Gerichtsentscheid

18. April 2017 23:31; Akt: 19.04.2017 03:18 Print

Zürcher Arzt unschuldig an tödlicher Überdosis

Das Zürcher Obergericht hat Angehörige eines Patienten abblitzen lassen. Der Mann starb an einer Überdosis Medikamente, die der Hausarzt dem Ex-Kokser auf einmal abgab.

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Im Zürcher Obergericht liess man die Angehörigen abblitzen. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Todesursache war Herzversagen infolge einer Lungenembolie: Der Patient hatte im April 2012 in seiner Wohnung in Rümlang ZH einen grossen Teil seiner Morphium- und Schlaftabletten aufs Mal geschluckt. Die Pillen hatte er von seinem Hausarzt erhalten, weil er wegen eines Autounfalls chronische Schmerzen im Arm hatte.

Der Mann, der seit 1987 Patient dieses Hausarztes war, hatte aber auch ohne diesen Autounfall schon ein dickes Krankendossier: Zu einer Epilepsie kam eine langjährige Sucht nach Alkohol, Medikamenten und Kokain.

Die Eltern und die Schwester des Verstorbenen sahen die Schuld für den Tod deshalb beim Arzt. Einem Süchtigen eine grosse Menge solcher Medikamente mitzugeben und die Einnahme nicht zu kontrollieren, sei unverantwortlich, kritisierten sie.

Die Überdosis sei angesichts der Suchtprobleme voraussehbar gewesen und hätte mit der Abgabe von Tagesrationen vermieden werden können. Dies sei aus Bequemlichkeit aber nicht gemacht worden, weil das Osterwochenende vor der Tür gestanden habe.

Untersuchung gegen Arzt eingestellt

Die Staatsanwaltschaft eröffnete gegen den Arzt eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung, stellte diese aber wieder ein. Ein Gutachten, das extra für diesen Fall eingeholt wurde, habe gezeigt, dass keine Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht vorliege, begründete die Staatsanwaltschaft ihren Entscheid.

Der Verstorbene sei genauestens über die Wirkung der Pillen aufgeklärt worden. Es habe keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass der Patient nicht urteilsfähig gewesen sei.

Gemäss Aussagen des Arztes habe der Patient die ärztlichen Anweisungen zudem immer zuverlässig befolgt. Die Staatsanwaltschaft fand in den Akten nichts, das das Gegenteil bewiesen hätte.

Dass der Hausarzt straffrei davonkommen soll, wollten Eltern und Schwester jedoch nicht akzeptieren. Sie erhoben Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung und forderten, dass das Verfahren gegen den Arzt wieder aufgenommen wird.

Keine Verletzung der Sorgfaltspflicht

Damit hatten sie nun aber keinen Erfolg. Wie das Zürcher Obergericht in seinem Urteil schreibt, ist die Einstellung des Strafverfahrens nicht zu beanstanden. Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen gegen den Arzt zu Recht eingestellt, weil ihm keine Verletzung der Sorgfaltspflicht vorgeworfen werden könne.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Eltern und Schwester des Verstorbenen können es noch ans Bundesgericht weiterziehen.

(sda)