Strafe erhöht

01. April 2014 16:37; Akt: 01.04.2014 17:52 Print

Zürcher Drogenboss muss neun Jahre sitzen

von Attila Szenogrady - Ein Italo-Zürcher hat als Chef einer Drogenbande über 21 Kilogramm Kokain aus Südamerika in die Schweiz geschmuggelt. Auch vor brutalen Strafaktionen gegen seine Kuriere schreckte er nicht zurück.

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Die Ware, die der Drogenhändler in die Schweiz schmuggelte, war von hochwertiger Qualität mit einem Reinheitsgehalt von bis zu 70 Prozent. (Bild: Keystoe/Symbolbild)

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Es war Ende 2006, als der heute 33-jährige Italo-Zürcher im grossen Stil in den internationalen Drogenhandel einstieg und bis zum Mai 2010 regelmässig grosse Mengen hochwertiges Kokain aus Südamerika über den Flughafen Kloten in den Kanton Zürich einführen liess. Dabei agierte er als unumstrittener Boss, der mehrere Schweizer Kuriere anstellte und diese rigoros überwachte.

Bis zu seiner Verhaftung hatte er über 21 Kilogramm Kokain in den Kanton Zürich eingeschmuggelt und teilweise gewinnbringend verkauft hatte. Jedenfalls konnte der IV-Rentner nachweislich Drogengelder für rund 114'000 Franken waschen. Eindrücklich war, dass das Kokain hochwertige Ware mit einem Reinheitsgrad von über 70 Prozent war.

100 Gramm Kokain als Schweigegeld

Dass der Stadtzürcher auch durchaus zu Ausübung von roher Gewalt bereit war, zeigte eine brutale Strafaktion gegen einen seiner Kuriere. Dieser wurde in Kloten mit 1,3 Kilogramm Kokain von der Polizei erwischt und kurz darauf wieder entlassen. Worauf der misstrauische Boss überzeugt war, dass sein Angestellter das Rauschgift für sich selber eingesteckt hatte.

Er und ein bezahlter Rocker entführten den Kleinkriminellen in den Kanton Aargau, wo sie den Geschädigten mit Schlägen und Foltermethoden einschüchterten. Sei es mit einer geladenen Pistole, die der Rocker dem Opfer in den Mund steckte oder mit einem Elektroschockgerät, das der Drogenchef wiederholt gegen den Gefangenen einsetzte. Zudem zog man ihm eine Gitarre über den Kopf und verletzte ihn mit einer Gartenkralle am Oberschenkel. Erst als die Anwältin des Kuriers dessen Geschichte am Flughafen bestätigte, hörte der Beschuldigte auf und entschädigte ihn mit 100 Gramm Kokain als Schweigegeld.

Strafen deutlich erhöht

Im letzten Herbst mussten sich der im Mai 2010 verhaftete Drogenboss sowie sein Schläger in einem Berufungsprozess vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Dieses gab nun sein Urteil und damit eine deutlich Straferhöhung bekannt. Demnach wurde der Italiener wegen schweren Drogenhandels, mehrfacher Geldwäscherei, Freiheitsberaubung sowie mehrfach versuchter Nötigung zu einer hohen Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Das Bezirksgericht Zürich hatte noch im Dezember 2012 sechs Jahre und neun Monate Freiheitsentzug ausgesprochen.

Zum Unwillen der Staatsanwaltschaft, die Berufung einlegte und vor Obergericht eine Strafe von über zehn Jahren gefordert hatte. Grösstenteils mit Erfolg. Zudem wurde der Hauptbeschuldigte verpflichtet, aus dem widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil 20'000 Franken dem Kanton Zürich abzuliefern. Auch der Rocker wurde härter angepackt. Er kassierte wegen Freiheitsberaubung und weiteren Delikten neu eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Das Bezirksgericht hatte nur 40 Monate festgelegt.