Blatter vs. Bin Hammam

01. Juni 2011 07:19; Akt: 01.06.2011 10:48 Print

Das Fifa-Wahlchaos im Zeitraffer

von Herbie Egli - Der Kampf um das Fifa-Präsidentenamt verlief bis zum 25. Mai 2011 in geordneten Bahnen. Seither besteht ein einziges Durcheinander im Weltfussballverband.

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Infografik: Alles zur Fifa-Wahl.

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Als Mohamed Bin Hammam am 18. März 2011 seine Kandidatur für das Fifa-Präsidentenamt verkündete, wussten – wenn überhaupt – nur die wenigsten, wie dieser Wahlkampf verlaufen würde. Als am 1. April klar wurde, dass der 62-jährige Katarer Blatters einziger Herausforderer ist, nahm man an, es gebe am 1. Juni in Zürich eine spannende Wahl, die vorher durch taktisches Geplänkel geprägt würde. Doch dazu kommt es aus den bekannten Gründen nicht mehr. Bin Hammam ist das Opfer der Schlammschlacht und Blatter scheint einmal mehr einen seiner Kritiker aus dem Weg geräumt zu haben.

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Chronologie des Fifa-Wahlkampfs

18. März 2011
Mohamed Bin Hammam gibt seine Kandidatur im Hauptquartier der Asiatischen Fussball-Konföderation (AFC) in Kuala Lumpur bekannt. «Angetrieben von meiner Liebe zum Fussball habe ich nach sorgfältiger Abwägung entschieden, zur Wahl im Juni 2011 anzutreten. Die Zeit ist reif, den Kampf um die Präsidentschaft aufzunehmen», sagt der 62-jährige Katarer. Bin Hammam werden gute Wahlchancen eingeräumt. 1998 bei der ersten Wahl und 2002 bei der Wiederwahl unterstützte er Blatter mit Geld und liess ihn in seinem Privatjet um die Welt fliegen. Nun hat der Schweizer die finanziellen Mittel seines einstigen Weggefährten nicht mehr zur Verfügung und einen Gegenspieler, der das Geschäft kennt.

1. April 2011
Die Kandidatur von Mohamed Bin Hammam ist die einzige, die bis zur Eingabefrist Anfang April bei der Fifa eingetroffen ist. Damit ist er offiziell Herausforderer von Sepp Blatter.

30. April 2011
Die afrikanische Konföderation CAF (53 Stimmen) empfiehlt Sepp Blatter zur Wahl. Der Schweizer bekommt am gleichen Tag auch von der Ozeanischen Konföderation OFC (11 Stimmen) die Unterstützung. Die Chancen für Bin Hammam sinken, die Stimmung scheint zu kippen.

1. Mai 2011
Der kleinste aller Konföderationen, die südamerikanische CONMEBOL (10 Stimmen), will Sepp Blatter ebenfalls für eine weitere Amtszeit wählen.

6. Mai 2011
Die Uefa mit ihren 53 Stimmen empfiehlt Sepp Blatter zur Wahl. Der Wahlausgang scheint klar.

10. Mai 2011
Die Nord-, Zentralamerikanische- und Karibische Fussball-Konföderation CONCACAF (35 Stimmen) hat sich noch nicht offiziell entschieden. Wahrscheinlich ist aber, dass sie ebenfalls Sepp Blatter unterstützt.

Allerdings soll an jenem 10. Mai Bin Hammam beim Treffen der Karibischen Fussball-Union CFU den Anwesenden seine Stimme für 40 000 Dollar angeboten haben. Auch CONCACAF-Präsident Jack Warner soll in den Bestechungsskandal verwickelt sein.

25. Mai 2011
Warners Geschäftsführer, der Amerikaner Chuck Blazer, bringt den Stein ins Rollen. Die Ethikkommission eröffnet aufgrund seiner Bestechungsvorwürfen eine Untersuchung gegen Bin Hammam und Jack Warner. Die Betroffenen haben zwei Tage Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

26. Mai 2011
Bin Hammam schlägt zurück. Nun ermittelt die Ethikkommission auch gegen Sepp Blatter. Diese untersucht Vorwürfe des Katarers, dass der Fifa-Präsident von den angeblichen Zahlungen Kenntnis gehabt habe.

29. Mai 2011
Bin Hammam zieht seine Kandidatur zurück. Die jüngsten Ereignisse hätten ihn «verletzt und enttäuscht» zurückgelassen, schrieb der Katarer auf seiner Internetseite. «Ich kann es nicht zulassen, dass das Ansehen der Fifa mehr und mehr in den Schmutz gezogen wird wegen des Wettbewerbs zwischen zwei Einzelpersonen», begründete Bin Hammam seinen Rückzug aus dem Wahlkampf.

Später am gleichen Tag suspendiert die Ethikkommission Bin Hammam und Warner von ihren Ämtern. Gegen die beiden wird weiter ermittelt. Blatter wird von den Vorwürfen freigesprochen und ist somit noch einziger Kandidat für die Präsidentenwahl am 1. Juni. Der Wiederwahl steht praktisch nichts mehr im Weg.

30. Mai 2011
Der suspendierte Warner schiesst gegen Blatter. Der Fifa-Präsident habe beim CONCACAF-Kongress am 3. Mai in Miami der Konföderation 1 Million Dollar für Projekte gespendet. Beim CFU-Kongress am 10. Mai in Trinidad sollen für alle Mitglieder Laptops organisiert worden sein.

Sepp Blatter reagiert auf die Vorwürfe seines einstigen Freundes Warner. Er hält eine Pressekonferenz ab. Auf die Bestechungsvorwürfe geht er aber nicht gross ein und gegen Ênde kommt es fast zum Eklat mit den Journalisten.

31. Mai 2011
Warner kündigt nach Blatters Pressekonferenz an, dass er am Dienstag vor der Präsidentenwahl einen «Tsunami» lostreten will. Dabei will das suspendierte Fifa-Mitglied beweisen, dass vier hochrangige Funktionäre 20 Millionen Dollar dafür erhalten haben, dass sie im Dezember für eine WM 2022 in Katar stimmten. Bei den Beschuldigten handelt es sich um Issa Hayatou (Kamerun), Nicolas Leoz (Paraguay), Julio Grondona (Argentinien) und Rafael Salguero (Guatemala). Die Pressekonferenz findet jedoch nicht statt.

Nur wenige Stunden später manövriert sich Warner ganz ins Abseits. Der Präsident des CONCACAF (Fussball-Verband für Nord- und Mittelamerika/Karibik) empfiehlt den Mitgliedern der Karibischen Fussball-Union CFU in einem Brief nun überraschend, am Mittwoch bei der Wahl für den Schweizer zu stimmen. «Bei unserem letzten Treffen haben wir vereinbart, als Union den Amtsinhaber Blatter bei seiner Mission, Präsident zu bleiben, zu unterstützen. Ich möchte Ihnen versichern, dass sich daran nichts geändert hat. Wir haben uns entschieden und müssen uns daran halten».

1. Juni 2011
Wahltag! Was er für Überraschungen mit sich bringt? Wir sind gespannt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adrian Stauffer am 01.06.2011 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Korrupte Spiele für alte Männer

    Lasst doch die paar alten Männer ihre geliebten Spiele spielen. Aber bitte - haltet den Fussball da raus. Das hat mit Sport und "Fair play" gar nichts zu tun. Die FIFA spielt sich mit einer solchen Taktik selber die rote Karte zu. - Schaden für den schönen und beliebten Sport. - Leider ist ist der Fussball König sonder das Geld!

  • Obserwator am 01.06.2011 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    War das eigentlich Calmey-Rey die da gestern abend wie ein Huendchen neben Blatter herlief? Echt peinlich.

    einklappen einklappen
  • Robin am 01.06.2011 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen in die FIFA!

    Bei der FIFA geht es nur um Macht und Geld, das wird immer wieder allzu deutlich! Es ist an der Zeit, dass auch Frauen dort Einsitz nehmen können und der Krieg um den Fussball endlich aufhört!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Robin am 01.06.2011 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen in die FIFA!

    Bei der FIFA geht es nur um Macht und Geld, das wird immer wieder allzu deutlich! Es ist an der Zeit, dass auch Frauen dort Einsitz nehmen können und der Krieg um den Fussball endlich aufhört!

  • Obserwator am 01.06.2011 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    War das eigentlich Calmey-Rey die da gestern abend wie ein Huendchen neben Blatter herlief? Echt peinlich.

    • Rodolfino am 01.06.2011 10:15 Report Diesen Beitrag melden

      BR Faux-Pas

      Ein Faux-Pas der besonderern Art unserer Bundesrätin.

    einklappen einklappen
  • Adrian Stauffer am 01.06.2011 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Korrupte Spiele für alte Männer

    Lasst doch die paar alten Männer ihre geliebten Spiele spielen. Aber bitte - haltet den Fussball da raus. Das hat mit Sport und "Fair play" gar nichts zu tun. Die FIFA spielt sich mit einer solchen Taktik selber die rote Karte zu. - Schaden für den schönen und beliebten Sport. - Leider ist ist der Fussball König sonder das Geld!