Deutschunterricht

05. Dezember 2011 13:49; Akt: 05.12.2011 14:27 Print

Zürcher lesen am schlechtesten

Unter allen Deutschschweizer Kantonen fallen die Leistungen der Zürcher Jugendlichen beim Lesen und Rechnen ab. Dies hat vor allem einen Grund, sagt Erziehungsdirektorin Regine Aeppli.

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Frust auf der Schulbank. Der Kanton Zürich weist die schlechtesten Werte beim Lesen und Rechnen auf. (Bild: Keystone)

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20 Prozent der Zürcher Neuntklässler haben Mühe mit Lesen und Rechnen. Das zeigt die am Montag vorgestellte kantonsbezogene Auswertung der PISA-Studie von 2009. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund und schlechten Deutschkenntnissen haben Probleme.

Der Kanton Zürich schneidet damit in der kantonsbezogenen Auswertung der Bildungsstudie schlechter ab als alle anderen beteiligten Deutschschweizer Kantone. Er liege aber immer noch im schweizerischen Durchschnitt, hiess es am Montag bei der Vorstellung der Auswertung durch die Erziehungsdirektion.

Die schlechten Ergebnisse seien vor allem darauf zurückzuführen, dass 29 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Kanton Zürich aus sozial benachteiligten Familien oder solchen mit Migrationshintergrund stammten. Das seien mehr als in jedem anderen Deutschweizer Kanton, sagte Erziehungsdirektorin Regine Aeppli.

Der Anteil fremdsprachiger Jugendlicher in den Zürcher Schulen sei seit der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 um 4,3 auf 29,1 Prozent gestiegen. Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der fremdsprachigen Kinder in den Sekundarschulklassen der (leistungsschwächeren) Niveaus B und C um 9,5 auf 43,5 Prozent.

Nur Tessiner Schulkinder lesen noch schlechter

Bei den Ergebnissen in Mathematik und Naturwissenschaften liegen die beteiligten französischsprachigen Kantone (GE, JU, NE, VD) sowie das Tessin noch hinter Zürich. Vor Zürich liegen die Kantone Aargau, Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen, Schaffhausen und die deutschsprachigen Teile von Bern, Freiburg und des Wallis.

Im Lesen allerdings sind nur noch die Tessiner Schulkinder am Ende der obligatorischen Schulzeit schlechter als ihre die Zürcher Kolleginnen und Kollegen. Die Unterschiede zwischen dem jeweils besten Kanton und Zürich betragen 30 bis 47 Punkte.

Allerdings bleibt Zürich bei allen drei getesteten Bereich nahe am Schweizer Durchschnitt - hier betragen die Unterschiede nur zwischen 10 und 16 Punkten. Auffallend ist laut Urs Moser vom Institut für Bildungsevaluation der Uni Zürich, dass sich die Anteile der schlechten Schülerinnen und Schüler im Kanton Zürich im Lesen und Rechnen in den letzten Jahren erhöht haben.

Mehr Deutschunterricht, Aufgabenhilfe und Tagesschulen

Aus den Ergebnissen, liessen sich zwar keine Rezepte ableiten, aber sie zeigten, «dass die bisherigen Massnahmen längst nicht ausreichend sind», sagte Moser.

Dem stimmte Aeppli zu und präsentierte mögliche Massnahmen, um die Abwärtsentwicklung aufzuhalten. So soll geprüft werden, ob Schulassistenzen eingeführt werden könnten. Damit sind Personen gemeint, die bei den Hausaufgaben helfen und die Schulkinder betreuen und begleiten.

Geprüft werden soll auch, ob fremdsprachige Kinder zusätzlichen Deutschunterricht bekommen könnten. Dafür müssten sie aber von anderen Fächern dispensiert werden. Die Erziehungsdirektion will auch abklären, ob Schulen mit einem hohen Ausländeranteil nicht vermehrt als Tagesschulen geführt werden könnten, um den Kindern ein besseres Lernumfeld zu geben.


(Erziehungsdirektorin Regine Aeppli erklärt das PISA-Resultat)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kein Zürcher am 05.12.2011 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Logische Folge!

    Jetzt weiss ich auch warum in Zürich innerorst von Tempo 30 die rede ist! Nicht wegen den Unfällen, nein, bei Tempo 30 bleibt einem dann auch mehr Zeit die Strassenschilder lesen zu können "gg"

  • Regula Aeby am 05.12.2011 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schule in Zürich bald unzumutbar?

    Als besorgte Eltern hatten wir leider genau noch 2 Möglichkeiten. 1. Wegzug aus unserer Heimat, der Stadt Zürich und unserem Haus im Kreis 7 oder 2. die Kinder in eine Privatschule zu schicken. Der Anteil (ungebildeter) Ausländer in der Schule war bei uns so hoch, dass wir uns um die Kinder und deren schulische Zukunft für den Eintritt ins Gymnasium der beiden jüngeren, echte Sorgen hatten. Zum Glück entschieden wir uns für das letztere, und nun sind beide im Gymnasium und sehr gute Schüler. Hier werden sie gefordert und gefördert.

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  • andy444 am 06.12.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Einstein war auch in Aarau!

    Ach ja: da fällt mir noch etwas ein: wir haben (im Aargau) immer wieder Bekannte aus dem Raum Zürich, die uns fragen, ob wir denn sicher seien, dass unsere Kinder im Aargau auch die richtige Bildung erhalten damit sie im Leben weiterkommen. Als ehemaliger Zürcher aber ohne Scheuklappen für "andere" und ohne grossstädtische Arroganz und mittlerweile überzeugter Einwohner im herrlichen "Mittelland" darf ich mit Fug und Recht und Stolz sagen: "Ich bin ein Aargauer"!

Die neusten Leser-Kommentare

  • andy444 am 06.12.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Einstein war auch in Aarau!

    Ach ja: da fällt mir noch etwas ein: wir haben (im Aargau) immer wieder Bekannte aus dem Raum Zürich, die uns fragen, ob wir denn sicher seien, dass unsere Kinder im Aargau auch die richtige Bildung erhalten damit sie im Leben weiterkommen. Als ehemaliger Zürcher aber ohne Scheuklappen für "andere" und ohne grossstädtische Arroganz und mittlerweile überzeugter Einwohner im herrlichen "Mittelland" darf ich mit Fug und Recht und Stolz sagen: "Ich bin ein Aargauer"!

  • madamme ärgerlich am 05.12.2011 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    wen wundert' s?

    die kindergärtnerin unserer kleinen ist alleine! mit 22 kindern, aus zwei altersstufen. als ob das alleine nicht reichen würde, sind etliche der deutschen sprache nicht mächtig. aber tjanu, kommt ja einmal in der woche eine deutschlehrerin für die wichtigsten begriffe. auf die frage, warum keine zweite pädagogin die 2 klassen unterstützt : " es wird gespart." es graut mir jeden morgen davor, mein kind einer person anvertrauen zu müssen!, die die kleinen wichte nicht so im auge behalten kann, wie es sein sollte. die umstände ändern sich nicht. man wundert sich nur, dass die leistung abnimmt.

  • walle am 05.12.2011 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Das gelernte Verstehen + Anwenden können

    Ja die Wichtigkeiten des lernens werde nicht mehr richtig gesetzt, es wird alles immer nur Komplzierter und hat immer weniger mit dem Sinn der Schule zu tun. Z.B. der Sexualuntericht, das ist ja so Wichtig für gewisse Leute, so viele Stunden die da verblödelt werden und warum. Der Zweck der Schule, ist doch die Kinder zu Unterrichten und zwar so, dass sie Verstehen was sie lernen und das gelernte im Leben auch anwenden können. Aber unsere Politiker können das nicht mehr verstehen, da sie auch verbiledet vieleicht sogar verblindet sind.

  • asgart1 am 05.12.2011 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    vollkrassmann....

    wen wunderts?Grossklassen,viele Ausländer,Slangsprache,jeder schon ein Natel oder ipod im Hosensack,zu Hause wird fleissig Internet,TV oder Games konsumiert. Sollte eigentlich ganz im Interesse unserer Gesellschaft sein.Fleissige Konsumente zu züchten,die am besten das Kleingedruckte nicht mehr lesen können....:(

  • J.B. am 05.12.2011 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    In Basel-Stadt nicht viel besser...

    Ich schliesse mich den Kritiken an das Schulsystem hier an, in Basel-Stadt herrschen in vielen Schulen ähnliche Zustände. Nachdem ich selbst bis vor 10 Jahren diese durchlief, weiss ich, das meine Kinder niemals hier zur Schule gehen werden. Ob eine Privatschule bezahlbar ist muss sich noch zeigen, ansonsten ziehe ich hier weg. Bei der Lehre sah ich die enormen (wirklich riesigen) Wissensvorsprünge, welche Schüler aus Basel-Land gegenüber denen aus Basel-Stadt hatten. Unglaublich.