Fifa-Kongress

01. Juni 2011 09:14; Akt: 01.06.2011 21:23 Print

Blatter mit Glanzresultat wiedergewählt

Sepp Blatter bleibt vier weitere Jahre Fifa-Präsident. Er wurde am Kongress im Zürcher Hallenstadion mit 186 von 203 Stimmen für eine vierte Amtszeit gewählt.

Bildstrecke im Grossformat »
Siegerpose bei Sepp Blatter: Die Wiederwahl ist geschafft. So schwierig war das zwar nicht: Der Walliser war der einzige Kandidat. Gratulationen gab es trotzdem von allen Seiten. Ein Blick zurück: Am 1. Juni 2011 fand im Zürcher Hallenstadion der 61. Fifa-Kongress statt. Das grosse Thema: Die Präsidentschaftswahl. Fifa-Präsident Sepp Blatter (l.) und Generalsekretär Jerôme Valcke bei ihrer Ankunft im Hallenstadion. Einmal angekommen, begrüsste Blatter Exekutivmitglied Chuck Blazer (r.). Blatter trat als einziger Kandidat zur (Wieder-)Wahl als Fifa-Präsident an. Sein Kontrahent Mohammed Bin Hammam warf das Handtuch, nachdem Korruptionsvorwürfe gegen ihn laut wurden. Wenig später wurde der Katarer dann suspendiert. Der Walliser äusserte sich in seiner Rede kritisch zu den Vorgängen in den Tagen vor der Wahl, die von Korruptionsvorwürfen geprägt waren. Er will in der Fifa aufräumen und die WM künftig nicht mehr vom Exekutivkomitee, sondern vom Kongress vergeben lassen. Auch die Mitglieder der Ethikkomission sollen so gewählt werden. Dies ist wohl Blatters letzte Chance, etwas für das angekratzte Ansehen der Fifa (und sein eigenes) zu tun. Der Antrag der englischen Delegation, die Präsidentschaftswahl zu verschieben, wurde mit 198:4 Stimmen abgelehnt. Deshalb war so gut wie sicher, dass Sepp Blatter wiedergewählt werden würde. Die Kongressmitglieder lauschten gespannt den Rednern. Unter ihnen auch Uefa-Präsident Michel Platini. Alle Blicke richtetn sich auf Sepp Blatter. Franz Beckenbauer redete etwas länger als geplant. Obwohl Blatter der einzige Kandidat war, entschied man sich gegen eine Wahl per Akklamation. Fleissig füllten die Kongressmitglieder einzeln die Wahlzettel aus und legten sie in die Urne. Das Prozedere dauerte fast zwei Stunden. Am Ende hiess der Fifa-Präsident für die nächsten vier Jahre - wen wunderts - Sepp Blatter. Er erhielt 186 Stimmen. 203 Wahlzettel waren insgesamt abgegeben worden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Blatter hatte bei der Wahl keine Konkurrenz, nachdem Mohamed bin Hammam seine Kandidatur am Wochenende zurückgezogen hatte. Wegen Korruptionsvorwürfen war der Katarer anschliessend vorläufig suspendiert worden. Mit 186:17 Stimmen fiel die Wahl sehr deutlich aus. 203 von 208 Mitgliedsländern waren am Mittwoch noch im Zürcher Hallenstadion anwesend. Abgereist waren einzig einige aisiatische Vertreter.

Umfrage
Finden Sie die Wiederwahl von Sepp Blatter gut?
21 %
79 %
Insgesamt 1417 Teilnehmer

Die Wahl, bei der jedes Mitgliedsland in alphabetischer Reihenfolge seine Stimme abgeben musste, dauerte über 100 Minuten.

Reformen sollen Ruhe bringen

Die Ansprache des Schweizers zu Beginn des neunstündigen Kongresses war am Vormittag nach den heftigen Kritiken und Querelen im Vorfeld mit grosser Spannung erwartet worden. Würde sich Blatter bereit zeigen, die vehement geforderten Reformen anzupacken und die Fifa transparenter zu machen? Bereits am Montag hatte er angekündigt, dem Kongress radikale Schritte und nicht nur kleine kosmetische Verbesserungen vorzuschlagen. Dies tat er gestern mit markigen Worten.

«Wir alle, das heisst die Fifa, haben in den letzten Wochen harte Schläge einstecken müssen. Ich persönlich habe auch einige Ohrfeigen erhalten, und wir müssen nun die Lehren daraus ziehen. Die Warnungen waren wichtig, um neue Lösungen zu finden. Ich stelle mich dieser Aufgabe, wenn sie mich wiederwählen. Das Fifa-Schiff kreuzt in diesen Tagen in turbulenten, trüben Gewässern, und ich möchte das Boot in den nächsten vier Jahren wieder auf Kurs bringen. Dazu sind jedoch grundlegende Reformen notwendig.»

Blatter sprach von Instrumenten, die gestärkt oder neu geschaffen werden müssen, um die geforderte Transparenz ins Management und in die Führung der Fifa zu bringen. Er fragte die Delegierten, ob es wichtig sei, dass das Exekutiv-Komitee die Weltmeisterschaften vergebe und gab gleich selber die Antwort darauf: «Ich bin für mehr Macht der Mitgliedsverbände und möchte, dass künftig der Kongress die WM-Organisatoren bestimmt!» Der Applaus des Kongresses war ihm sicher.

Schmiergelder müssten drastisch erhöht werden

Bei dieser neuen Lösung dürfte es für ein einziges Land sehr teuer werden, sich die nötige Stimmen-Mehrheit zu erkaufen. Genau dieser Vorwurf wurde nach den letzten WM-Vergaben im Dezember erhoben, als Russland die WM 2018 und Katar die WM 2022 zugesprochen erhielten. Dieses Ereignis bestimmt noch immer die Diskussionen in- und ausserhalb der Fifa. Und es ist weiterhin nicht auszuschliessen, dass es zu einer Wiederholung der letzten Vergaben kommen könnte, wenn die von England und diese Woche auch vom inzwischen suspendierten Exekutiv-Komitee-Mitglied Jack Warner aus Trinidad und Tobago erhobenen Bestechungs-Vorwürfe bewiesen werden. Der gestern für den zurückgetretenen Franz Beckenbauer ins Exekutivkomitee gewählte DFB-Präsident Theo Zwanziger forderte noch vor dem Kongress, die «Vergabe der WM an Katar aufgrund eines beachtlichen Grades an Verdächtigungen noch einmal zu überprüfen».

Blatters zweiter Reform-Vorschlag betraf die Wahl der Mitglieder in die vor fünf Jahren ins Leben gerufene Ethikkommission. Auch diese Mitglieder werden ab sofort durch den Kongress und nicht mehr durch das Exekutiv-Komitee gewählt. Blatter war im Vorfeld angekreidet worden, dass er nur Personen zugelassen hätte, die hinter ihm stehen würden. Die Ethikkommission wird zurzeit noch durch den Schweizer Alt-Internationalen Claudio Sulser präsentiert.

Die Ethikkommission soll zudem künftig gestärkt und professionell bestückt werden. Bisher spielte die Fifa-Administration und der Generalsekretär eine Schlüsselrolle in dieser Kommission. Das sei nicht gut, sagte Blatter, und will eine Zweiteilung der Ethikkommission vor. Zum einen soll es eine Art Staatsanwaltschaft geben, die Untersuchungen aus eigener Initiative einleiten kann. Daneben wird es ein gerichtsähnliches Konstrukt geben, welches nach den Untersuchungen des «Staatsanwalts» ihr Urteil fällt. Blatter: «Damit erreichen wir die Unabhängigkeit gegenüber unserer Administration und des Exekutivkomitees und haben so die nötige Transparenz gesichert. Das ist mir sehr wichtig.»

Bestechungsvorwürfe sollen besser untersucht werden

Als neues Instrument für mehr Transparenz will Blatter im weiteren eine Lösungskommission bilden. «Persönlichkeiten aus der Fifa werden Untersuchungen über alle Vorfälle und Anschuldigungen in und gegen die Fifa sowie die Mitglieder des Exekutivkomitees vornehmen und uns Bericht erstatten. Sie können auch externe Berater hinzuziehen, aber es muss eine Fifa-Kommission bleiben. Wir müssen unsere Probleme intern lösen können. Zur Behandlung des Berichts dieser Lösungskommission könnten wir notfalls einen ausserordentlichen Kongress einberufen und einen ganzen Tag lang alle Probleme ausdiskutieren.»

Ganz am Ende des gestrigen Kongresses, nach der Wiederwahl Blatters, stimmten die Delegierten schliesslich auch über diese drei Reformvorschläge ihres Vorsitzenden ab. Das Ergebnis fiel noch klarer aus, als zuvor die Wahl des Präsidenten. 176 Delegierte waren dafür, nur 4 dagegen, was einer Zustimmung von 97,8 Prozent entspricht. Der Tag endete für Blatter auf allen Ebenen mit einem Kantersieg.

Britische Absichten wie erwartet durchkreuzt

Die britischen Fussball-Verbände sind mit ihrem Vorschlag, die Wahl des Fifa-Präsidenten zu verschieben, wie erwartet haushoch gescheitert. Die Intervention von FA-Ehrenpräsident Prinz William nützte wenig überraschend nichts mehr. Mit 172:17 Stimmen wurde die Absicht in deutlich(st)er Form abgeschmettert. Für eine Verschiebung der Wahl wären drei Viertel der 206 Delegiertenstimmen nötig gewesen. Der dritten Wiederwahl von Fifa-Präsident Sepp Blatter im Verlauf des späten Nachmittags steht nach dem Rückzug von Asiens Verbandspräsident Bin Hammam nichts mehr im Weg.

Prinz William hatte in seiner Rolle als Ehrenpräsident des englischen Verbandes (FA) die Forderungen nach einer Verschiebung der Wahl des Fifa-Präsidenten unterstützt. Er stehe voll und ganz hinter dem FA-Vorsitzenden und den Initiativen der FA, hiess es in einer Stellungnahme aus dem Prinzenbüro St. James's Palace in London.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Attila Mikulcza am 02.06.2011 03:29 Report Diesen Beitrag melden

    Blatter ersetzen? Aber mit wem?

    ein 40jähriger wird kaum auf so ein Netzwerk wie Blatter zugreifen können....auch wenn ich nicht auf Blatters Seite bin....aus meiner Sicht müsste die Fifa als Verein aufgelöst werden und wie jede andere Firma auch Steuern zahlen. Schliesslich machen sie Miliardenumsätze und das kann doch nicht als Verein durchgehen......aber lieber Sepp als Maradonna als Präsident.....

  • Offside am 02.06.2011 01:10 Report Diesen Beitrag melden

    De Schacher Seppli?

    Was ein lockerer Geldregen nicht alles richten kann.

  • smidianer am 02.06.2011 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    wenn der preis stimmt

    wm und em bekommt sowiso der, der am meisten bezahlt. basta. und da wird sich in zukunft auch nichts ändern zu verstrickt ist das ganze mit politik wirtschaft beziehungen etc. träumt weiter das ist nicht nur ein problem der fifa das ist ein weltweites problem. wenige superreiche ziehen die fäden und solange alle mittanzen stimmt auch der rythmus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 02.06.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin nicht stolz, Sepp!

    Sepp Blatter ist verantwortlich für die masslose Geldgier der FIFA. Aber dem Fussball wurde unendlich geschadet. Begriffe wie FAIR PLAY sind leider nur noch eine Lachnummer... und dass solch satte Gewinne Korruption hervorbringen, kann doch niemandem verwundern... ! Ändern wird sich gar nichts, solange Geld- und Machtgier den Fussball regieren!

  • smidianer am 02.06.2011 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    wenn der preis stimmt

    wm und em bekommt sowiso der, der am meisten bezahlt. basta. und da wird sich in zukunft auch nichts ändern zu verstrickt ist das ganze mit politik wirtschaft beziehungen etc. träumt weiter das ist nicht nur ein problem der fifa das ist ein weltweites problem. wenige superreiche ziehen die fäden und solange alle mittanzen stimmt auch der rythmus.

  • Reformen am 02.06.2011 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Was kann die FIFA aus dieser Wahl lernen

    Fussball ist wirklich reformbedürftig. Bei künftigen Fussballspielen sollte nur noch eine Mannschaft auf den Platz. Die Anzahl Tore die geschossen werden, könnte Seppli vorher zusammen mit der Totogesellschaft in einer anonymen Ziehung festlegen. Der Sieger steht somit von Anfang an fest und bekommt einfach seine Prämie, wie bei den FIFA-Wahlen. Für die ausgelosten Tore gibt's einen fette Bonus. Den Weltcup gewinnt, wer am meisten kassiert hat, steuerfrei!

  • Bob Bob am 02.06.2011 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Korruption...

    lebt weiter. Wer's glaubt, dass Blatter gegen die Korruption vorgehen wird. Dann müsste er sich ja selber bekämpfen. Eine Schande für unsere Nation. Die FIFA sollte endlich in ein anderes Land abgeschoben werden. Steuern zahlt sie hier ja sowieso keine.

  • stefan hermanns am 02.06.2011 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wie im Politbuero

    Das war ja wie bei Honecker frueher im Politbuero der DDR. Alle Stimmberechtigten sind persoenlich profitierende des Systems (oder schon senil) und waehlen natuerlich den Chef, damit alles so bleibt. Demokratie und Transparenz waeren dringend noetig und nicht nur Demok. und Transp. -Gefasel. Aber woher sollte solch eine Aenderung kommen?