2 Männer von Zug überfahren

07. Juni 2019 14:57; Akt: 07.06.2019 15:09 Print

«Wir können es nicht glauben – er war so nett»

Zwei Männer überstiegen am Donnerstag beim Bahnhof Aarau einen Zaun und rannten auf die Gleise. Dabei wurden sie von einem Zug erfasst und getötet.

Am Donnerstagabend kam es zu einem tödlichen Unfall beim Bahnhof Aarau.
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Der tödliche Personenunfall ereignete sich am Donnerstag gegen 23 Uhr beim Bahnhof Aarau. Nach ersten Erkenntnissen hielten sich die beiden betroffenen Afghanen im Alter von 18 und 21 Jahren zusammen mit Landsleuten beim Mediapark-Gebäude östlich des Bahnhofs auf. Dabei entbrannte zwischen den beiden ein Streit.

Aus noch unbekannten Gründen überstiegen sie dann den dortigen Zaun und rannten verbotenerweise auf die Geleise, wie die Kantonspolizei Aargau am Freitag mitteilt. Dabei wurden sie von einem herannahenden Güterzug erfasst, der ohne Halt durch den Bahnhof fuhr. Beide Männer kamen beim Zusammenstoss ums Leben.

«Das ist schlimm»

Eine Kioskmitarbeiterin in der Nähe des Bahnhofs vermutet, dass sie Zeugin des Streits wurde. «Um 22 Uhr sah ich, wie sich drei bis vier junge Männer beim Bahnhof stritten.» Sie habe nicht verstanden, worum es gegangen sei. «Sie sprachen Arabisch, denke ich.»

In der Nachbarschaft des Bahnhofs ist man schockiert. Die 28-jährige Ärztin Michaela Maskalinova wohnt seit rund drei Jahren direkt neben dem Bahnhof Aarau: «Ich war zum Zeitpunkt des Unfalls nicht zu Hause, aber es ist schrecklich, wenn zwei so junge Personen ums Leben kommen.» Sie hätte nie gedacht, dass die Züge so eine Gefahr darstellen würden.

Ein junger Mann, der ebenfalls in unmittelbarer Nähe zur Unfallstelle wohnt, berichtet: «Ich war gestern Abend gerade am TV schauen, als ich viele Sirenen hörte.» Vom tragischen Unfall habe er aber erst jetzt erfahren – «Das ist schlimm.»

«Er war mega nett, fleissig und anständig»

Am Freitagnachmittag besucht die 18-jährige M. S. mit zwei Kollegen die Unfallstelle. Sie waren mit den beiden Opfern befreundet und können es nicht glauben, was am Donnerstagabend passiert ist. Unter Tränen sagt S. zu 20 Minuten: «Wir versuchten an der Unfallstelle eine Erklärung zu finden für das, was passiert ist.» Einer ihrer Kollegen habe den Unfall mitbekommen und die Polizei alarmiert. «Er ist am Boden zerstört.»

Mit den beiden toten Männern habe sie tolle Partys gefeiert und sei im Sommer gerne an der Aare gesessen. Das 21-jährige Opfer sei ein mega netter Mensch gewesen. «Er half immer, wenn jemand Probleme hatte. Er war fleissig, anständig und ging zur Kantonalen Schule für Berufsbildung (KSB).» Er habe in einer Asylunterkunft in Baden gewohnt – der 18-Jährige in einer WG in Frick AG. «Auch er ging zur KSB und war stets sehr rücksichtsvoll», so S.

Zugverkehr musste bis weit in die Nacht eingestellt werden

Die beiden Afghanen lebten unter dem Status der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz, wie die Kantonspolizei Aargau mitteilt. Die genauen Umstände des Unfalls werden nun geklärt. Hinweise auf ein Verbrechen liegen nicht vor.

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau eröffnete eine Untersuchung. Der Zugverkehr durch den Bahnhof Aarau musste für die polizeiliche Tatbestandsaufnahme und die Bergungsarbeiten bis weit in die Nacht eingestellt werden.

Zwei junge Männer nach Streit vom Zug überfahren

(bz/lar/wed)