Unfall in der Badi

04. Juli 2018 05:46; Akt: 04.07.2018 05:46 Print

«Ich hoffe, dass es dem Buben bald besser geht»

Vanessa R. hat am Montag in der Badi Dielsdorf einen Buben (5) wiederbelebt. Sie habe in diesem Moment einfach funktioniert, sagt sie.

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Perfektes Badiwetter am Montagnachmittag in der Sportanlage Erlen in Dielsdorf. Vanessa R.* sass mit ihren zwei Kindern und einer Kollegin auf ihren Badetüchern. Gegen halb fünf Uhr sah sie einen kleinen Buben am Beckenrand liegen. Badegäste hatten den bewusstlosen Fünfjährigen wenige Sekunden zuvor aus dem Erwachsenen-Schwimmbecken gefischt und standen um ihn herum. «Da bin ich nur noch gerannt», sagt die 29-Jährige.

Sie kniete sich neben ihn und machte eine Herzmassage: «Zum Glück hatte ich das vor zwei Monaten in einem Kleinkinder-Nothelferkurs gelernt.» Sie habe in diesem Moment einfach funktioniert: «Nach wenigen Minuten hat der Bub erbrochen.» Erste Erleichterung: «Doch er hatte immer noch keinen Puls.»

«Eltern sollten einen Nothelferkurs machen»

Zwei weitere fachkundige Frauen hätten ihr bei der Herzmassage und beim Beatmen geholfen. Abwechselnd hätten sie mit den Fingern auf den Brustkorb gedrückt: «Eine solche Wiederbelebung ist körperlich enorm anstrengend.»

Irgendwann seien die Rettungskräfte eingetroffen und hätten die Beatmung übernommen. Ein Rettungshelikopter flog den Buben ins Spital. «Ich bin immer noch schockiert. Ich hoffe, dass es ihm bald besser geht», so R. Das Unglück habe ihr bewusst gemacht, wie wichtig es sei, zu wissen, wie man in einem Notfall reagiere: «Alle Eltern sollten einen Kurs machen.»

«Rettung ist optimal gelaufen»

Mehrere Badegäste beklagen, dass der Bademeister überfordert gewesen sei und zu wenig übernommen habe. Dem widerspricht Peter Müller, Geschäftsführer der Sportanlage Erlen. Er findet, dass der Bademeister alles richtig gemacht habe. Gemäss Müller hat er auch die Reanimierung übernommen. Wie es dem Buben heute geht, ist unklar: «Als die Luftrettung kam, hat er aber geatmet und sein Puls war normal.»

Gemäss Jean Mezghini, Leiter des Rettungsdienstes Bülach, ist die Rettung optimal gelaufen: «Es dauerte keine zehn Minuten, bis der Rettungsdienst da war.» Auch der Bademeister hat aus seiner Sicht nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt: «Dass er vielleicht in so einer Situation einen nervösen Eindruck machte, ist normal.» Schliesslich passiere ein solches Unglück nicht alle Tage.

*Name der Redaktion bekannt

(som)