Laktattest führt ans Limit

10. Juni 2011 15:19; Akt: 11.06.2011 17:33 Print

Strampeln bis kurz vor dem Kollaps

von Stefan Ryser - Es heisst Farbe bekennen für das Gigathlon-Team von 20 Minuten Online: Wenige Wochen vor dem Wettkampf geht es zum Leistungstest. Und unser Biker muss richtig leiden.

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Hat noch gut lachen: Biker Stefan vom 20-Minuten-Online-Team zu Beginn des Laktattests mit Testleiterin XY.

Fehler gesehen?

Also mache ich einen Laktatstufentest. Dazu gehe ich am Gigathlon Campus, einem eintägigen Vorbereitungsseminar von Swiss Olympic, auf einem Hometrainer an meine Grenzen. Eine Betreuerin nimmt mir alle drei Minuten Blut, um den Laktatwert zu ermitteln, gleichzeitig erhöht sie den Rollwiderstand jedes Mal um 30 Watt. Wir jagen meine anaerobe Schwelle: Den Punkt, an dem meine Muskeln nicht mehr allein mit dem geatmeten Sauerstoff auskommen, um die benötigte Energie bereitzustellen, sondern vermehrt auf die sogenannte laktazid-anaerobe Verstoffwechselung zurückgreifen müssen. Bei den meisten Menschen liegt dieser Punkt bei rund 4 mmol/l; diesem Wert werde ich nun entgegenstrampeln. Und im Idealfall noch eine Weile darüber hinwegkurbeln.

Ein erster Pieks, und los gehts. Der Test startet bei 100 Watt, mein Puls bei 112. Es gelingt mir locker, die 90 Umdrehungen pro Minute zu halten, die ich auch sonst im Ausdauertraining meist trete. Die ersten zehn Minuten sind erträglich, dann ziehts langsam etwas stärker in den Oberschenkeln, ich komme mehr und mehr ins Schwitzen, kann die Trittfrequenz aber gut halten. Keine Anzeichen von Schwäche, nach 24 Minuten bin ich bei 310 Watt Leistung, 4 mmmol/l und einem Puls von 164 angelangt.

Fühlt sich gar nicht so schlimm an, diese anaerobe Schwelle. Bis zu dieser Herzfrequenz kommen meine Muskeln also vor allem mit dem geatmeten Sauerstoff aus, jeder Herzschlag darüber wird im Ausdauer-Wettkampf kritisch, da es dem Körper mit jedem Überschreiten dieser Grenze schwerer fällt, wieder in den aeroben Modus zurückzukehren, sich wieder zu regenerieren.

Bei 183 Herzschlägen ist plötzlich Schluss

Mein Gesicht habe ich kaum mehr unter Kontrolle. Und die 3-Minuten-Intervalle ziehen sich in die Länge, dafür spüre ich die Blutentnahmen gar nicht mehr, so sehr bin ich mit dem Halten der Trittfrequenz beschäftigt. Und immer wieder ein flüchtiger Blick auf die Pulsuhr, die mittlerweile über 180 anzeigt. Ich zieh noch durch, so gut es geht. Dann sind wir bei 340 Watt, und ziemlich plötzlich macht mein Kopf bei einem Puls von 184 nicht mehr mit. Oder ists der Körper?

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An der Grenze zum Umfallen: Stefan strampelt bereits mit 340 Watt, langsam wird ihm schummrig vor Augen.

Fünf Minuten später sitze ich – immer noch ausser Atem – einem Arzt gegenüber, der mein Gefühl endlich bestätigt: Die zwei Monate Training haben sich gelohnt, meine aerobe Ausdauerfähigkeit ist gut, ich bin nicht übertrainiert. In den nächsten Wochen darf ich auch noch einen Zacken zulegen.

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Bringt es ans Licht: Der Team-Biker hat schon gute Grundlagen. Immerhin macht sein Körper bis 183 Herzschlägen pro Minute und Tretleistung bis 348 Watt locker mit. Trotzdem: Da geht noch was, Stefan!

Mit einem super Gefühl sitze ich da, lasse mir noch ein paar Tipps zum Intervall- und Grundlagentraining geben. Und mein Körper hat offenbar noch nicht genug: Wie ein kleiner Junge freue ich mich auf die zwei Stunden Bike-Training am Nachmittag.