linke Fahrspur und übersah dabei ein Fahrzeug der Marke Mazda. Mit der Folge, dass sich der überraschte Geschädigte mit seinem Wagen nur noch auf das Trottoir retten konnte. Der schockierte Augenzeuge nahm nun die Verfolgung des Täters auf und konnte weitere Verkehrsdelikte beobachten. So wechselte der Verkehrssünder noch zwei weitere Mal die Fahrspur. Ohne jeweils den Blinker zu benutzen. Danach überfuhr er bei der Kreuzung Manesse-/Weststrasse sogar ein Rotlicht und schüttelte damit sein Opfer ab. Allerdings hatte dieses die Kontrollschilder des BMW-Lenkers notiert und schaltete kurz danach die Polizei ein.

Unschuld beteuert

Ueber zwei Jahre nach dem Vorfall musste sich der ausfindig gemachte Beschuldigte wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Dem verheirateten Richterswiler drohte neben einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 150 Franken eine Busse von 800 Franken. Zudem der Entzug des Führerausweises.

Allerdings stellte der Angeklagte sämtliche Vorwürfe in Abrede. Er habe vielleicht bei der Gessnerbrücke die Spur gewechselt, jedoch niemanden gefährlich abgedrängt, sagte er. Ein Rotlicht habe er zudem sicher nicht übersehen. Er sei doch nicht blöd, ergänzte er.

Zu widersprüchlicher Kronzeuge

Der Verteidiger verlangte ebenfalls einen vollen Freispruch und zerpflückte zunächst die allgemeine Glaubwürdigkeit des Anzeigeerstatters. So handle es sich bei diesem Kronzeugen ausgerechnet um einen vorbestraften Raser, plädierte er. Zudem habe der Geschädigte während der Untersuchung zu widersprüchliche Angaben zu Protokoll gegeben. Nicht zuletzt habe er sogar sein Desinteresse am Ausgang des Verfahrens erklärt.

Argumente mit Erfolg. So kam das Gericht zu einem vollen Freispruch und führte aus, dass der Belastungszeuge tatsächlich zu uneinheitlich ausgesagt habe. Besonders in der Schlusseinvernahme vom März dieses Jahres, als er sich kaum mehr an die Vorfälle erinnern konnte. Für das Gericht lagen damit zu viele Zweifel vor. Der Finanzmanager erhielt eine Prozessentschädigung von 3 500 Franken. Zudem eine Umtriebsentschädigung von 100 Franken.