Gigathlon

16. Juni 2011 09:56; Akt: 19.06.2011 10:52 Print

«Wenn ich gewinne, wackelt Leukerbad»

von Antonio Fumagalli - In zwei Wochen startet der Gigathlon. Der letztjährige Sieger Marc Pschebizin freut sich wieder auf das Gefühl, wie «auf Drogen zu sein». Im Interview verrät er einige seiner Erfolgsgeheimnisse.

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Marc Pschebizin, der Sieger des Gigathlon 2009, will auch dieses Jahr wieder die Arme in die Höhe strecken können. (Bild: Keystone)

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Der Trainingstag war anstrengend, sehr sogar. Im von Swiss Olympic organisierten Gigathlon-Vorbereitungscamp sehnen wir vom 20-Minuten-Online-Team uns spätestens nach dem zweiten Tag alle nur noch nach Erholung – höchstens der vereinbarte Massagetermin darf das Herumfläzen noch unterbrechen. Nicht so Marc Pschebizin. Der 38-jährige Süddeutsche schnürt sich die Laufschuhe und sprintet lockeren Schrittes los, «nur ein paar hundert Höhenmeter» hört man ihn aus der Ferne noch zurufen.

Die Schinderei hat einen guten Grund: Pschebizin – in trainingsärmeren Zeiten hauptberuflich als Sportwissenschaftler tätig – ist Gigathlon-Titelverteidiger und will auch dieses Jahr wieder um den Sieg mitlaufen, -schwimmen, -radeln und -skaten. Im Gespräch mit 20 Minuten Online verrät er, wie er sich auf den Grossanlass vorbereitet.

20 Minuten Online: Was steht heute auf dem Trainingsplan?

Marc Pschebizin:
Aufgrund des schlechten Wetters (am Interview-Tag hat es bis auf rund 1800 Meter geschneit, Anm. d. Red.) musste ich meinen Plan leicht umstellen. Anstatt Mountainbike in der Höhe gibt es nun Lauftraining. Solche unvorhersehbaren Ereignisse gehören zur Wettkampfvorbereitung, da muss man flexibel reagieren können. Das ist ja genau das Schöne am Multisport – man hat immer eine Alternative.

Sie werden an den zwei Gigathlon-Tagen je über 5000 Höhenmeter zurücklegen. Muss man verrückt sein, um sich freiwillig solche Strapazen anzutun?

Für mich ist es eine Lebenseinstellung, in einem positiven Sinn auch eine Droge. Ich kann gar nicht sein ohne das Training, auch in den Ferien muss ich mich immer irgendwie bewegen. Beim Coaching pflege ich meinen Schützlingen jeweils zu sagen, wir sollten es geniessen, dass es uns gesundheitlich ermöglicht ist, solche Leistungen zu erbringen. Diese Fähigkeit nicht zu nutzen, ist in meinen Augen eine Vergewaltigung am eigenen Körper.

Kommt es dennoch vor, dass Sie während des Rennens leiden?

Natürlich. Beim vorletzten Gigathlon in St. Gallen hatte ich – auch wegen Materialpech – einen brutalen Hänger und war nahe daran, aufzugeben. Ich hab es nur nicht getan, weil ich meine Helfer nicht enttäuschen wollte. Wenn man solche Momente übersteht, ist die Befriedigung am Ende umso grösser.

Sie gehören seit Jahren zur Weltspitze und haben schon mehrere bedeutsame Ausdauerwettkämpfe gewonnen. Wie motiviert man sich jedes Mal neu?

Das fällt mir nicht schwer. Es prickelt bei mir noch immer bei jeder Vorstellung eines neuen Streckenprofils. Ich habe in meiner nunmehr 13-jährigen Profikarriere auch immer versucht, neue Dinge auszuprobieren. Wenn der Wettkampf noch in weiter Ferne liegt, kann es zudem hilfreich sein, sich Zwischenziele zu setzen.

Liegt da auch mal ein Feierabendbier drin?

Auf jeden Fall, man muss sich auch mal belohnen. Wenn man intensiv Spitzensport betreibt, ist es immer eine Gratwanderung zwischen der notwendigen Leistung und der Regeneration. Exzesse sind aber in der Tat zu vermeiden.

Und wenn Sie den diesjährigen Gigathlon wiederum gewinnen? Darfs dann auch ein Bier mehr sein?

Dann wackelt Leukerbad (lacht).

So weit sind wir noch nicht, der Start ist erst in drei Wochen. Wie gestalten Sie diese letzte Vorbereitungsphase?

Ich fahre alle Originalstrecken nochmals mit wachsamem Auge ab. Nicht nur, um die Belastung zu testen, sondern auch, um die Streckenabschnitte, auf denen sich ein Angriff lohnen könnte, genau im Kopf zu haben. Zudem ist die Intensität des Trainings nun natürlich höher als noch vor ein paar Monaten.

Letztes Jahr waren einige Teilnehmer erstaunt, weil Sie eine Radstrecke mit einer «Zeitfahrmaschine» anstelle eines klassischen Rennrads zurücklegten. Welche Überraschung haben Sie dieses Jahr im Köcher?

Ich überlege mir auch dieses Mal wieder, dieses Rad zu verwenden. Weitere Geheimnisse werde ich aber nicht preisgeben – der Gegner liest mit (lacht).

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