Nati-Bilanz

20. Mai 2014 22:35; Akt: 21.05.2014 07:27 Print

Akte Simpson ist zu – das Warten auf Hanlon

von Marcel Allemann, Minsk - Die WM in Minsk ist für die Schweizer genauso Geschichte wie die Amtszeit von Sean Simpson. Letzteres ging an den Spielern nicht spurlos vorbei. «Es tut weh», erklärte Denis Hollenstein.

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Die Schweizer Nati schliesst die WM in Minsk mit einem 3:2-Sieg gegen Lettland ab. Vorallem im ersten Drittel sind die Schweizer kaum zu stoppen und dominieren die Letten. Lettland kämpft bis zur letzten Sekunde um einen Platz im Viertelfinal - vergebens. Die Schweizer absolvieren eines der letzten Trainings unter Sean Simpson. Das Spiel gegen Lettland, wird das Abschiedsspiel dse Trainers. Für Kevin Romy ist die WM vorbei. Der Servette-Stürmer erlitt bei der unsportlichen Attacke von Kasachstans Nikolai Antropow eine Hirnerschütterung. Die Schweiz hat auch nur noch minime Chancen, sich für die Viertelfinals zu qualifizieren. Die Schweizer Nationalmannschaft sichert sich einen klaren 6:2-Sieg gegen Kasachstan. Die Eisgenossen sind von Beginn weg eine Klasse besser als der Aufsteiger. Vier von sechs Toren fallen in Überzahl. Der kasachische Torhüter Yeremeyev (vorne) zeigt kein gutes Spiel und wird nach zwei Toren ausgewechselt. Die Schweizer Hockeyaner kämpfen mit vereinten Kräften gegen das finnische Team. Die Scheibe findet aber trotz grossem Einsatz in den ersten beiden Dritteln den Weg ins Tor nicht. Dafür landet Damien Brunner in den Maschen. Aber die Schweizer schaffen im dritten Drittel ein Doppelpack und kämpfen sich so in die Verlängerung. Am Ende jubeln dann doch die Finnen. Sie gewinnen nach Penaltyschiessen 3:2. Beim Schweizer Training am Tag nach dem Deutschland-Spiel fehlt Damien Brunner. Gemäss Trainer Sean Simpson kann der Stürmer am Freitag gegen Finnland jedoch spielen. Na endlich: Die Schweizer gewinnen gegen Deutschland ihr erstes Spiel. Mit einem 3:2-Sieg sichern sie sich drei Punkte. Die Eidgenossen gehen nach 13 Minuten dank einem Tor von Brunner (im Bild Moser und Romy) in Führung. Doch der nördliche Nachbar schlägt weniger als zwei Minuten später durch Oppenheimer zurück. Im zweiten Abschnitt ist es dann Hollenstein, der für die Schweiz zum 2:1 trifft (33.). Und es kommt noch besser: Romy stellt sogar einen Zweitore-Vorsprung her. Doch noch vor der zweiten Pausensirene kommt Deutschland wieder heran. Erneut trifft Oppenheimer. Im dritten Drittel lässt der Erzrivale nicht locker und erarbeitet sich gute Chancen. Aber entweder scheitern sie an sich selbst, an der Torumrandung oder an Berra. Es fallen keine weiteren Tore mehr. Die Schweizer verlieren gegen den Gastgeber aus Weissrussland 3:4. Der entscheidende Treffer fällt erst wenige Minuten vor dem Ende der Partie. Zuvor führten die Eisgenossen gegen Weissrussland 3:2. Die Partie ist geprägt von Fehlern und Unkonzentriertheiten auf beiden Seiten. Fällt auf: Auch in dieser Partie geht «Gitterlibueb» Fiala dahin, wo es wehtut. Das erste Schweizer WM-Tor in Minsk erzielt Denis Hollenstein gegen die USA. Es ist der 1:0-Führungstreffer. Den zweiten Treffer für die Schweizer landet NHL-Spieler Damien Brunner nach sehenswerter Vorarbeit von Kevin Romy. Dazwischen hatte ausgerechnet Peter Mueller von den Kloten Flyers, von der Strafbank kommend, den Ausgleich zum 1:1 erzielt. Im Schlussdrittel haben die Schweizer dann grosses Pech. Zwei Treffer werden zu Unrecht wegen Offside aberkannt. Den zweiten davon - es wäre das 3:3 gewesen - hatte Simon Moser erzielt. Auch Emotionen sind im Spiel: Die Schweizer liefern sich einige handfeste Auseinandersetzungen mit den Amerikanern. Die Schweiz taucht beim WM-Auftakt in Minsk gegen die «Sbornaja». Die Eisgenossen unterliegen Russland diskussionslos 0:5. Der russische Superstar Alexander Owetschkin orchestriert seine «Sbornaja» zu einem ungefährdeten Sieg. Leonardo Genoni muss sich bereits nach 13 Sekunden das erste Mal geschlagen geben. Die Schweiz kommt durchaus auch zu guten Chancen. In Sachen Effizienz können sich die Schweizer von den Russen aber noch eine Scheibe abschneiden. Da kann auch der Jubilar Mathias Seger nichts ausrichten. In seinem 100. WM-Spiel bei seiner 16. WM-Teilnahme muss auch er sich geschlagen geben. In Minsk führt der scheidende Nationaltrainer Sean Simpson sein Team fürs erste Training aufs Eis. Auch Team-Captain Mathias Seger ist schon wieder ganz in seiner Roller und gibt seinen Mitspielern Anweisungen. Im WM-Startspiel der Schweizer am Freitag gegen Russland wird der Davoser Leonardo Genoni (rechts, knieend) im Tor stehen. Die Anreise der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft nach Minsk hatte es in sich. Weil die Kanadier, die mit dem gleichen Flug nach Weissrussland reisten, so viel Gepäck dabei hatten, mussten die Schweizer ihre Taschen zum Teil mit in die Kabine nehmen. Der Flug selbst verlief dann offensichtlich ruhig. Die Routiniers Mathias Seger und Andres Ambühl, NHL-Star Damien Brunner und Abräumer Robin Grossmann fanden Zeit und Musse für einen gepflegten Jass über den Gang hinweg.

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Die Schweizer zeigten zum WM-Abschluss nochmals Charakter und lieferten beim 3:2-Sieg gegen Lettland, ihrem Olympia-Albtraum von Sotschi, einen feinen Match. Damit bekam der abtretende Trainer Sean Simpson von seinen Spielern ein würdiges Abschiedsgeschenk. «Wir wollten diesen Sieg unbedingt für Sean. Er hat während vier Jahren einen unglaublich guten Job gemacht und das Schweizer Eishockey weiter entwickelt», erklärte Stürmer Denis Hollenstein und gestand: «Dass seine Ära nun hier zu Ende geht, tut auch weh. Aber es ist wie es ist.» Ähnlich äusserte sich auch Sturmkollege Damien Brunner: «Wir wollten das letzte Spiel für Sean unbedingt erfolgreich gestalten.»

Weber: «Vielleicht bekomme ich jetzt in Finnland ein Haus»

Das Happy End für Simpson war jedoch längst nicht der einzige positive Aspekt des finalen Schweizer Sieges. Zudem sammelten die Spieler hinsichtlich Olympia 2018 wichtige Weltranglistenpunkte, indem sie sich durch diesen Erfolg noch auf den 10. Schlussrang verbesserten. Wenn Reto Suri und Thomas Rüfenacht in der zweitletzten Minute in einer seltsamen Gemeinschaftsproduktion nicht noch das leere Tor verfehlt hätten, wäre es aufgrund der Tordifferenz sogar noch der 9. Platz geworden. Aber fast noch wichtiger war: Die Schweizer verfälschten mit ihrem abschliessenden Auftritt die WM nicht. Finnland, das auf die Schweiz angewiesen war, zieht nun doch noch in die Viertelfinals ein – auf Kosten von Lettland. Und das, obwohl Servettes Lette Kaspars Daugavins seinen dortigen diesjährigen Teamkollegen Hollenstein im Hotel Stunden vor dem Match noch gebeten hatte, doch bitte dieses, für die Schweiz nicht mehr so wichtige, Spiel zu verlieren. «Doch ich habe ihm erklärt, dass dies nicht geht», so Hollenstein. Derweil scherzte Yannick Weber, dem mit dem dritten Schweizer Tor das Game-Winning-Tor gelang, mit finnischen Journalisten: «Vielleicht bekomme ich jetzt in Finnland ein Haus.» Die Stimmung war nach dem versöhnlichen Ende gut.

Apopos Finnland: Die Schweiz hat trotz der über 20 Absagen, den Clown-Linesmen im USA-Match (2:3) und dem Totaleinbruch am Ende gegen Weissrussland (3:4) die Viertelfinals trotzdem noch schaffen können. In der Endabrechnung fehlten der Nati lediglich ein paar Zentimeter. Hätte Kevin Fiala nämlich seinen Penalty im Shutout gegen die Finnen (2:3) verwandelt, statt an den Pfosten geknallt, wären nun nämlich die Finnen und nicht die Schweizer auf dem Heimweg. «Es ist krass, aber so ist eben unser Sport», erklärte Hollenstein und Brunner meinte: «Zwei Mal war es Pech – im Penaltyschiessen gegen die Finnen und mit den Fehlentscheiden der Schiris gegen die USA. Und einmal waren wir selber schuld, als wir den 3:2-Vorsprung gegen die Weissrussen aus der Hand gaben.» Alle drei Sachen hätte es eben nicht leiden mögen, mit zweien hätte es gereicht.

Nachfolger Hanlon hat an Glanz gewonnen

Deshalb bleibt das WM-Fazit, dass die Schweizer selbst mit dieser nicht über alle Zweifel erhabenen Mannschaft alles andere als ein schlechtes Turnier gespielt hat, aber eben trotzdem mehr möglich gewesen wäre. Ein Jahr nachdem beim WM-Silberwunder von Stockholm einfach alles geklappt hat, sollte oder wollte es dieses Mal in Minsk einfach nicht sein. «Nun greifen wir eben im nächsten Jahr wieder an», versprach Hollenstein bereits.

Die Akte Simpson wurde am Dienstagabend offiziell geschlossen. Nun beginnt ein neues Kapitel mit Glen Hanlon, der wohl nächste Woche als Simpsons Nachfolger vorgestellt wird. Die Begeisterung über diesen Führungswechsel hält sich allgemein in Grenzen. Aber Hanlon hat auf jeden Fall eine Chance verdient. Und im Lauf der letzten Tage hat seine Verpflichtung sogar an Glanz gewonnen. Der Kanadier steht mit Weissrussland in den Viertelfinals - im Gegensatz zu Simpson mit der Schweiz.

Seger: «Muss WM zuerst mal verarbeiten»

Noch unklar ist, ob bei Hanlon auch Nati-Captain Mathias Seger noch dabei sein wird. Allgemein wird nach 16 WM-Turnieren und 305 Länderspielen sein Rücktritt auf internationalem Parkett erwartet, doch der Verteidiger erklärte lediglich: «Ich muss diese WM zuerst einmal verarbeiten, dann schauen wir weiter.» Es hätte irgendwie auch nicht zu Seger gepasst, wenn er am Tag, an dem Sean Simpson im Zentrum stand, mit Rücktritts-Ankündigungen einen zweiten Hauptschauplatz abgegeben hätte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hockeyamer am 21.05.2014 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Das Sean, du hast einen super Job gemacht !

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  • Iisfäger am 21.05.2014 05:11 Report Diesen Beitrag melden

    Achterbahn

    Das "Scheitern" unseres Teams ist schwer zu verkraften. Aber es ging anderen Nationen auch schon so. Z.,B. den Russen in Sotschi. Und nun sind sie wie ein umgekehter Handschuh. Sie werden wohl kaum zu bremsen sein. Mal schauen, was nächstes Jahr in Prag für uns drinliegt..

  • Puck am 21.05.2014 00:32 Report Diesen Beitrag melden

    Grosser Bahnhof fehlt noch

    Bitte ein offizielles Abschiedspiel mit grossem Pi-Pa-Po für Sean Simpson austragen. So viel Herzblut, Kraft und gute Wellen, verdienen weitaus mehr als nur ein Händedruck und Sali-machs-guet! Danke für unseren Schweizer "SEAN". Und das muss die ganze Schweiz mitbekommen,

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hockeyamer am 21.05.2014 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Das Sean, du hast einen super Job gemacht !

    • Päde am 21.05.2014 07:17 Report Diesen Beitrag melden

      Wir werden dich nicht vergessen

      Ich kann mich nur anschliessen! Schade!

    • del rio am 21.05.2014 12:38 Report Diesen Beitrag melden

      nur die nati und simpson

      leider hat sich nur die nati weiterentwickelt nicht aber der eishockeyverband!

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  • Iisfäger am 21.05.2014 05:11 Report Diesen Beitrag melden

    Achterbahn

    Das "Scheitern" unseres Teams ist schwer zu verkraften. Aber es ging anderen Nationen auch schon so. Z.,B. den Russen in Sotschi. Und nun sind sie wie ein umgekehter Handschuh. Sie werden wohl kaum zu bremsen sein. Mal schauen, was nächstes Jahr in Prag für uns drinliegt..

  • Hopp Schwiiz am 21.05.2014 04:04 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Sean, we gonne miss ya

    Danke Jungs und danke Sean! Es hat nicht sollen sein, doch eure Leistung war nicht so schlecht wie das Resultat. Dies sind meine MVP (in dieser Reihenfolge): JOSI (!!!) einfach eine Klasse für sich, BERRA (!), Ambühl, Blum, Weber, Brunner, Romy, Hollenstein, Suri ...und Seger! Wenn Seger auch nächste Saison immer noch so fit ist wie heute, gäbe es für mich keinen Grund, den Captain nicht mehr aufzubieten! (das sage ich als Bielfan).

    • Päde am 21.05.2014 07:20 Report Diesen Beitrag melden

      Daran muss gearbeitet werden

      Aber dennoch: Was mir aufgefallen ist, die Jungs brauchen einfach zu viele Chance um Tore zu schiessen und im Vergleich zum letzten Jahr fehlte die Präzision und teilweise die Konzentration - vor allem zu Beginn der WM. Was hätte das geben können, wenn alles gestimmt hätte.

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  • L.H. am 21.05.2014 02:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Hätte ihn gerne länger als Trainer der Nati gesehen. Sein Spielstil gefällt mir sehr. Hoffentlich werden die Spieler unter dem neuen Trainer nicht in die Defensive gedrängt. Sean Simpson hat beim CH-Eishockey viel bewegt und den Jungen eine Chance gegeben.

  • Puck am 21.05.2014 00:32 Report Diesen Beitrag melden

    Grosser Bahnhof fehlt noch

    Bitte ein offizielles Abschiedspiel mit grossem Pi-Pa-Po für Sean Simpson austragen. So viel Herzblut, Kraft und gute Wellen, verdienen weitaus mehr als nur ein Händedruck und Sali-machs-guet! Danke für unseren Schweizer "SEAN". Und das muss die ganze Schweiz mitbekommen,