Winterthur

09. Juli 2014 07:52; Akt: 09.07.2014 09:37 Print

Zwei Jahre Haft für Sado-Maso-Filmer

Er hat Frauen vor der Kamera geknebelt, gefesselt und gequält – bis zur Lebensgefahr. Das Gericht verurteilte den 36-Jährigen dafür zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

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Grausame Methoden: Ein Pornofilmer stand am Dienstag erneut vor dem Bezirksgericht Winterthur. (Bild: Colourbox/ann)

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«Ich habe mich riskant verhalten. Es hätte auch schiefgehen können, aber ich wollte nie jemanden schädigen. Ich ziehe die Lehre aus dieser Sache», sagte der 36-jährige Angeklagte am Dienstag praktisch emotionslos vor dem Bezirksgericht Winterthur. Bei der ersten Verhandlung vor einem Jahr war er noch deutlich weniger einsichtig. Da hatte er seine Sado-Maso-Filme zur «Kunst» erhoben und erklärt, dass die Frauen jederzeit hätten «Stopp» sagen können. Heute aber sehe er das Ganze «in einem anderen Licht».

Tatsächlich sind seine Filme alles andere als leicht verdauliche Kost. Selbst der erfahrene Gerichtspsychiater, der sie sich anschauen musste, benötigte zwischendurch immer wieder längere Erholungspausen. Laut der Anklageschrift knebelte, fesselte und strangulierte der Beschuldigte seine Darstellerinnen in sieben Filmen. Zudem versetzte er ihnen Stromstösse, wickelte sie in Klarsichtfolie und sperrte sie in einem Koffer ein. Doch damit nicht genug: Der Mann, der die Szenen arrangiert und Regie geführt hatte, brachte die jungen Frauen in Lebensgefahr. In mindestens zwei Fällen fielen die geknebelten Frauen aus Atemnot in Ohnmacht und mussten aus ihren Knebeln befreit werden.

Vier Stunden ans Bett gefesselt

Seine Filme drehte der 36-Jährige von 2005 bis 2009 im Winterthurer Tresor Club. Als einer von drei Betreibern bestrafte er seine Mitarbeiterinnen hart. So band er eine 20-jährige Kellnerin an einem Bett fest, weil sie vergessen hatte, eine Champagnerflasche abzurechnen. Zwar war sie anfänglich einverstanden, als sie der Clubbetreiber aber vier Stunden gefesselt liegen liess, änderte sie ihre Meinung dann doch.

Schon vor einem Jahr verurteilte ihn das Bezirksgericht zu 15 Monaten Haft. Dies war ihm aber nicht genug, weshalb es am Dienstag das Strafmass auf 24 Monate auf Bewährung mit einer Probezeit von drei Jahren erhöhte. Zudem muss er 1500 Franken Busse zahlen und eine Therapie machen. Das habe er bereits getan, sagte er am Dienstag: «Die Sitzungen bringen mir viel.»

Weiterhin in der Szene aktiv

So akzeptierte der Schweizer im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens auch, sich mehrfach der Gefährdung des Lebens und der Nötigung schuldig gemacht zu haben. Er anerkannte auch, die lebensbedrohlichen Situationen bewusst angestrebt zu haben, um einen möglichst realitätsnahen Film drehen zu können, der sich in den einschlägigen Kreisen deshalb auch besser verkaufen lässt. Tatsächlich aber war kein Film in andere Hände gelangt.

Laut dem «Tages-Anzeiger» ist der Mann trotz des Urteils weiterhin in der Szene aktiv. Im Internet hat er eine Webseite eingerichtet, auf der er für sein Fotostudio (mit vier Käfigen) und seine Dienste als Fotograf wirbt. «Für ein Shooting im Bereich Fetisch und Bondage bezahle ich durchschnittlich eine Pauschale von 200 Franken», heisst es dort unter anderem. Ebenfalls stellte er klar: « Das Interesse an Modellen ist rein geschäftlich. Ich bin glücklich verheiratet und bin am Resultat des Shootings interessiert, nicht am Modell persönlich.»

(som)