02. November 2007 15:03; Akt: 03.11.2007 06:28 Print

Ist Koks im Fruchtsaft strafbar?

Kokain unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Nicht nur Besitz, Erwerb und Handel damit sind strafbar, sondern auch der Eigenkonsum. Hat Martina Hingis das Gesetz gebrochen?

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«Wer unbefugt Betäubungsmittel vorsätzlich konsumiert (…) wird mit Busse bestraft», heisst es unter Artikel 19a des Bundesgesetzes über Betäubungsmittel. Konsumenten müssen mit Bussen bis zu 10 000 Franken rechnen, je nach Menge der Drogen, Intensität und Dauer des Konsums. In leichten Fällen kann das Verfahren eingestellt oder von einer Strafe abgesehen werden.

Ausgerechnet der Schweizer Tennis-Star Martina Hingis musste nun im Rahmen einer Pressekonferenz zugeben, dass ihre A-Probe nach der Niederlage in Wimbledon positiv auf Kokain getestet wurde und dass die B-Probe das Resultat bestätigte. «Tatsache ist, dass ich des Dopings verdächtigt werde, mich aber absolut und zu hundert Prozent unschuldig fühle», betonte sie am Donnerstag vor den Medien. Gleichzeitig gibt sie Folgendes zu bedenken: «Selbstverständlich gibt es immer auch die Möglichkeit, dass jemand in meinem Umfeld mir bösartig ohne mein Wissen eine Substanz in den Fruchtsaft gegeben hat, die am Ende kokainhaltig war.»

Hier liegt der entscheidende Punkt, was die strafrechtliche Beurteilung des Falls anbelangt: Martina Hingis macht geltend, dass sie die Droge nicht absichtlich genommen hat. «Wenn ein Betäubungsmittel nicht bewusst entgegen den gesetzlichen Bestimmungen konsumiert wird, ist dies strafrechtlich nicht relevant», erklärt Dr. Patrick Middendorf, Rechtsanwalt und Sekretär des Zürcher Anwaltsverbandes, die Sachlage gegenüber 20minuten.ch.

Sollte jemand tatsächlich Kokain in Martina Hingis Fruchtsaft gemischt haben, ohne dass sie etwas davon wusste, kann sie strafrechtlich nicht belangt werden. Was genau in den Tagen vor dem Wimbledon-Spiel geschehen ist, ist unklar und wird es vermutlich auch bleiben, denn Martina Hingis will kein Verfahren eröffnen: «Ich habe keine Lust, mein Leben in den nächsten Jahren auf einen Kampf gegen die Dopingbehörden zu reduzieren.»

Tina Fassbind, 20minuten.ch