Velo versus Fussgänger

27. März 2019 05:01; Akt: 27.03.2019 05:01 Print

Zürcher kapieren die 300'000-Fr-Lämpli nicht

Damit sich Fussgänger und Velofahrer auf der Hardbrücke nicht in die Quere kommen, gibts Bodenampeln. Weil das viele aber nicht kapieren, handelt die Stadt.

Das Komikerduo Lapsus zeigt, wie man sich auf der Hardbrücke verhält.
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Velos von links und von rechts, Fussgänger, Busse und Trams. Bei der Haltestelle Hardbrücke ist es eng. So warten gerade zu Stosszeiten viele Fussgänger auf dem Trottoir und gleichzeitig bahnen sich Velofahrer ihren Weg durch die Menge – Konflikte oder Beinahe-Zusammenstösse sind da keine Seltenheit.

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Um die Situation zu entschärfen, hat die Stadt im Herbst 2017 Bodenampeln für rund 300'000 Franken installiert. LED-Lämpchen, die in den Belag der rund 70 Meter langen Haltestellen eingelassen wurden, zeigen an, ob Fussgänger oder Velofahrer Vortritt haben. Wer dies missachtet, kann aber nicht gebüsst werden.

Bei der Hardbrücke gibts bald Ampeln für Velos

«Verzweifelter Versuch»

Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) findet auch, dass sich seither die Situation verbessert hat. «Trotzdem haben wir den Eindruck, dass viele das System noch nicht richtig kennen», sagte sie am Dienstag vor den Medien. Deshalb sollen laut Mitteilung «pfiffige Videos» das richtige Verhalten erklären. Engagiert hat die Stadt dafür das Komikerduo Lapsus – Kosten der beiden humorvollen Spots: 25'000 Franken.

Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo Zürich, will sich nicht dazu äussern, ob das Geld für die Videos sinnvoll ausgegeben wurde. «Es ist wohl der verzweifelte Versuch, aus einer total verkorksten Situation das Beste herauszuholen.»

«Es hat einfach zu wenig Platz»

Für ihn ist es nicht verwunderlich, dass es so viel Knatsch gibt, wenn man die schwächsten Verkehrsteilnehmer aufeinander loslasse: «Für wesentliche Verbesserungen müsste man die Hardbrücke fast neu bauen oder zumindest eine Autospur für die Velofahrer freigeben.» Weil dies aber politisch schwer umsetzbar sei, seien Bodenampeln wohl die einzige Lösung. Allzu viel bringen sie laut Durner aber nicht: «Das System wird nicht intuitiv verstanden. Gerade wenn man selten auf der Hardbrücke ist, weiss man kaum, was die Lämpchen bedeuten.»

Dass die Bodenampeln nichts nützen und nicht verstanden werden, findet auch Thomas Schweizer, Geschäftsleiter von Fussverkehr Schweiz. «Es hat einfach zu wenig Platz, insbesondere zu Stosszeiten. Das ist auch mit Lämpchen und Videos nicht lösbar.» Eine wirkliche Verbesserung könne nur eine neue Brücke für Velo- und Fussverkehr bringen.

«Deutliche Verbesserung»

Eine gute Idee findet man die Bodenampeln dagegen beim VCS Zürich: «Sie haben im Vergleich zur Situation vorher zu einer sehr deutlichen Verbesserung beigetragen», sagt Co-Geschäftsführer Markus Knauss. Früher hätten die Velofahrer Slalom fahren müssen. Heute seien die Flächen dank der Lämpchen klar aufgeteilt.

Klar gebe es immer einzelne Fussgänger und Velofahrer, die sich nicht ans System hielten: «Mit Hinweisen wie etwa Piktogrammen könnten die Verkehrsteilnehmer zusätzlich aufgeklärt werden. Das fehlt bisher.»

(som/tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • De Casti am 27.03.2019 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1. April?

    Im Ernst jetzt? Das können sich auch nur wieder die Stadt Zürcher ausdenken und für sehr viel Steuergeld umsetzen. 1. April?

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  • Ps am 27.03.2019 06:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld aus dem fenster

    Tolle verschwendung der steuergelder

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  • tttk am 27.03.2019 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Zürich

    In Zürich gibts nur 1 Gesetz: Velofahrer haben immer Vorfahrt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leonie am 27.03.2019 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1. April April...

    wie es scheint nicht nur die zürcher... ;-) lol das ist doch sicher nur ein 1. april scherz, oder?! 300'000.- franken für energiefressende lämpchen? und das in der von der grünen partei beherschten stadt zürich!? das geht ja schon mal gar nicht! oh... hab ganz vergessen, ihre forderungen gelten ja für die eigenen reihen nicht! und zudem, velofahrer halten ja nicht mal bei roten ampeln an und fahren unbeiirt weiter! falls das auf der strasse nicht möglich ist, geht's auf dem trottoir im flottem tempo weiter...

  • Regine Schneider am 27.03.2019 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    Komisch, während Grüne und der VCS (war ja nicht anders zu erwarten) finden, die Bodenampeln hätten eine enorme Verbesserung gebracht, finden es in der Umfrage 45% nicht und nur 5% ja. Es hat absolut KEINE Verbesserung gebracht. Ich erlebe das Durcheinander dort von Montag bis Freitag.

  • Norbert am 27.03.2019 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zürich ???

    Zürich wirft das Geld für unnütze Projekte zum Fenster raus.Spart lieber für die Sanierung der Hardbrücke ,denn diese sieht 8 Jahre nach Ferigstellung wieder bedenklich aus.Das Salzwasser ist nicht gut bei den unzähligen Rissen in Mauer und Flachen der Bushaltestellen.Ich habe fertig!

  • Elvis am 27.03.2019 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso

    In Deutschland gibt es normale Farradampeln, wer das rot missachtet bekommt eine Busse von 60 . Wieso nicht in Zürich, wäre bestimmt billiger und sie könnten erst noch Bußgelder einziehen, was die Zürcher ja gerne machen.

  • Michel am 27.03.2019 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Vereinfacht erklärt

    Ist es folgendermassen : Stellen Sie sich vor, jedes Mal wenn Sie einkaufen gehen, erhalten Sie das Geld und müssen kein eigenes ausgeben. Was meinen Sie, wie sehr es Sie interessiert, wenn Sie mal was falsches eingekauft haben? Nicht viel. Sie kaufen es einfach neu. Wenn Sie sich nun noch vorstellen, dass Sie mit der Zeit den Ladenbesitzer kennenlernen, ja dann wird es richtig interessant.