Analyse

03. Oktober 2011 11:54; Akt: 04.10.2011 14:32 Print

Was wir von Amerika lernen können

von Klaus Zaugg - Was unsere Fussball- und Eishockeywelt nicht hinkriegt, schafft Amerika mit Leichtigkeit: Ordnung im und ums Stadion. Von der US-Sportkultur können wir uns eine Scheibe abschneiden.

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Chaoten provozieren den Spielabbruch im Zürcher Derby, verärgern das Volk und halten Polizei, Sportmanager und Politiker auf Trab. Und niemand kennt die Lösung für dieses Problem. Schuld sind alle und niemand.

Amerika, du hast es besser. Zumindest in diesem Bereich. Ich staune immer wieder, wie gesittet Sportveranstaltungen in Nordamerika über die Bühne gehen. Keine Rangeleien. Kein Gegröle und keinerlei Ausschreitungen. Keine Feuerwerke im Stadion. Keine Provokationen der gegnerischen Fans. Niemand wirft Gegenstände aufs Eis oder auf den Rasen. Und dies in einem Land, dessen Kultur die Gewalt verherrlicht wie keine andere in der westlichen Welt, und in einer Gesellschaft mit viel grösserem sozialem Gefälle als bei uns. Logisch wären eigentlich Prügeleien, ja Schiessereien rund um jedes Spiel und Stadion in Amerika und dafür Ordnung und Anstand bei uns.

Warum ist es gerade umgekehrt? Die Erklärung ist ganz einfach, ja fast zu banal. In Amerika herrschen im Sport Ruhe und Ordnung, weil es der Gesetzgeber, anders als bei uns, so will. Und zwar gnadenlos. Gott bewahre uns vor dem barbarischen Justizsystem der USA mit seinen geldgeilen Anwälten. Aber die Abschreckung wirkt zumindest im Sportbetrieb. Kein Polizist und kein privater Wachmann wird zum Spass von Chaoten provoziert. Der Respekt vor jeglicher Art Gesetzeshüter steckt in den USA jedem in den Knochen, und jeder hütet sich davor, in dieses Justizsystem zu geraten.

Es fehlt an Respekt und Willen

Vielleicht ist es ja auch noch etwas anderes: Die Menschen respektieren den Sport. Weil er von grossen Stars ausgeübt wird, weil es «Big Business» ist und weil jeder ahnt, dass Sport wichtig ist: Schliesslich wird in jeder Liga vor jeder Partie die Nationalhymne gespielt. Sportveranstaltungen einfach so zum Spass zu stören, ist in Nordamerika noch gar niemandem in den Sinn gekommen.

Wir haben bei uns also zwei Probleme: Es fehlt der Respekt vor dem Sport und es fehlt dem Gesetzgeber, der über das Gewaltmonopol verfügenden Staatsmacht, den Politikerinnen und Politikern, aber nach wie vor auch den Klubs und Ligen am Willen, Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Und statt mit schönen Worten mit griffigen Massnahmen und den dafür notwendigen finanziellen Mitteln durchzusetzen. Unsere Sicherheitsprobleme sind also hausgemacht. Wenn ich amerikanischen Freunden erzähle, was bei uns bei gewissen Hockey- oder Fussballspielen abgeht, dann gibt es immer wieder ungläubiges Staunen, Kopfschütteln und die simple Frage: «Ja mein Gott, warum steckt Ihr die Idioten nicht einfach in den Knast?» - Ja, warum eigentlich nicht?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gast Freundschaft am 03.10.2011 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Zurückspuhlen...

    Wieso wir die nicht in den Knast stecken ist einfach. Wir dürfen nicht überwachen die Polizei darf nur mit Samthandschuhen eingreiffen. - Noch Fragen? Wir könnten einfach von Anfang an alles filmen und dann zurückspulen. Irgendwann waren alle unmaskiert.

  • August Augur am 03.10.2011 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Undankbarer Job

    Auf Bild 2 von 17 sieht man, wie die vermummten "Fans" über die Bande steigen. Und dies vor den Augen der Security, welche eigentlich meiner Meinung nach, hätte eingreifen müssen. Ich weiss, das ist sicherlich ein undankbarer Job. Da stehen, sich der Meute ausliefern und nicht einmal sas Spiel schauen können (wenn denn eines statt findet). Aber die Security ist für solche Situationen da. Ansonsten müssten die Clubs Polizisten engagieren, was die Kosten hochtreben würde. Ach ja, noch was: Stellt Euch vor, es ist Fussball, und keiner geht hin!

  • Bob Dobalina am 03.10.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Recherche?

    Ich habe die USA anders in Erinnerung...mehrmals kam es in letzter Zeit vor, dass es in den USA nach Sportveranstaltungen zu Strassenschlachten kam!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Meier Sepp am 05.10.2011 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Anlass für Gross und Klein

    Ich gehe seit mehr als 15 Jahren mit meinen Kinder (mit 5 Jahren waren sie das erste Mal dabei) an Fussballspiele des FC Zürichs. Mir und meinen Kinder war es noch nie unwohl dabei. An einem Auswärtsspiel wurde es einmal Heikel, jedoch wurde uns von anderen Fans geholfen nachdem uns die Polizei in die Falsche Richtung geschickt haben. Das alles wird masslos übertrieben, sogar die gewaltbereiten Hochrisikofans wollen nicht Kinder oder Familien etwas anhaben. Fussball gehört allen, wer regemässig an Spiele geht, weis das er nichts befürchten muss! Gegen den Fackelwurf Pro Pyro!!

    • Björn Odermatt am 09.10.2011 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      Schweizer Volk

      endlich einer der es auf den Punkt bringt!! Der Schweizer muss einfach immer auf jemandem rumhacken. Jeder Fussballfan, der ab und zu die Spiele besucht weiss, dass die ganze Sache halb so schlimm ist. Nach den Medien könnte man meinen, dass es Wochenende für Wochende schwerverletzte gibt. Ich frage mich nur, welches "unser" nächstes Thema sein wird.. "Kriminelle Biker verwüsten unsere Wanderwege!"?!

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  • Hans am 04.10.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte informieren

    Haha ich war eben in den USA an einem NFL Spiel und habe live 3 Verhaftungen im Stadion gesehen. Sooo friedlich ging nicht alles über die Bühne. Zudem haben die Amerikaner vor allem in den College Liegen Probleme da dort die wirklichen Rivalitäten zu finden sind. Oder wie nennt ihr solche Szenen?

  • Gspunne am 03.10.2011 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Evt die Lösung?

    In einigen Postings wurde erwähnt, dass die grossen Distanzen in USA die Fans bei Auswärtsspielen ihr Team nicht unterstützen können. Das bringt mich auf folgende Idee: Wieso reduziert man diese Fangemeinde (Anzahl mässig) bei Auswärtsspielen in der Schweiz und es dürfen nur noch "echte" Fans zugelassen werden, welche Klubintern registriert sind und sich auch entsprechend ausweisen können?

  • Winterthurer am 03.10.2011 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Komerzmaschiene Amerika

    In Amerika geht es auch nicht mehr um den Sport, sondern um die Shows in den Pausen. An Eishockeyspielen gibt es keine Emotionen, gejubelt wird nur bei einer Schlägerei oder bei einem Tor. Die eigene Mannschaft wird sonst nicht angefeuert. Ziemlich lahm dort...

    • V.Keith am 04.10.2011 09:03 Report Diesen Beitrag melden

      NBA-Playoffs

      Du warst wohl noch nie an einem NBA-Playoff Game. Da rockt die Bude, dass sich LeBron "King" James kaum in einer fremde Halle traut.

    • Jan B am 04.10.2011 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Lahm als Pyro im Gesicht oder?

      Besser etwas ruiger als eine Verletzung die das Leben lang dich kennzeichnet, überleg doch mal, das kanns ja nicht sein!

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  • stoner Bear am 03.10.2011 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, so wird es gehen....

    Genau machen wir es wie die USA. Da gibt es nur "Heimspiele" ! Weil die distanzen zu gross sind und weil die Stadien ausverkauft (zum Teil über Jahre) sind und darum nur mit Heim Fans gefüllt sind. Trotzdem ist immer eine sportliche Stimmung im Stadion. Es ist höchste Zeit in der CH nur noch Heim Publikum reinzulassen. Dann könnte ich mit meinem Sohn wieder vermehrt Matches anschauen gehen ohne dass Er mich immer Fragen muss warum soviel Polizei und Chaoten um das Stadion laufen.....