Bussenstreik

15. April 2011 16:47; Akt: 15.04.2011 16:48 Print

Zürcher Polizei nimmt Bürger ins Gebet

Seit 16 Stunden ist die Zürcher Stadtpolizei im Bussenstreik. Aber Achtung: Die Polizei drückt nur bei Bagatelldelikten ein Auge zu. Falschparken ist weiterhin teuer.

storybild

Reden fehlbaren Automobilisten jetzt vermehrt ins Gewissen - allerdings gibt es nur bei Bagatelldelikten keine Bussen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Zur gesetzeslosen Zone ist die Stadt Zürich am Freitag nicht geworden. Dass zeigen auch Reaktionen von Leserreporteren, die sich bei 20 Minuten Online beschwert haben, sie seien trotz Bussenstreik gebüsst worden. Bussen gibt es nämlich trotzdem - insbesondere beim Falschparken.

Das erste Bagatelldelikt, bei dem die Polizisten den Bussenblock nicht hervorholten, ereignete sich offenbar nur wenige Minuten nach Mitternacht - dem Beginn der Aktion. Seither wiederholte sich die Szene zahlreiche Male.

Wie viele Bussen nicht verteilt worden seien, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden, sagte Werner Karlen, Präsident des Polizeibeamtenverbandes, auf Anfrage der SDA. Klar sei aber, dass die Bürgerinnen und Bürger die Aktion nicht ausnützen würden.

Weniger Administration - mehr Gespräche

Untätig sind die Polizisten trotz Bussenstreik nicht: Grobe Verstösse, welche die Verkehrssicherheit gefährden, werden nach wie vor geahndet. Nur bei harmlosen Fällen verzichten die Polizisten auf die Busse.

Zudem würden die Polizisten nun in der Zeit, in der sie sonst die Angaben aufschreiben würden, das Gespräch mit den Verkehrsteilnehmern suchen. Manch einer mache sich vielleicht mehr Gedanken über sein Verhalten, wenn er in ein Gespräch verwickelt werde, statt eine Busse bekomme. «Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese Gespräche ihre Wirkung nicht verfehlen», mutmasst Karlen.

Ob dies tatsächlich so ist, interessiert auch die Wissenschaft. Das Institut des Zürcher Strafrechtsprofessors Martin Killias hat sich bereits bei der Stadtpolizei gemeldet und Interesse an einer Studie über diese Art der Bussenpraxis angemeldet.

Dazu müsste man nach der Aktion die Erfahrungen der Polizisten auswerten. «Wir würden gerne unseren Teil zu einer solchen Studie leisten», sagte Karlen.

Krisensitzung um 17 Uhr

Die Vertreter des Polizeibeamtenverbandes werden sich am Freitag um 17 Uhr zu einer Krisensitzung mit dem Zürcher Polizeivorstand Daniel Leupi treffen. Dass der Bussenstreik danach abgebrochen wird, glaubt Karlen jedoch nicht.

Angesichts der Traktandenliste, die er bekommen habe, sei er nicht sehr zuversichtlich, dass der Stadtrat Zugeständnisse mache. Die Polizisten fordern mit ihrer Aktion mehr Lohn und mehr Personal, aber auch Vereinfachungen wie etwa die Einführung von Onlineformularen für Rapporte.

(sda)