Zürich

23. Mai 2018 05:58; Akt: 23.05.2018 05:58 Print

«Hallo Freilager, ist das sozialer Wohnungsbau?»

Im Freilager wird eine 4,5-Zimmer-Wohnung für 2115 Franken vermietet. Wer dort wohnen will, muss ein steuerbares Einkommen von unter 65'000 Franken und zwei Kinder haben.

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Für Zürcher Verhältnisse ist es ein Schnäppchen: Eine 111 Quadratmeter grosse 4,5-Zimmer-Neubauwohnung für 2115 Franken pro Monat im Quartier Freilager in Zürich-Albisrieden. Die Bewohner können sich über einen eigenen Waschturm, eine moderne Küche, eine grosszügige Veranda und ein Eichenparkett freuen.

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Nur zu viel verdienen dürfen sie nicht: Denn auf die im Inserat angepriesene «vergünstigte 4,5-Zimmerwohnung» haben nur Familien mit mindestens zwei Kindern Chancen. Interessierte müssen ein steuerbares Einkommen von unter 65'000 und ein steuerbares Vermögen von unter 70'000 Franken haben.

«Sozialer Deckmantel»

In den sozialen Medien gibt das zu reden. «Hallo Freilager, ist das sozialer Wohnungsbau?», fragt sich etwa ein Facebook-Nutzer. Walter Angst, Sprecher des Zürcher Mieterverbands, gibt ihm recht: «Es ist offensichtlich, dass für diese Wohnung in diesem Standard eine höhere Miete vorgesehen war. Nun versucht man, sie unter dem sozialen Deckmantel loszuwerden.»

Gegen den Preis sei eigentlich nichts einzuwenden. Für Familien mit einem steuerbaren Einkommen von unter 65'000 Franken sei eine Brutto-Jahresmiete von 25'380 Franken jedoch zu hoch. «Wenn dann diese wegen Zinsänderungen noch steigt, können sie sich die Miete gar nicht mehr leisten.» Laut Angst wären 1600 bis 1700 Franken Monatsmiete tragbar.

Um sozialverträgliche Mieten anbieten zu können, sei im Freilager schlicht zu gross und zu teuer gebaut worden, sagt Angst: «Das zeigt sich auch an den teuersten Wohnungen, die auch mal über 4000 Franken kosten und die Verwaltung nicht losbringt.»

«Die Miete kann man sich gut leisten»

Ganz anders sieht das Jean-Claude Maissen, CEO der Zürcher Freilager AG: «Unsere Wohnungen sind gefragt, auch die teuren. Derzeit gibt es kaum freie.» Von den rund 800 Wohnungen im Freilager Zürich vermiete man von Anfang an ein komplettes Gebäude mit 58 Wohnungen zu günstigen Konditionen – in diesem sei auch jene, die derzeit ausgeschrieben sei. «Wir wollen damit die soziale Durchmischung fördern.» Es ist ein freiwilliger Beitrag, den wir als privates Unternehmen gern leisten: «Da braucht es Kriterien für eine einheitliche Wohnungsvergabe.»

Maissen findet, dass man sich die monatliche Bruttomiete von 2115 Franken auch zu den geforderten Bedingungen gut leisten kann: «Die Beurteilung des Einkommens erfolgt auf der Basis des steuerbaren Einkommens, also nach allen Steuerabzügen.» Als Faustregel gelte, dass die Miete ein Drittel des Einkommens nicht übersteigen darf. Offenbar lassen sich viele von den Kriterien nicht abschrecken. Laut Maissen hat man bereits zahlreiche Bewerbungen erhalten.

Wer die Zusage bekommt, erhält einen Vertrag für fünf Jahre. «Nach dreieinhalb Jahren überprüfen wir, ob die Vergabekriterien noch erfüllt sind.» Sei dies beispielsweise wegen eines Lohnanstiegs nicht mehr der Fall, werde ihnen rechtzeitig vor Ablauf der fünf Jahre auf dem Areal eine gleichwertige Wohnung zu Marktmieten angeboten.

Videoreportage über das Freilager

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leo am 23.05.2018 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "echte soziale", können das nicht bezahlen

    es wird in "sozialenwohnbauten auch abgezockt.

  • sals am 23.05.2018 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    soziale Abgrenzung

    Von den rund 800 Wohnungen im Freilager Zürich vermiete man von Anfang an ein komplettes Gebäude mit 58 Wohnungen zu günstigen Konditionen in diesem sei auch jene, die derzeit ausgeschrieben sei. «Wir wollen damit die soziale Durchmischung fördern.» Lol, soziale Durchmischung und separates Gebäude, das tönt eher nach sozialer Abgrenzung.

  • Sozialstaat am 23.05.2018 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Rech für alle!

    Nein, da ist schlicht diskriminierung!

Die neusten Leser-Kommentare

  • jane77 am 23.05.2018 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geht doch mehr

    naja immerhin ein Anfang. aber es gibt doch viele die noch weniger Verdienen

  • Maze.tt am 23.05.2018 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Veraltet

    Die veraltete Faustregel mit einem drittel gilt mit den heutigen Lebenserhaltungskosten nicht mehr wirklich. Ich würde sagen ein viertel trifft es besser.

  • liliput am 23.05.2018 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungewöhnlich.

    Das ist ja eine idiotische Regelung. Wenn mehr Verdienst muss die Familie Umziehen. Also mit diesen Auflagen, auch wenn innerhalb des Quartier der Umzug ist, würde ich nicht mit 2 Kindern einziehen Man gewöhnt sich an eine Wohnung und dann evt. raus. Die Kosten des Umzuges und administrative Aufgaben sind doch sehr mühsam.

  • Amina123 am 23.05.2018 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aber hallo??...

    das ist doch eine frechheit! ich empfinde dies als rechtswidrig,nach 3 jahren eine 'lohnkontrolle' zu tätigen. dieses verhalten finde ich mehr als nur asozial....

  • Waterpolo1s am 23.05.2018 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .... Wer kann das bezahlen?!

    Spot-billig ... Welche Familie kann dies bezahlen?!!!