Zürich

07. November 2019 10:34; Akt: 08.11.2019 09:57 Print

Linksextreme werfen Eier und Stühle auf Referent

Ein Gruppe Linksextremer hat im Zürcher Kulturzentrum Karl der Grosse eine Veranstaltung gestört.

So lief der Vorfall ab. (Quelle: Twitter)
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Eine Gruppe von Unruhestiftern störte am Mittwoch ein Referat im Zürcher Zentrum Karl der Grossen. Im Visier hatte die Gruppe laut «CNN Chile» Axel Kaiser, Geschäftsführer der «Stiftung für den Fortschritt», der dort ein Referat hielt. Mit Bannern und begleitet von Gesang und Rufen seien die Störenfriede in das Zentrum eingedrungen.

«Sie bewarfen mich mit Kaffee, Eiern und Stühlen und beleidigten mich», schrieb Kaiser auf Twitter. Er beschrieb den Vorfall als «Taufe linker Faschisten». «Ich habe keine Angst vor diesen Feiglingen, gebe nicht nach und werde niemals nachgeben.» Diese hinterliessen einen traurigen Eindruck von Chile. Der Vorfall sei beispiellos in Zürich.

Vermummte attackieren Professor in Zürich

Laut dem Portal «Crónica Chile» handelt es sich um eine Gruppe mit dem Namen «Nuevas generaciones Chile-Suiza». Sie soll das Lied «El Pueblo Unido Jamás Será Vencido» gesungen haben.

Referent und Zuschauer tätlich angegriffen

Die Unabhängigkeitspartei UP hatte das Referat vom Mittwoch zusammen mit anderen Organisationen organisiert. «Bereits nach 30 Minuten wurde die Veranstaltung von einer aggressiv auftretenden, vermummten Gruppe von circa 12 Personen gestört», schreibt sie in einer Mitteilung. Der Referent und einzelne Zuschauer seien tätlich angegriffen, bedroht und eingeschüchtert worden. «Zusätzlich wurden Sprengkörper eingesetzt. Nach einem Einsatz der Stadtpolizei Zürich ergriff die Gruppe die Flucht.»

UP Schweiz schreibt weiter, jegliche Angriffe auf die Meinungsfreiheit in der Schweiz seien zu verurteilen. Die Partei fordert, dass die «Stadt Zürich und insbesondere die Stadtpräsidentin Corine Mauch, endlich etwas gegen die terroristisch organisierte und faschistisch auftretende Antifa unternimmt und deren Taten verurteilt».

Anzeigen eingegangen

Die Stadtpolizei Zürich bestätigt den Vorfall. Kurz nach 19 Uhr seien rund ein Dutzend Vermummte ins frei zugängliche Zentrum Karl der Grosse eingedrungen, schreibt die Stadtpolizei in einer Medienmitteilung. Die Störenden hätten Eier und Flüssigkeiten gegen den Referenten und die anwesenden Zuhörenden geworfen. «Zudem wurden Parolen skandiert und ein Transparent ausgebreitet. Wenig später verliessen die Unbekannten das Zentrum und rannten in verschiedene Richtungen davon.»

Angaben zu Verletzten liegen laut der Polizei zurzeit nicht vor. Es seien aber diverse Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Tätlichkeiten eingegangen. Gesicherte Angaben zum entstandenen Sachschaden liegen zurzeit nicht vor. Detektive der Stadtpolizei Zürich haben entsprechende Ermittlungen aufgenommen.

«Kaiser mit Milchshake und Eiern über Kopf begrüsst»

Die Gruppe «Uni von unten» schrieb am Mittwoch auf Facebook, dass die Veranstalter den Event aus Angst vor Protesten öffentlich abgesagt und privat in einen Raum im Karl der Grossen verlegt hätten. «Wir kamen trotzdem, haben die Veranstaltung gestört und Kaiser mit einem Milchshake, einigen Getränken und Eiern über seinem Kopf begrüsst.»

Der eingeladene Referent Axel Kaiser verteidigt laut der Gruppe offen das Regime des früheren Militärdiktators Augusto Pinochet, ist Antifeminist und spricht sich gegen die kämpfende soziale Bewegung aus. «Der neoliberale Vordenker hetzt schon seit Jahren gegen die chilenische Student*innenbewegung, die es wagen, die Grundlagen des unter Pinochet eingeführten chilenischen Wirtschaftssystem in Frage zu stellen.»

Vorstandsmitglieder hätten Drohungen erhalten

Ähnlich äusserte sich die Gruppe Nouvelles générations Chilli-Suisse auf ihrer Website. Der Hayek Club Zürich stelle sich als freiheitsliebender Verein dar. Dennoch halte ihn dies nicht davon ab, mit Axel Kaiser einen glühenden Verfechter der «Diktatur von General Pinochet» zu einem Referat an der Universität Zürich einzuladen.

Der Hayek Club Zürich und der Verein Studierende für die Freiheit UZH sagten das Referat an der Universität mit einer Entschuldigung bei allen Betroffenen ab. «Wir wollten mit dem Anlass eine Diskussionsplattform bieten, die allen an einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema interessierten Personen offen steht – in der Meinung, dass der Austausch unterschiedlicher Meinungen ein wesentliches Fundament einer offenen und freien Gesellschaft darstellt», schreiben sie. Leider hätten Vorstandsmitglieder der beiden Vereine auf unterschiedlichen Kanälen teils implizite Drohungen gegen den Referenten erhalten, so die Veranstalter weiter.

(bz)