Missglückte Brust-OPs

06. Februar 2015 13:39; Akt: 06.02.2015 14:15 Print

Zürcher Schönheitschirurg darf nicht mehr operieren

Viele Frauen klagen über verunstaltete Brüste oder Nasen. Operiert hat sie alle derselbe Schönheitschirurg. Nun wurde gegen ihn ein Operationsstopp verfügt.

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Der Zürcher Schönheitschirurg Peter Meyer-Fürst, der wegen missglückter Operationen mehrfach in den Schlagzeilen war, darf mindestens vorübergehend nicht mehr operieren. Das Gesundheitsdepartement des Kantons Zürich hatte bereits im Januar ein Aufsichtsverfahren eingeleitet. Auslöser war eine Anzeige einer 19-Jährigen, die sich ihre Brüste beim 78-jährigen Schönheitschirurgen hatte verkleinern lassen.

Dirk Schäfer, Chefarzt der plastischen Chirurgie am Unispital Basel, bezeichnete die Operation als «eklatante Entstellung einer jungen Frau». Nun hat das Zürcher Gesundheitsdepartement reagiert und vorsorglich eine Einstellung der operativen Tätigkeit des Chirurgen verfügt. «Verschiedene Vorwürfe liessen eine ernsthafte Gefährdung von Patienten befürchten», sagt Sprecher Daniel Winter gegenüber dem «Tages Anzeiger».

Verunstaltete Nasen und Brüste

Dass diese Befürchtung nicht unbegründet sein könnte, zeigen auch die Rückmeldungen an 20 Minuten. Insgesamt 15 Frauen und Männer haben sich gemeldet. Sie geben an, vom betreffenden Schönheitschirurgen an Brust, Nase oder Lippen operiert worden zu sein. Mit dem Ergebnis ist niemand zufrieden. Ob sie tatsächlich von Peter Meyer-Fürst operiert wurden, konnte 20 Minuten nicht abschliessend überprüfen.

Einige bemängeln nur das optische Resultat, andere klagen aber auch über teils heftige Schmerzen und weitere gesundheitliche Probleme. So schreibt die 23-jährige Sara B.*, die sich die Nase operieren liess, ihre Nase sei danach «völlig schräg und doppelt so breit wie vorher gewesen». Gemäss eigenen Angaben musste sie sich zweimal nachoperieren lassen und habe vier Jahre lang gelitten.

Werbung in serbischem TV-Sender

Ebenfalls von einer missglückten Nasenoperation berichtet Sanja*. Das Ergebnis sei nicht nur optisch «schrecklich» gewesen. Das Narbengewebe in den Löchern sei zudem zusammengewachsen, so dass sie nicht mehr durch die Nase habe atmen können. Auch sie habe bei einem anderen Chirurgen ihre Nase für viel Geld wieder korrigieren lassen müssen.

Viele Frauen geben an, sich beim betreffenden Chirurgen einer Brust-OP unterzogen zu haben. Zu ihnen gehört auch Nina C.*. Sie schreibt, seither habe sie in ihrer linken Brust kein Gefühl mehr und die Brustwarzen seien nicht auf gleicher Höhe. Auf den Schönheitschirurgen kam sie durch eine Werbung im Schweizer Werbefenster auf dem serbischen TV-Sender Pink. «Das schien mir vertrauenswürdig, darum rief ich dort an.»

Der Arzt lobte seine missratenen Ergebnisse

Sonja N.* hingegen hat seit ihrer Brustvergrösserung im Oktober 2012 ständig Schmerzen. Mittlerweile hat sie eine Zweitmeinung eingeholt. Dieser plastische Chirurg bestätigte ihr, dass das Ergebnis «nicht optimal und auch nicht wirklich schön» sei.

Praktisch alle Patienten berichten, dass sie die Operation bar bezahlen mussten und nach ihren Klagen über das Ergebnis lapidar abgewiesen wurden. Meistens habe Meyer-Fürst ihnen versucht zu erzählen, dass die Operation sehr gut gelungen sei. «Er sagte, das seien die ‹tollsten Brüste›», erzählt Marijana D.*. Gemäss ihren eigenen Schilderungen sind ihre Brustwarzen «total verpfuscht» und sie hat Schmerzen. Bei anderen habe er auf Briefe und etliche Anrufe nie reagiert.

Bisher haben sich die meisten Patienten für die missratenen Ergebnisse geschämt und geglaubt, nur ihre Operation sei nicht gelungen. Seit sie aber wissen, dass es viele weitere Opfer gibt, wollen sie gegen den Schönheitschirurgen vorgehen. Ein Grossteil hat sich einen Anwalt genommen und erste rechtliche Schritte eingeleitet. Nina C.:«Man muss die anderen Frauen unbedingt vor diesem Chirurgen schützen.»

*Name geändert

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(ann)