Prozess

04. Juni 2016 09:35; Akt: 04.06.2016 09:35 Print

Zürcher Profi-Masseur schändete Kundinnen

von Attila Szenogrady - Ein Masseur hat zwei Kundinnen nicht nur sexuell missbraucht, sondern auch heimlich fotografiert. Das Zürcher Obergericht hat ihn verurteilt.

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Hier fand die Verhandlung statt: Das Zürcher Obergericht. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Zum Schluss folgten die Oberrichter weitgehend der Anklage. Demnach hatte sich der heute 46-jährige Stadtzürcher Berufsmasseur während seiner Arbeit an zwei Kundinnen sexuell vergangen.

Zuerst suchte er sich eine heute 55-jährige Kundin als Opfer aus. Unter dem Vorwand, er werde ihr «innere Verletzungen im Unterleib lösen», drang er der auf einer Massagebank liegenden Geschädigten mit einem Finger in die Scheide ein. Die Frau war dabei zu überrascht, um Widerstand zu leisten.

Auch eine 16-jährige Gymnasiastin missbraucht


Noch dreister ging der aus dem Fernen Osten stammende Schweizer zulasten einer 16-jährigen Gymnasiastin vor. Er küsste sie, leckte sie an den Brustwarzen und führte über mehrere Minuten hinweg zwei Finger in ihre Scheide ein. Die schockierte Schülerin unterrichtete später ihre Mutter über die Übergriffe und erstattete mit der Hilfe einer Psychologin Strafanzeige bei der Polizei.

Diese nahm den Masseur im Juni 2014 fest und stellte auf seinem Handy diverse Fotos mit den nackten Geschlechtsteilen der Geschädigten sicher. So hatte der Mann während den Massagen mit seinem Mobiltelefon die entblössten Brüste oder die Scheiden der Opfer heimlich fotografiert. Was der Täter auch zugab und mit seinem Sammel-Trieb von Bildern entschuldigte. Im Gegensatz zu den körperlichen Übergriffen, die er in Abrede stellte.

Gefängnis und Berufsverbot gefordert

Der zuständige Staatsanwalt Markus Oertle forderte am Freitag vor Obergericht wegen mehrfacher Schändung, mehrfacher Verletzung der Geheim- und Privatsphäre sowie Pornografie eine unbedingte Freiheitsstrafe von 44 Monaten. Verbunden mit einem dreijährigen Berufsverbot. Verteidiger Michael Felder setzte sich wegen der heimlich erstellten Fotos für eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten ein. Bei den Schändungen verlangte er mangels Beweisen Freisprüche.

Beide Parteien kritisierten ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Zürich. Dieses hatte im letzten September den Mittelweg eingeschlagen und nur die Übergriffe zulasten der Schülerin als erstellt eingestuft. Was zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten geführt hatte.

Strafe erhöht, aber kein Berufsverbot

Das Obergericht stufte jetzt die Aussagen von beiden Opfern als sehr glaubhaft ein und kam zu umfassenden Schuldsprüchen. Entscheidend war zudem, dass die zwei Frauen unabhängig voneinander ähnliche Tatabläufe geschildert hatten. Sie hätten den Täter auch nicht unnötig belastet, führte der Gerichtspräsident Daniel Bussmann aus.

Mit den umfassenden Schuldsprüchen erhöhten die Oberrichter die erstinstanzliche Strafe deutlich auf 36 Monate. Davon soll der bereits vorbestrafte Masseur ein Jahr absitzen.

In einem Punkt hatte der Beschuldigte Glück. Aufgrund seines längeren Wohlverhaltens seit den Vorfällen sah das Obergericht von einem Berufsverbot ab und verwies auf das Damoklesschwert einer längeren Probezeit von vier Jahren. Zudem habe die zu vollziehende Freiheitsstrafe von 12 Monaten eine erhebliche Warnwirkung, zeigte sich Präsident Bussmann überzeugt.