Impressionen eines Trainings

27. Juni 2011 14:24; Akt: 27.06.2011 17:27 Print

Die fremde Haut

von Simone Kubli - Wie sehen die Freuden einer Langstrecken-Schwimmerin aus? Soviel vorweg: Das Anziehen des Neoprens ist Schwerstarbeit und gilt als sechste und schwierigste Disziplin beim Gigathlon.

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Neopren und Katzensee: Das Schwimm-Training neben und im Wasser war hardcore.

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Am schönsten wars am Katzensee. Weil die wöchentlichen Open Water Swims im Zürichsee wegen schlechten Wetters oft ausfielen, musste ich eine Alternative suchen. Schnell, denn ich wollte mich an den neu gekauften Neopren gewöhnen. Mit dem Neopren ins Freibad zu gehen war mir zu peinlich, und als einsame Schwimmerin im offenen Zürichsee hätte ich Angst vor Schiffen und sonstigen Seemonstern gehabt. Eine Trainingskollegin empfahl mir den Katzensee. Katzensee? Den kannte ich bisher nur als Eisfläche.

An einem sonnigen Morgen Ende Mai schwang ich mich auf meinen klapprigen Drahtesel und radelte sieben Kilometer nach Zürich-Affoltern. Der Katzensee lag menschenleer und ruhig vor mir. 20 Grad war das Wasser. Perfekt, dachte ich und stülpte mir den Neopren über. Aber was war da los? War er zu eng, war ich zu dick? Ich zog das Unding über die Beine, doch im Schritt passte er überhaupt nicht mehr. Nochmals von vorne. Ich durfte nicht zu fest am Material ziehen, denn es hätte reissen können. Beim weiteren Mal stimmte es oben bei den Schultern nicht. Also nochmals. Nach einer gefühlten Stunde war ich im Anzug. Er umgab meinen Körper wie eine fremde Haut. Mist, der Reissverschluss hinten bewegte sich trotz heftigen Ziehens keinen Millimeter. Ich bat eine Spaziergängerin um Hilfe. Sie schaute mich etwas komisch an.

Die Enten und ich

Endlich und bereits schweissgebadet stieg ich ins Wasser. Im Neopren schwamm ich wie auf einem Luftkissen. Ich fühlte mich nicht wie ein Fisch im Wasser, sondern wie ein Gummiboot. Das Schwimmen im Neopren war weniger kraftraubend, dafür einengend. Am Hals fing sich die Haut an zu scheuern.

Eine halbe Stunde lang teilte ich den See nur mit einem Entlein. Nach einer weiteren halben Stunde kam ein zweites dazu. Ich schwamm 700 Meter hin, 700 Meter her, nochmals hin und her. Es war meditativ. Plötzlich gesellte sich noch eine dritte Ente dazu. Oh nein, das war keine Ente; am Ende meines Schwumms sah ich, wie eine alte Frau den See in ruhigen Zügen durchschwamm. Ohne Neopren natürlich. Später in der Dusche hörte ich sie murmeln: «Danke Gott für den schönen Moment.» Sie wiederholte diesen Satz ein paar Mal. Die alte Frau hatte recht; wem auch immer zu danken ist, dieser Morgen am Katzensee brachte eine schöne Abwechslung in mein Gigathlon-Training.

Die Erlösung

Denn bis anhin hatte sich mein Training im Hallenbad Oerlikon ziemlich eintönig abgewickelt. Ganz pragmatisch. Von einem Kilometer pro Trainingseinheit im April erhöhte ich im Mai auf zwei Kilometer pro Trainingseinheit. Ich hatte das Gefühl, dass ich immer schneller wurde. Als streng empfand ich das Schwimmen in den Bahnen immer weniger. Hingegen langweilte ich mich immer wieder.

Die Monotonie des Kilometer-Abspulens durchbrach glücklicherweise der Gigathlon-Workshop in Bern – ein weiterer Höhepunkt während meiner dreimonatigen Vorbereitung. Zwei Schwimminstruktoren gaben hilfreiche Tipps bezüglich Technik und Ausdauer (siehe Infobox). Gute Inputs kamen von Samuel Hürzeler, einem früheren Spitzenschwimmer. Es gibt wenige wirklich talentierte Schwimmer unter den Triathleten und Gigathleten, wurde mir gesagt. Sämi ist einer von ihnen.

Sämis Trainingstipps

Das beste waren Sämis Trainingsempfehlungen. Die gezielten Vorbereitungstrainings brachten endlich Struktur und Kurzweile in meine immer gleichen Trainingseinheiten. Sechs Wochen blieben bis zum Wettkampf. Das hiess: Drei Wochen drei bis vier Mal wöchentlich ein Overload-Training (2,5 bis 4 Kilometer in 60 bis 90 Minuten) mit viel Technik und Intervall. Die letzten drei Wochen Trainings mit reduziertem Umfang, dafür mit viel kurzen Sprints.

Dieses Training hat mir geholfen. Der Schlussspurt darf beginnen. Ich bin froh, wenn die Vorbereitung vorbei ist. Nach dem Gigathlon werde ich gewiss nicht mehr so hart trainieren. Nur die kleinen und alten Enten im Katzensee möchte ich nochmals besuchen gehen. Ohne Neopren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gregi am 27.06.2011 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Superdupermegagigathlon....

    Gigathlon hin oder her - fuer mich total uninteressant. Dieser Artikel ist aber sehr unterhaltsam geschrieben und lies sich super leicht lesen und hat Spass gemacht. Ich wuensche Simone Kubli viel Glueck beim Gigathlon! :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gregi am 27.06.2011 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Superdupermegagigathlon....

    Gigathlon hin oder her - fuer mich total uninteressant. Dieser Artikel ist aber sehr unterhaltsam geschrieben und lies sich super leicht lesen und hat Spass gemacht. Ich wuensche Simone Kubli viel Glueck beim Gigathlon! :)