Findige Jungunternehmer

15. Juli 2014 10:23; Akt: 15.07.2014 10:23 Print

Zwischennutzung als Marktlücke entdeckt

Zwei Zürcher Jungunternehmer vermieten renovationsbedürftige Häuser – darunter auch Villen – zur Zwischennutzung. Damit verhindern die Eigentümer unliebsame Besetzungen.

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Das ehemalige Swissmem- Bürogebäude im Seefeld war bis im letzten Mai eines der Zwischennutzungs-Objekte der Jungunternehmer Lorenzo Kettmeir und Lukas Amacher. (Bild: Google Street View)

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Eine Turmvilla am Zürichberg, Wohnhäuser aus den 1970er-Jahren in Urdorf ZH oder ein ganzes Industrieareal in Reinach BL – das sind nur drei der Objekte, die Lorenzo Kettmeir (28) und Lukas Amacher (26) momentan zur Zwischennutzung anbieten. Die beiden Jungunternehmer aus Zürich haben eine Marktlücke entdeckt – und können sich mittlerweile sogar einen Lohn auszahlen. «Wir wollen als Zwischennutzer die Nummer eins in der Schweiz werden», sagten die beiden dem «Tages-Anzeiger».

Mit ihrem Projekt Interim helfen sie Eigentümern von Liegenschaften, die renoviert oder durch einen Neubau ersetzt werden sollen, einen Zwischennutzer zu finden und damit Besetzungen zu verhindern – aber auch, Vandalismus und Bauschäden vorzubeugen. Die Liegenschaftsbesitzer melden sich teils direkt bei Kettmeir und Amacher, teils gehen die beiden aktiv auf Besitzer zu. Als Konkurrenz für die Besetzerszene oder die Vermieter von Studentenwohnungen sehen sie sich nicht: «Der Markt hat verschiedene Player», sagt Kettmeir.

Sie waren selber Zwischennutzer

Angefangen haben sie selbst als Zwischennutzer vor drei Jahren in einem ehemaligen UBS-Gebäude an der Badenerstrasse 595 in Altstetten. Dort traf Kettmeir, der Raum für sein Architekturbüro suchte, auf Amacher, der gerade sein Jus-Studium mit einem Bachelor abgeschlossen hatte. Die beiden unterstützten Anwalt Raffael Büchi, der die dortige Zwischennutzung initiiert hatte, bei der Verwaltung. Das war quasi der Grundstein zu ihrem Projekt.

Mit potenziellen Zwischennutzern führen sie ein persönliches Gespräch. «Wir müssen unsere Kunden gut kennen und darauf vertrauen können, dass sie unser Konzept verstehen», sagt Kettmeir. Dazu gehören klare Regeln. Wer ein Atelier oder ein Büro erhält, darf nicht darin wohnen. Auch Partys und Abfallberge sind nicht gern gesehen. Zudem verlangen Kettmeir und Amacher die strikte Einhaltung der Kündigungsfristen. Denn: «Jede Verzögerung käme den Eigentümer teuer zu stehen.»

Von den Eigentümern erhalten sie für ihre Leistungen einen monatlichen Fixbetrag. Über die Höhe der Preise geben die beiden Jungunternehmer im «Tages-Anzeiger» keine Auskunft.

(rom)