90'000 Franken

25. Juli 2019 10:56; Akt: 25.07.2019 10:56 Print

Entlassener Bankdirektor klagt und erhält Bonus

Knapp 279'000 Franken waren einem Zürcher Bankdirektor zu wenig Jahreslohn. Das Obergericht entschied, dass er einen Anspruch auf einen Bonus hat.

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385'366 Franken – so viel hat ein Zürcher Bankdirektor in den Jahren 2010 bis 2013 jährlich durchschnittlich verdient. Das geht aus einem Urteil des Zürcher Arbeitsgerichts hervor. Der Mann hatte 1991 in einer Zürcher Bank mit einer Lehre begonnen und sich bis in die Direktionsetage hochgearbeitet. 2013 erhielt er nach über 20 Jahren die Kündigung. Die Gründe dafür werden nicht genannt.

Vor dem Arbeitsgericht verlangte der Mann einen Spezialbonus, weil er nach eigenem Dafürhalten im Jahr 2012 mit knapp 279'000 Franken zu wenig verdient hatte, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Die umstrittene Frage dabei war, ob es sich beim Bankdirektor um einen Topverdiener handelt, denn bei Topverdienern mit sehr hohem Einkommen besteht laut Bundesgericht kein Anlass, über das Arbeitsrecht korrigierend einzugreifen.

«Erhebliche Schwankungen»

Die Grenze für Topverdiener hat das Bundesgericht beim fünffachen Schweizer Medianlohn festgesetzt. Für das Jahr 2012 liegt diese Grenze bei 367'000 Franken – also über dem Einkommen von 2012, aber unter dem genannten Durchschnittseinkommen.

Das Arbeitsgericht hat die Klage abgewiesen. Laut Urteil darf man bei der Ermittlung des Einkommens nicht isoliert auf das Jahr 2012 abstellen, da es je nach Jahr erhebliche Schwankungen gebe. Zudem hatte der Mann mit der Kündigung eine Abgangsentschädigung bekommen, die ihm 2013 ein Jahreseinkommen von 431'000 Franken bescherte.

Bonus von knapp 90'000 Franken

Das Zürcher Obergericht sieht das anders. Ob 2012 eine Bonusberechtigung bestehe, könne nur mit dem Jahreseinkommen aus diesem Jahr ermittelt werden – und 2012 war der entlassene Bankdirektor gemäss der Berechnung des Bundesgerichts kein Topverdiener. Für das Obergericht besteht darum ein Bonusanspruch von knapp 90'000 Franken.

Der Betrag entspricht der Differenz zwischen dem Einkommen 2012 und dem fünffachen Medianlohn. Erhalten hat der Mann das Geld allerdings noch nicht, wie die Zeitung schreibt. Die Bank hat den Entscheid des Obergerichts ans Bundesgericht weitergezogen.

(tam)