Champions League

10. August 2016 10:33; Akt: 10.08.2016 13:07 Print

Uefa-Pläne schocken die Schweiz

Die Uefa verhandelt mit den europäischen Clubs über eine Reform der Champions League. Auf Kosten der «kleinen» Ligen und Clubs.

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Die Champions League ist der bedeutendste und lukrativste Club-Wettbewerb im europäischen Fussball. Die Königsklasse boomt wie nie. Und dennoch brütet der europäische Fussball-Verband Uefa mit den Grossclubs über Änderungen, wie die «Gazzetta dello Sport» berichtet. Die Reform soll schon in der Saison 2018/19 greifen und sie dürfte nachteilige Folgen für die Schweizer Clubs haben.

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Zwar bleibt die Teilnehmerzahl mit 32 Teams in acht Gruppen bestehen. Aber die Vergabe der Plätze in der Gruppenphase soll neu geregelt werden. Profitieren würden schwächelnde Traditionsclubs wie die AC Milan, Liverpool oder Manchester United. In den Plänen der Uefa würden nicht nur die drei in der Uefa-Fünf-Jahreswertung topplatzierten Nationen (aktuell Spanien, Deutschland und England) je vier Teilnehmer in der Gruppenphase stellen, sondern auch der Viertplatzierte (derzeit Italien). Heute stehen die drei Erstplatzierten der drei Topnationen direkt in der Gruppenphase, der Meisterschaftsvierte muss sich über den sogenannten «Non-Champions-Way» qualifizieren – wie in einem aktuellen Beispiel Borussia Mönchengladbach gegen die Berner Young Boys.

Historie soll über den vierten Startplatz entscheiden

Mit Annahme der Reform soll der vierte Startplatz in Zukunft über eine «historische Rangliste» vergeben werden, die extra dafür erstellt werden soll. Parameter für dieses Ranking sollen zum Beispiel unter anderen die Anzahl gewonnener Titel sein, aber auch Europacup-Resultate vergangener Jahre. Also vergangene Erfolge, für die man sich bislang nichts kaufen konnte.

Tradition über Ligaerfolg

Das Ziel dieser Reform ist klar: Traditionsclubs wie Inter Mailand, AC Milan, Manchester United und derzeit auch Liverpool soll so eine Tür in die Königsklasse geöffnet werden, unabhängig von ihrer jeweiligen Ligaplatzierung. Eine weitere Änderung bei der Auslosung soll zudem ein frühes Favoritensterben vermeiden, indem «Grosse» im Wettbewerb später aufeinandertreffen sollen.

Das alles geht auf die Kosten der kleineren Ligen: Ihre Chancen auf einen Platz in der Gruppenphase würden verringert, verbunden mit einer zusätzlichen Benachteiligung bei der Auslosung. Bis anhin erhält der Zwölfte der Fünf-Jahres-Wertung den letzten Gruppenplatz, aktuell ist das die Türkei mit Meister Besiktas. Die Schweiz belegt in diesem Ranking den elften Platz. Im Falle einer Annahme wäre dies der letzte Platz, der die direkte Qualifikation im 32er-Feld garantierte. Der «Non-Champions-Way» für Vizemeister YB würde im besten Fall viel steiniger.

Kompromiss über Kompromiss

Die Reform ist als Zugeständnis gedacht gegenüber den grossen Vereinen, die seit Jahren laut über eine «Superliga» nachdenken, einen mehr oder weniger geschlossenen Wettbewerb der europäischen Grossmächte. Und sie bietet der Uefa die Chance, den Umsatz weiter zu steigern, ohne das bislang erfolgreiche Format umkrempeln zu müssen. Schliesslich spielt die Premier League derzeit rund 3,2 Milliarden Euro an TV-Geld ein, die Champions League «nur» 2,7 Milliarden.

Die Reform des ehemaligen und für Jahre gesperrten Uefa-Präsidenten Michel Platini wäre damit ad acta gelegt. Der Modus von Platini hat die kleineren Verbände gestärkt und ihnen die Chance eröffnet, im Kreis der Grossen mitzumachen. Diese rund 50 Clubs müssten im neuen System in diversen Qualirunden maximal fünf, sechs Plätze unter sich ausmachen.

Nach aktuellem Stand des Fünf-Jahres-Rankings haben Frankreich, Russland und Portugal je zwei Fixplätze. Holland, Belgien, die Türkei, die Ukraine und die Schweiz je einen – errungen haben sie ihn nach sportlichen Kriterien, die in der Gegenwart liegen und nicht in einer fernen, aber glänzenden Vergangenheit.

Am 14. September wird ein neuer Uefa-Präsident gewählt. Danach sollen die Verhandlungen intensiviert werden.

(ete)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elsinho am 10.08.2016 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Westen nichts neues

    Geld, Geld und nochmals Geld. Die Grossklubs können noch mehr Geld generieren, der Rest bleibt suf der Strecke!

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  • marco b am 10.08.2016 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goodbye Football

    Dieser Sport ist nur noch eine geldgeile Machenschafft. Ein(!) Spieler für 114mio und jetzt das: Reiche Klubs kaufen sich in Turniere ein auch wenn sie sportlich nicht dorthin gehören. FIFA, UEFA etc sind doch alles Diktaturen die sich nur noch um den eigenen Wohlstand kümmern.

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  • Marco am 10.08.2016 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langeweile

    Und damit die grösseren noch stärker machen... Aber bitte beklagt euch dann nicht über Langeweile wie bei Bayern in Deutschland und Basel in der Schweiz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom Frey am 11.08.2016 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Euro SuperLiga hätte Charme

    Hand aufs Herz. Eine Superliga wäre sicher interssanter, auch besser zu vermarkten. Wer will schon diese vielen langweiligen Vorrundenkicks sehen. Was haben zum Bsp YP oder Basel in einer CL verloren? Vielleicht ganz witzig, wenn sie in der Gruppenphase nur 0:1 gegen Madrid oder München verlieren. Wenn es dann wirklich um die Wurst geht sind sie eh draussen. Gilt ja auch für die Ligen in Ö , B, NL ... Wie bei einer EM oder WM ... auch da sind am Ende doch die wirklichen Fussballmächte unter den letzten 8 ... Das mag der Schweiz wehtun, ... ist aber so.

    • Franz Steiger am 11.08.2016 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      Hausgemachtes UEFA-Problem

      Ajax, Rapid, Roter Stern, das waren alles Mannschaften, die im europäischen Spitzenfussball mithalten konnten. Dann kam die UEFA mit ihren grössenwahnsinnigen TV-Geldern und übervorteilte die grössten Ligen. Die wirklichen Fussballmächte, von denen Sie reden, sind vor allem während den letzten 30 Jahren von der UEFA selbst kreiert worden.

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  • Mr. BVB am 11.08.2016 00:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht x jemand 1 Dose Mitleid für Inter, Milan & c

    Sind selber schuld, die haben einfach schlecht gewirtschaftet warum sollten die jetzt belohnt werden. Milan war eine Fussballmacht. Konnten nicht mit Geld umgehen, schlechte Transfers, unfähige Trainer... Jetzt hat man Mitleid... Und kleine Klubs wie Basel usw. Die stehts mit kleinem Budget & harter Arbeit über sich hinauswachsen werden bestraft? No way!!!!

    • Miki am 11.08.2016 08:29 Report Diesen Beitrag melden

      Mr.BVB

      Was für ein Mitleid braucht den bitte AC oder Inter? Die beiden Clubs wurden von Chinesischen Milliardären gekauft (Ac Milan sogar vom Chinesischen Staat) und brauchen ganz bestimmt nicht die Uefa, um in Zukunft wieder in Europa vorne mitspielen zu können! Außerdem, ist die Seria A "aus eigener kraft" sich wieder den 4ten Teilnahme Platz zu holen"gegen England" auch ohne diese neue Regel! Es fehlen noch wenige Punkte und könnte schon diese Jahr klappen mit dem Ranking ! Also zuerst informieren und dann labern!! Die Buli wird in Zukunft mit solchen Summen nicht mehr mithalten können. Wetten?

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  • BlauWiis am 10.08.2016 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FCL

    champions league eh ein witz. meiner sicht nur für die meister. wie früher der cup der landesmeister. kann doch nicht sein das ein nicht meister dies gewinnt.

  • Tell am 10.08.2016 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Sinngemäss wäre die CL ja die Plattform

    wo die Besten aller europäischen Ligen gegeneinander antreten... also nur die Ersten! ... vielleicht wird die Benennung ja auch nur mal angepasst in "MRC League" (Most Rich Clubs - MRIC Most "Return on Investment" Clubs), AL (Arrogance League), Royality League oder ähnlich...

  • Jack In The box am 10.08.2016 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Back to the Roots ...

    Der Falsche Weg .... Mit 32 Mannschaften ist der Wettbewerb auch Heute schon nicht mehr Exklusiv und Attraktiv genug für Sponsoren und Zuschauer. Zurück auf Start ... und der Schweizer Meister in die Qualifikation mit anderen Meisterteams aus Ländern wie "Schiess-mich-Tod". Es scheint klar zu sein warum man die 4. Platzierten, respektive die Traditionsvereine der Top 5 Ligen aus Europa dabei haben möchte. Man kann nicht den UCL-Teams aus der Schweiz und "Schiess-mich-Tod" Ländern, Millionenbeträge aus dem UCL Honigtopf bezahlen aber die sich nicht Weltweit vermarkten lassen.