Jubilar Andres Ambühl

15. Mai 2014 16:21; Akt: 15.05.2014 16:26 Print

«Ich bin lieber an der WM als im Kraftraum»

von Marcel Allemann, Minsk - Jubiläum für Andres Ambühl: Der Stürmer knackt am Freitag die Marke von 200 Nati-Spielen. Als erst achter Schweizer. Im Interview mit 20 Minuten blickt er zurück – und nach vorn.

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Die Schweizer Nati schliesst die WM in Minsk mit einem 3:2-Sieg gegen Lettland ab. Vorallem im ersten Drittel sind die Schweizer kaum zu stoppen und dominieren die Letten. Lettland kämpft bis zur letzten Sekunde um einen Platz im Viertelfinal - vergebens. Die Schweizer absolvieren eines der letzten Trainings unter Sean Simpson. Das Spiel gegen Lettland, wird das Abschiedsspiel dse Trainers. Für Kevin Romy ist die WM vorbei. Der Servette-Stürmer erlitt bei der unsportlichen Attacke von Kasachstans Nikolai Antropow eine Hirnerschütterung. Die Schweiz hat auch nur noch minime Chancen, sich für die Viertelfinals zu qualifizieren. Die Schweizer Nationalmannschaft sichert sich einen klaren 6:2-Sieg gegen Kasachstan. Die Eisgenossen sind von Beginn weg eine Klasse besser als der Aufsteiger. Vier von sechs Toren fallen in Überzahl. Der kasachische Torhüter Yeremeyev (vorne) zeigt kein gutes Spiel und wird nach zwei Toren ausgewechselt. Die Schweizer Hockeyaner kämpfen mit vereinten Kräften gegen das finnische Team. Die Scheibe findet aber trotz grossem Einsatz in den ersten beiden Dritteln den Weg ins Tor nicht. Dafür landet Damien Brunner in den Maschen. Aber die Schweizer schaffen im dritten Drittel ein Doppelpack und kämpfen sich so in die Verlängerung. Am Ende jubeln dann doch die Finnen. Sie gewinnen nach Penaltyschiessen 3:2. Beim Schweizer Training am Tag nach dem Deutschland-Spiel fehlt Damien Brunner. Gemäss Trainer Sean Simpson kann der Stürmer am Freitag gegen Finnland jedoch spielen. Na endlich: Die Schweizer gewinnen gegen Deutschland ihr erstes Spiel. Mit einem 3:2-Sieg sichern sie sich drei Punkte. Die Eidgenossen gehen nach 13 Minuten dank einem Tor von Brunner (im Bild Moser und Romy) in Führung. Doch der nördliche Nachbar schlägt weniger als zwei Minuten später durch Oppenheimer zurück. Im zweiten Abschnitt ist es dann Hollenstein, der für die Schweiz zum 2:1 trifft (33.). Und es kommt noch besser: Romy stellt sogar einen Zweitore-Vorsprung her. Doch noch vor der zweiten Pausensirene kommt Deutschland wieder heran. Erneut trifft Oppenheimer. Im dritten Drittel lässt der Erzrivale nicht locker und erarbeitet sich gute Chancen. Aber entweder scheitern sie an sich selbst, an der Torumrandung oder an Berra. Es fallen keine weiteren Tore mehr. Die Schweizer verlieren gegen den Gastgeber aus Weissrussland 3:4. Der entscheidende Treffer fällt erst wenige Minuten vor dem Ende der Partie. Zuvor führten die Eisgenossen gegen Weissrussland 3:2. Die Partie ist geprägt von Fehlern und Unkonzentriertheiten auf beiden Seiten. Fällt auf: Auch in dieser Partie geht «Gitterlibueb» Fiala dahin, wo es wehtut. Das erste Schweizer WM-Tor in Minsk erzielt Denis Hollenstein gegen die USA. Es ist der 1:0-Führungstreffer. Den zweiten Treffer für die Schweizer landet NHL-Spieler Damien Brunner nach sehenswerter Vorarbeit von Kevin Romy. Dazwischen hatte ausgerechnet Peter Mueller von den Kloten Flyers, von der Strafbank kommend, den Ausgleich zum 1:1 erzielt. Im Schlussdrittel haben die Schweizer dann grosses Pech. Zwei Treffer werden zu Unrecht wegen Offside aberkannt. Den zweiten davon - es wäre das 3:3 gewesen - hatte Simon Moser erzielt. Auch Emotionen sind im Spiel: Die Schweizer liefern sich einige handfeste Auseinandersetzungen mit den Amerikanern. Die Schweiz taucht beim WM-Auftakt in Minsk gegen die «Sbornaja». Die Eisgenossen unterliegen Russland diskussionslos 0:5. Der russische Superstar Alexander Owetschkin orchestriert seine «Sbornaja» zu einem ungefährdeten Sieg. Leonardo Genoni muss sich bereits nach 13 Sekunden das erste Mal geschlagen geben. Die Schweiz kommt durchaus auch zu guten Chancen. In Sachen Effizienz können sich die Schweizer von den Russen aber noch eine Scheibe abschneiden. Da kann auch der Jubilar Mathias Seger nichts ausrichten. In seinem 100. WM-Spiel bei seiner 16. WM-Teilnahme muss auch er sich geschlagen geben. In Minsk führt der scheidende Nationaltrainer Sean Simpson sein Team fürs erste Training aufs Eis. Auch Team-Captain Mathias Seger ist schon wieder ganz in seiner Roller und gibt seinen Mitspielern Anweisungen. Im WM-Startspiel der Schweizer am Freitag gegen Russland wird der Davoser Leonardo Genoni (rechts, knieend) im Tor stehen. Die Anreise der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft nach Minsk hatte es in sich. Weil die Kanadier, die mit dem gleichen Flug nach Weissrussland reisten, so viel Gepäck dabei hatten, mussten die Schweizer ihre Taschen zum Teil mit in die Kabine nehmen. Der Flug selbst verlief dann offensichtlich ruhig. Die Routiniers Mathias Seger und Andres Ambühl, NHL-Star Damien Brunner und Abräumer Robin Grossmann fanden Zeit und Musse für einen gepflegten Jass über den Gang hinweg.

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Andres Ambühl, sind Sie sich bewusst, dass Sie am Freitag ein Jubiläum feiern?
Was für ein Jubiläum?

Sie bestreiten gegen Finnland Ihr 200. Länderspiel. Haben Sie das nicht gewusst?
Ich wusste, dass ich in diesem Bereich bin und im Lauf dieser WM mein 200. Länderspiel bestreiten werde. Aber ich wusste nicht genau wann und dass es nun gegen Finnland so weit sein wird.

Sie haben sich für Ihr Jubiläum ein sehr wichtiges Spiel ausgesucht. Morgen geht es um viel …
Nach unserem verpatzten Start sind alle Spiele, die nun folgen, sehr wichtig.

Was sind Ihre Erinnerungen an Ihr erstes Länderspiel am 4. November 2003?
Ich glaube, es war vor dem Deutschland-Cup in Zürich gegen Kanada (1:2-Niederlage; die Red.), aber viel mehr weiss ich eigentlich auch nicht mehr.

Waren Sie aufgeregt?
Auf jeden Fall. Wenn man als junger Spieler erstmals ins Nationalteam – bei all diesen erfahrenen Cracks – einrückt, dann weiss man nicht genau, was einen erwartet. Aber zum Glück ist es gut herausgekommen.

Sind Sie inzwischen weniger aufgeregt, wenn Sie in ein Länderspiel steigen?
Nein, das Kribbeln ist auch heute noch immer da. Ich denke, das sollte auch so sein, andernfalls wäre etwas nicht mehr gut.

Mathias Seger hat gegen die USA sein 300. Länderspiel bestritten. Das wäre, dann in den nächsten fünf Jahren die nächste Marke, die Sie knacken könnten …
Dies wird dann definitiv schwieriger (lacht). In früheren Jahren war es bei der Nationalmannschaft schon ein wenig anders als heute – damals waren die Nati-Spieler noch an sämtlichen Zusammenzügen dabei, das ist inzwischen nicht mehr so. Diese 300 Länderspiele von Seger sind eine gute Marke und diese wird er auch noch für lange Zeit als einziger Schweizer haben.

In den Playoffs fielen Sie noch mit einer Hirnerschütterung aus. War eine WM-Absage, so wie bei vielen anderen Spielern, für Sie nie eine Option?
Nein, eigentlich nicht. Ich war danach wieder gesund und spiele nun lieber hier an der WM, als schon im Sommertraining zu stecken. Ich habe als Bub mal mit Eishockey begonnen, weil ich Freude am Eishockey habe und nicht wegen des Kraftraums und solchen Sachen.

Was macht es daneben für Sie so speziell, über all die Jahre stets ein Teil der Nati zu sein?
Es ist immer speziell, gegen andere Nationen und die besten Spieler zu spielen. Man will sich mit ihnen messen und da ist eine WM die ideale Plattform. Für mich ist es eine Ehre, wenn ich für die Schweiz spielen kann. Aber letztendlich muss dies jeder für sich selbst entscheiden. Ich weiss auch nicht, wie viel Sinn es machen würde, wenn einer einrückt, obwohl er keine Lust dazu hat.

Sie hatten etwas Mühe in den ersten drei WM-Spielen, doch beim 3:2 gegen Deutschland warteten Sie mit einer grossen Leistungssteigerung auf. Was geschah vor diesem Match bei Ihnen?
Sie haben geschrieben, ich hätte schon die ganze Saison Mühe – bloss weil ich keine Tore geschossen habe. Das möchte ich schon ein wenig relativieren. Die Resultate waren sicher nicht immer so, wie sie sein sollten, aber ich bin der Meinung, dass ich punkto Einsatz in jedem Spiel ähnlich gespielt habe. Aber ich gebe Ihnen schon recht, dass es Spiele gab, in denen es besser lief und solche, in denen ich weniger gut auf Touren kam. Der Match gegen Deutschland gehört sicher zu jenen Spielen, die zu den besseren gehören, weil meine Beine auch besser unterwegs waren. Und ich hoffe nun, dass es weiterhin aufwärtsgeht.

Trotzdem: Haben Sie den freien Tag vor dem Deutschland-Match gebraucht? Sie brachten plötzlich enorm viel Energie ins Spiel.
Man darf auch nicht ausser Acht lassen, dass ich in den Spielen zuvor als Center spielte und dann ist der erste Gedanke jeweils gegen hinten abzusichern, bevor ich nach vorne gehe, um die Verteidiger unter Druck zu setzen. Gegen Deutschland wurde ich dann die meiste Zeit als Flügel eingesetzt, dann sieht das alles ein wenig anders aus.

Wie war es innerhalb der Mannschaft nach dem Sieg gegen Deutschland? Spürte man da, dass bei jedem Spieler ein Kilo Ballast abgefallen ist?
Es hat auf jeden Fall jedem gut getan. Vor allem nachdem wir zuvor bereits gegen die USA hätten Punkten sollen – und weil wir gegen Weissrussland in der Schlussphase alles aus der Hand gegeben haben. Man war immer nahe dran, aber es reichte trotzdem nicht. Gegen Deutschland spürte man, dass wir nun keine andere Wahl mehr hatten, als zu gewinnen, sonst wäre alles immer noch schlimmer geworden. Entsprechend war die Erleichterung nach dem Match sehr gross, obwohl sich an der heiklen Situation nicht viel geändert hat. Aber der Sieg gibt uns auf jeden Fall Auftrieb.

Gegen den bevorstehenden Gegner Finnland habt ihr seit 1988 an den Olympischen Spielen in Calgary nie mehr an einem grossen Turnier gewinnen können. Liegen die Finnen euch nicht?
Jene Spiele, an die ich mich erinnern kann, waren jeweils über weite Strecken ausgeglichen – und am Ende haben wir dann jeweils doch noch verloren. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass die Finnen so etwas wie ein Angstgegner sind. Und je länger eine solche Negativ-Serie andauert, desto grösser ist die Chance, dass man sie beendet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • HCD am 15.05.2014 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andres Ambühl

    Gratulation an Ambühl! 200 Länderspiele, wahrlich nicht selbstverständlich.

    einklappen einklappen
  • z fan am 15.05.2014 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Büeli

    Solche Spieler wünscht sich jeder Trainer jeder Fan,als damals Ambühl noch bei Davos spielte hatten wir schon gesagt den würden wir auf den Knien von Zürich nach Davos abholen gehen.Nach einem Abstecher in Übersee war es soweit..was für eine coole Zeit war das mit Büeli..jetzt ist er wieder zuhause in Davos und niemand kann im böse sein so viel hat er für uns getan..

  • Go Ambühl am 15.05.2014 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja Herzliche Gratulation!

    Ich bin stolz auf die Schweizer Natinalmanschaft und froh das wir solche Spieler wie Ambühl haben die immer alles geben fürs Team. Hoffen wir auf einen Sieg beim Jubiläum.

Die neusten Leser-Kommentare

  • z fan am 15.05.2014 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Büeli

    Solche Spieler wünscht sich jeder Trainer jeder Fan,als damals Ambühl noch bei Davos spielte hatten wir schon gesagt den würden wir auf den Knien von Zürich nach Davos abholen gehen.Nach einem Abstecher in Übersee war es soweit..was für eine coole Zeit war das mit Büeli..jetzt ist er wieder zuhause in Davos und niemand kann im böse sein so viel hat er für uns getan..

  • Go Ambühl am 15.05.2014 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja Herzliche Gratulation!

    Ich bin stolz auf die Schweizer Natinalmanschaft und froh das wir solche Spieler wie Ambühl haben die immer alles geben fürs Team. Hoffen wir auf einen Sieg beim Jubiläum.

  • Daneli v.T am 15.05.2014 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merci Andres

    Super Spieler! Super Einstellung! Es freut mich zu lesen, dass es noch andere Männer af dem Eis hat, als Streit, Plüss und Co. Wünsche Herrn Ambühl noch viele, gesunde Jahre auf dem Eis.

  • H. Ockeyfan am 15.05.2014 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere!

    Ambühl ist zweifelsohne einer der besten Offensivspieler die wir haben. Denke es ist normal das es Leistungsschwankungen gibt, ist halt auch nur ein Mensch. Auf jeden Fall ein sehr sympathischer Typ der trotz all seiner Erfolge bescheiden geblieben ist. Gratuliere!!

  • HCD am 15.05.2014 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andres Ambühl

    Gratulation an Ambühl! 200 Länderspiele, wahrlich nicht selbstverständlich.

    • Gigi vo Arosa am 15.05.2014 17:56 Report Diesen Beitrag melden

      Inflationäre Länderspiele

      Allerdings gibt es auch heutzutage Länderspiele zuhauf! Das war damals in den 50ern und 70ern noch anders!

    • Roman josi am 15.05.2014 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ScBern

      Hut ab so sollte jeder denken der für die hockey nati spielt . aber schon sinnlos nach sotchi eine wn alle 2 jahren würde dem turnier gut tun.

    • Platter Roli am 15.05.2014 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bravo

      Andres ist ein absolutes vorbild in sachen einsatz und leistungsbereitschaft fürs team. Weiter so!

    • tri am 15.05.2014 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      #1

      Super Interview, bester Spieler überhaupt!

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