Peter Sauber

18. September 2009 09:52; Akt: 18.09.2009 13:14 Print

«Wir können nicht alle Arbeitsplätze retten»

von Peter Haab - Der Formel-1-Standort Hinwil ist gerettet. Trotzdem werden Peter Sauber und die neuen Besitzer aus dem Mittleren Osten Arbeitsplätze abbauen müssen. 20 Minuten Online hat sich mit Peter Sauber unterhalten.

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20 Minuten Online: Peter Sauber, Ihr Lebenswerk ist seit vergangenem Dienstag gerettet. Wie fühlen Sie sich?
Peter Sauber:
Auf der einen Seite ziemlich müde. Denn die vergangenen Wochen waren in psychischer und physischer Hinsicht extrem anstrengend. Ich bin viel gereist und habe zahlreichen interessierten Investoren unsere Hightech-Fabrik in Hinwil gezeigt. Jetzt bin ich natürlich glücklich und zufrieden, dass wir am Ziel sind.

Sie sind am Ziel. Das heisst: das Team ist gerettet, und der Formel-1-Technologie-Standort Hinwil bleibt erhalten. Was bedeutet das für Sie persönlich?
Ich möchte betonen, dass ich das alles nur darum getan habe, um Arbeitsplätze zu erhalten. Ich werde im Oktober 66 Jahre alt und habe vor zwei Jahren angefangen Golf zu spielen. Ich wollte es in Zukunft also eher etwas ruhiger angehen. Nach dem Verkauf an BMW wäre ich nie auf die Idee gekommen, nochmals in den Formel-1-Alltag zurückzukehren. Aber die Leute in der Fabrik haben sich jetzt natürlich gefreut. Wir haben grossen Applaus erhalten, als wir ihnen erzählt haben, dass der Standort Hinwil erhalten bleibt.

Und was bedeutet es in Bezug auf die rund 400 Arbeitsplätze?
Es gibt natürlich auch die andere Seite der Medaille. Denn wir werden gezwungen sein, einige Arbeitsplätze abzubauen. Nicht weil die neuen Besitzer das so wollen. Sondern weil es das Formel-1-Reglement mit Blick auf die vorgeschriebenen Sparvorgaben so verlangt. Eine erste Reduktion ist für 2010 vorgesehen, die zweite 2011. Wie viele Leute betroffen sein werden kann ich im Moment nicht sagen.

Haben Sie schon eine Vorstellung davon, wie das Team heissen wird?
Ich treffe mich erst nächste Woche mit den Käufern zu den ersten Gesprächen. Dabei geht es in erster Linie darum, die Eckdaten für die nächsten Wochen festzulegen. Beim Internationalen Automobilverband werden wir das Team vermutlich unter dem Namen «Sauber-Ferrari» anmelden. Wie das Team dann genau heisst, wird auch vom künftigen Hauptsponsor abhängen.

Sie finden sich völlig überraschend in der Rolle des Teamchefs wieder. Wie lange wollen Sie sich dieses stressige Amt zumuten.
Das ist im Moment schwierig zu beantworten. Ich möchte das einfach auf eine gewisse Übergangszeit beschränken. Denn die ganze Geschichte ist auch für meine Familie eine grosse Belastung. Ich habe immer betont, dass ich mit 70 Jahren nicht mehr an der Boxenmauer stehen will. Und daran werde ich mich halten.