Extreme Trockenheit

09. November 2015 05:48; Akt: 09.11.2015 12:12 Print

Zürcher Gemeinden geht das Trinkwasser aus

Zürcher Gemeinden rufen ihre Bürger zum Wassersparen auf. So wurde in Schlatt ZH bereits der Notstand ausgerufen, bald müssen Tanklaster Trinkwasser bringen.

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In einem Grossteil der Gemeinde Schlatt ist derzeit das Trinkwasser knapp. (Bild: Adrian Michael/Wikipedia )

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Ein Vollbad nehmen, ausgiebig duschen oder das Auto waschen: Das sollte man in Schlatt bei Winterthur derzeit nicht tun. Der Gemeinderat ruft zum Wassersparen auf. «Notstand beim Trinkwasser», heisst es auf einem Flugblatt, das letzte Woche in alle Haushalte verteilt wurde. Denn wegen der extremen Trockenheit seit dem Sommer versiegen die Quellen, die ein Grossteil des Dorfes versorgen.

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«Zurzeit können wir den Tagesbedarf an Trinkwasser nur noch ganz knapp decken», sagt Sicherheit- und Landwirtschaftsvorsteher Karl Müller zu 20 Minuten. Weil auch für die nächsten Tage kein Regen in Sicht ist, wird aber auch das bald nicht mehr möglich sein: «Wir haben bereits Tanklaster bestellt, die uns Wasser liefern.» Eine weitere Möglichkeit sei, die Versorgung stundenweise oder nachts einzuschränken. Dann könne es sein, dass zeitweise gar kein Wasser aus dem Hahn komme. «Wir setzen aber alles daran, dass dies nicht passiert», so Gemeinderat Müller.

Sogar im Hitzesommer 2003 hat es gereicht

Trotzdem bereitet Müller die Situation grosse Sorgen: «Zwar war das Wasser im Hitzesommer bereits knapp, doch es hat immer gereicht.» Auch weil damals fast 130 Einwohner weniger in der 754-Seelen-Gemeine lebten. Ein weiteres Problem ist, dass das Dorf lediglich über die sieben Quellen Wasser bezieht, wie Müller sagt: «Wir können nicht woanders Grundwasser anzapfen, weil wir zu abgelegen und zu hoch oben sind.» Man werde aber in Zukunft mit der Wasser-Genossenschaft Waltenstein zusammenarbeiten, die gleich neben Schlatt liegt: «Sie kann uns in Zukunft bei Engpässen aushelfen.»

Schlatt gehört laut dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) zu den wenigen Gemeinden im Kanton, die noch kein zweites Standbein bei der Wasserversorgung haben. Ein solches wäre eigentlich vorgeschrieben, doch der Kanton macht nicht überall gleich viel Druck, wie Awel-Mitarbeiterin Nicole Guntli zum «Landboten» sagt: «Wir priorisieren die Fälle.» Je mehr Menschen betroffen seien, desto schneller müssten die Schwachstellen behoben werden. Gerade für kleinere Gemeinden könnten die Investitionskosten sehr hoch ausfallen.

Auch in Wildberg versiegen die Quellen

Für Guntli ist die gegenwärtige Trockenheit in Schlatt sehr aussergewöhnlich. Wann zuletzt Tanklaster eine Trinkwasser-Notversorgung sicherstellen mussten, ist nicht bekannt. Allerdings versiegen derzeit nicht nur in Schlatt sondern auch in Wildberg die Quellen. Immerhin konnte die Gemeinde Wasser aus dem Tösstal zukaufen, aber einige Häuser sind nicht an die Wasserversorgung angeschlossen. Laut der Zeitung wurde deshalb ein Haushalt provisorisch an einen Hydranten angeschlossen.

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wetterfee am 09.11.2015 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goldiger Regen

    Liebe Medien und Radiostationen : es gibt Völker die den Regen feiern weil er Fruchtbarkeit bringt! Bei uns wird gejammert und gruusiges Wetter verkündet wenn Regen in Sicht ist. Hallo? Vielleicht checken die Leute erst bei eigener Einschränkung, dass der Regen Gold wert ist! Mal darüber nachgedacht? Hört mal hin wenn die Wettergurus das Wetter verkünden. Sonnenschein ist schön, Regen ist gruusig und wüst. Tja wir werden sehen was am Ende wüst ist.

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  • Brigitte-Singapore am 09.11.2015 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abscheulich!

    Jetzt könnte ich gleich platzen vor Empörung. Vor 5 Minuten las ich den Bericht der doch so "armen" Skigebieten die mit viel Wasser künstlichen Schnee machen wollen und jetzt lese ich, dass in Schlatt das Trinkwasser knapp wird. Wo leben wir den eigentlich? Ist die Schweiz wirklich so Profitgeil geworden, dass es egal geworden ist, wie es dem Nächsten geht? Das ist einfach abscheulich ein solches Verhalten!

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  • Volker am 09.11.2015 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieviel Regen ist nötig?

    Wieviel Regen ist eigentlich nötig, um alle Reserven wieder zu füllen? Weiss das jemand?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • P. Hysiker am 10.11.2015 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fukushima Desaster

    Schwarzes Szenario. Die Japaner haben unser Trinkwasser angezapft. Sie brauchen es um die Reaktoren von Fukushima zu kühlen.

  • Klaus am 10.11.2015 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grundbedarf sichern!

    Am bessten wäre wenn ein Grundbedarf festgelegt wird der sich durch die Anzahl Personen pro haushalt zusammensetzt. Dann zahlt man bis dieser ereicht ist einen Biligtarif auf das wasser, alles was darüber liegt wird zu einem höheren tarif abgerechnet.

    • Maya Müller am 10.11.2015 06:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus

      Eine der besten Ideen die ich hier gelesen habe, gehört sofort umgesetzt. Dann bekommen die Extremwasserverbraucher endlich ihre gerechte Rechnung

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  • Bodo Bär am 10.11.2015 00:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimaerwärmung trifft auch uns

    Die Klimaeewärmung geht auch an uns nicht spurlos vorbei. Die Eisbären leden schon ärger, bis jetzt juckt es uns noch wenig. Vielleicht braucht es nun einen Weckruf?

    • André am 10.11.2015 07:24 Report Diesen Beitrag melden

      Schlafen ist gesund

      Dieser Weckruf erfolgte bereits vor Jahren an BR. Wohl ist wieder einmal was verschlafen worden.

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  • Fränzi am 09.11.2015 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Initiative

    Alle reichen SVPler sollen auf ihren Swimmingpool verzichten. Dann reicht auch das Trinkwasser bis in den Herbst.

    • Muster am 09.11.2015 23:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Fränzi

      Könnte das Trinkwasser auch in Ihrer Gemeinde ausgegen? Schon mal darüber nachgedacht? Wo Sparen Sie beim Wasser? Wie wäre es wenn Sie zuerst vor Ihrer Haustür schauen. Wo spart Ihre Partei beim Wasser, wie viel davon haben Swimmingpool?

    • Muster am 10.11.2015 00:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Fränzi

      Denken Sie jeden Tag gut über das Schreiben nach. Wasser wird aus drei Gründen knapp. Hauptursache ist die wachsende Weltbevölkerung. Zweitens steigert der Wassermangel die ungleiche Verteilung und Nutzung durch den Menschen selbst. Und drittens beschleunigt der Klimawandel die Probleme, weil trockene Gebiete noch trockener werden.

    • Fabi am 10.11.2015 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fränzi

      Finde ich grundsätzlich eine sinnvolle Idee :) aber man sollte die SVP weglassen! Sie hat nichts zu thun mit dem Wassermangel.

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  • Heidi am 09.11.2015 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probleme?

    Die Probleme am falschen Ort suchen. Das kann man hier scheinbar sehr gut. Man kann sich auch selbst betrügen oder die Schuld immer bei den andern suchen. Wasser wird zunehmend zum Mangelprodukt. Weil es zu heiss und zu trocken ist. Und nicht weil ein paar Flüchtlinge die Seen leertrinken. Das ist sowas von daneben.