10. April 2005 18:43; Akt: 10.04.2005 23:35 Print

Zürich: Hollenstein schafft den Sprung

Überraschend klarer Sieg der CVP auf Kosten der SVP bei den Zürcher Regierungsratswahlen.

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Hans Hollenstein hat am Sonntag den Sitz zurückerobert, den die CVP vor zwei Jahren verloren hatte. Die SVP verliert einen von zwei Sitzen.

Bruno Heinzelmann (SVP) ist im zweiten Wahlgang der Ersatzwahl unerwartet deutlich unterlegen. Er erhielt bloss 34,3 Prozent der Stimmen, Hollenstein 64,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 35,7 Prozent.

Mit Hollenstein ist erstmals seit über 30 Jahren wieder ein Winterthurer im Regierungsrat vertreten. Es wird erwartet, dass der 56-jährige Ökonom die Finanzdirektion des aus Verärgerung über seine Parteileitung zurücktretenden Christian Huber (SVP) übernehmen wird.

Drei Sitze links und rechts der CVP

Gestärkt wird mit Hollensteins Wahl die bürgerliche Mitte. Die Parteien links und rechts der CVP verfügen künftig über je 3 Sitze (2 FDP, 1 SVP, 2 SP und eine Grünliberale). Die nächsten Gesamterneuerungswahlen finden in zwei Jahren statt.

Der Winterthurer Stadtrat Hans Hollenstein ist nach dem guten Resultat im ersten Wahlgang vom 27. Februar als Favorit in den Ausstich vom Sonntag gegangen. Der CVP-Mann, der von SP, Grünen, EVP und Grünliberalen unterstützt wurde, erhielt 179 635 Stimmen.

Für Bruno Heinzelmann legten 94 944 Wählerinnen und Wähler den Wahlzettel in die Urne. Der SVP-«Ersatzkandidat», der für den im ersten Wahlgang klar distanzierten Nationalrat Toni Bortoluzzi ins Rennen geschickt wurde, konnte das Blatt nicht mehr wenden. Er schnitt deutlich schlechter ab als Bortoluzzi Ende Februar.

Der 50-jährige Versicherungsagent und nebenamtliche Stadtpräsident von Kloten, der keine politischen Erfahrungen auf kantonalem oder nationalem Parkett hat, wurde im Wahlkampf als gemässigter, wirtschaftsnaher und überparteilicher Bürgerlicher präsentiert.

Obwohl die FDP offiziell den SVPler unterstützte, gab es -vor allem in Winterthur und Zürich - zahlreiche freisinnige Exponenten, die sich für Hollenstein stark machten. Und ein Teil der FDP- Wählerschaft hat offenbar mit dem Wahlzettel gegen den Stil der bürgerlichen Partnerpartei und die zahlreichen Attacken auf die Freisinnigen protestiert.

Die SVP, die mit über 30 Prozent Wähleranteil stärkste Partei im Kanton, verliert durch das Scheitern von Heinzelmann einen ihrer zwei Sitze im Regierungsrat, in dem sie nur noch mit Rita Fuhrer vertreten ist. Hollenstein hatte vor zwei Jahren den Sitz seines zurückgetretenen Parteikollegen Ernst Buschor knapp nicht verteidigen können.

Schon am Mittag alles klar

Die Niederlage von Heinzelmann stand praktisch schon am Sonntagmittag, Minuten nach Schliessung der Walurnen fest. Es gelang dem SVP-Mann in keinem einzigen Bezirk, Hollenstein zu schlagen. Nur gerade in 20 kleinen Gemeinden von insgesamt 171 erzielte er mehr Stimmen als der CVP-Kandidat.

Hollenstein wird sein Amt voraussichtlich am 23. Mai übernehmen. Nach dem Rücktritt von Finanzdirektor Christian Huber Ende April übernimmt seine Stellvertreterin Verena Diener (Grünliberale) bis zur Neukonstituierung - voraussichtlich am 23. Mai - interimistisch die Leitung der Finanzdirektion.

(sda)