Glen Hanlon

27. Mai 2014 18:29; Akt: 27.05.2014 19:26 Print

«Das ist der grossartigste Job in Europa»

von Kai Müller - Glen Hanlon präsentiert sich beim ersten Auftritt als Schweizer Nationaltrainer jovial und gesprächig. Und erklärt, warum er trotz Vertrags in Weissrussland zum Überläufer wurde.

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Swiss Ice Hockey spart bei der Vorstellung des neuen Nationaltrainers nicht mit Symbolik. Die Pressekonferenz findet auf der MS Albis statt, die um 11.30 Uhr vom Steg am Zürcher Bürkliplatz ablegt. Nach dem Motto: «Willkommen an Bord.» Der neue Captain des Eishockey-Flaggschiffs, Nationaltrainer Glen Hanlon, gibt sich während der zweistündigen Fahrt über den Zürichsee sympathisch, gelöst, jovial. Ganz seinem Ruf entsprechend: als ausgewiesener Kommunikator.

Was dürfen wir von Coach Glen Hanlon erwarten?
Ich bin emotional, organisiert, und ich glaube, die Spieler werden es mögen, dass ich ihnen immer den Rücken stärke. Ich bin smart genug, um zu verstehen, was diesem Team Erfolg bringt – schnelles, attraktives Eishockey. Ich habe mit vielen Scouts und anderen Leuten über die NLA gesprochen: Für sie ist es die unterhaltsamste, schnellste Liga. Dem müssen wir Rechnung tragen.

Die Defensive werden Sie aber kaum vernachlässigen.
Zu einem grossen Teil eines Spiels hat man den Puck nicht. Wenn du nicht gut organisiert bist ohne Scheibenbesitz und alle Energie darauf verschwendest, dem Puck nachzujagen, bleibt nicht viel Kraft übrig für schnelles Offensivhockey. Klar, wir wollen viele Tore schiessen und Spass haben, aber am Schluss muss man immer auch verteidigen.

Werden Sie mit Ihrem Vorgänger Sean Simpson über taktische Dinge sprechen?
Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen, da ich erst am Sonntag hier ankam und derzeit kein Telefon habe – das kann ich übrigens empfehlen, es ist wunderbar (lacht). Ich weiss nicht einmal, ob er gerade hier oder in Jaroslawl ist.

Aber Sie werden noch mit ihm reden?
Natürlich. Allerdings nicht über einzelne Spieler. Das ist Teil meiner Philosophie: Jeder soll bei null anfangen können.

Wann werden Sie die Spieler erstmals treffen?
Das hängt auch ein bisschen von ihren Zeitplänen ab. Ich glaube aber, dass wir uns Ende Juli an einem gemeinsamen Golfturnier treffen. Mein Plan reichte eigentlich nur bis kurz nach WM-Ende. Ich werde von der Schweiz nach Kanada zurückkehren und dann hoffentlich ein paar Tage frei haben. Ich werde versuchen, einige Spieler vor meinem Heimflug am Mittwoch zu erreichen. Andere werde ich aus Nordamerika kontaktieren.

Wie ist Ihre Beziehung zu Assistenz- und U20-Trainer John Fust?
Das ist eine lustige Geschichte. Wir haben einen gemeinsamen Freund, einen Sportpsychologen. Er erzählte mir vor einigen Jahren einmal von John und sagte, er sähe es gerne, wenn wir eine Mannschaft zusammen coachen würden. Es scheint, als hätte das nun sein sollen. John ist aber nicht mein Assistenzcoach, sondern mein Partner.

Wann haben Sie sich zum ersten Mal getroffen?
Am Montagabend. Er kam aus Kanada, ich aus Minsk.

Waren Sie in die Wahl Ihres Assistenten involviert?
Nicht direkt, nein. Ich sagte nicht: Könntet ihr bitte John unter Vertag nehmen. Wir haben denselben Agenten, und der fand, es wäre eine interessante Möglichkeit.

Dass Sie der Nachfolger von Sean Simpson werden, geriet im Lauf der WM in Minsk an die Öffentlichkeit. War das eine schwierige Situation für Sie als Trainer des Gastgeberlandes?
Ich glaube, für Marc (Furrer, Verbandspräsident; d. Red.) war die Situation schwieriger. Für mich und meine Mannschaft war das Turnier «business as usual».

Dennoch sagten Sie in Minsk, als Sie davon erfuhren, Sie seien geschockt.

Es war einfach interessant, wann diese Information an die Öffentlichkeit gelangte – zwei Tage vor dem kapitalen Match gegen die Schweiz. Ich versuchte, positiv damit umzugehen. Es gab mir eine Möglichkeit, mit den Spielern über dieses Thema zu sprechen.

Hatten die Spieler noch nicht gewusst, dass Sie aufhören?
Nein. Hätte ich das im Vorfeld der WM verkündet, wäre das nicht hilfreich gewesen für das Team. Nach der Partie gegen Kasachstan, also am Tag vor dem Schweiz-Match, sagte ich meinen Führungsspielern, wie es aussieht, dass ich aus familiären Gründen nicht zurückkommen werde. Ich sagte ihnen auch, dass ich mit den Schweizern gesprochen hätte, aber noch nichts unterschrieben sei.

Wie ging der Wechsel von Weissrussland zur Schweiz vonstatten? Sie hatten ja noch einen Vertrag bis 2015, ohne Ausstiegsklausel.
Ich sprach Anfang April mit dem weissrussischen Verband und teilte ihm mit, dass ich nach der WM nicht zurückkehren werde. Wir mussten dann schauen, wie wir das lösen mit dem laufenden Vertrag. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen Kontakt zu möglichen neuen Arbeitgebern. Als die Schweiz Mitte April für zwei Testspiele nach Grodno kam, wurde ich erstmals angefragt, ob ich Interesse hätte. Ich fühlte mich sehr geehrt, weil der Job als Schweizer Nationaltrainer der grossartigste in Europa ist. Meine Verpflichtungen in Weissrussland endeten diesen Samstag, am Sonntag reiste ich in die Schweiz. Den Vertrag unterschrieb ich erst am Dienstagmorgen, obwohl wir uns schon länger einig waren.

Warum wollten Sie Weissrussland verlassen?
Ich lebte in Minsk ohne meine Familie. Für meinen Sohn kam es nicht infrage, in Weissrussland zur Schule zu gehen. Und meine Frau hatte ein Engagement als Lehrerin in den USA. Wenn dein Kind mit etwas unzufrieden ist und jede zweite Nacht anrufen muss, weil der Vater wieder für zwei Monate am Stück weg ist, ist es eine einfache Entscheidung, wenn sich eine solche Möglichkeit wie in der Schweiz bietet. Ich bin ein sehr familienorientierter Mensch und sage immer: Du kannst nur so glücklich sein wie dein unglücklichstes Kind.

Dann wird die Familie in der Schweiz wieder zusammen sein?
Genau. Mein Sohn kommt bald nach und wird hier eine internationale Schule besuchen. Meine Frau muss noch ihr Master-Studium abschliessen, wird dann im Herbst aber nachfliegen.

Ihr Sohn spielt auch Eishockey. Ist er Goalie, wie Sie einst?
(lacht) Auf keinen Fall. Meine Frau wollte einmal, dass er ins Tor steht. Er kassierte sieben Treffer. Danach wollte er nicht mehr. Ich glaube, er ist zu smart, um Goalie zu sein.

Sie sagten, der Posten als Schweizer Nationalcoach sei der grossartigste in Europa. Warum?
Ich meine das aus Sicht der Nationalmannschafs-Konzepte. In der Schweiz funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Nachwuchsauswahlen und der A-Nationalmannschaft vorbildlich. Wir haben direkten Einfluss, um hier ein Vermächtnis zu hinterlassen. Dazu kommt, dass ich sämtliche Stadien innerhalb von drei Stunden abdecken kann. Und noch einmal: Es ist wunderbar, die ganze Familie bei sich haben zu können an einem Ort, der so vieles bietet.

Was wissen Sie über die Schweiz?
Ich will mir nicht anmassen, zu urteilen, was in Schweizer Häusern vor sich geht, ob die Leute wirklich zufrieden sind mit ihrem Leben. Ich kann aber sagen, was ich als Aussenstehender sehe und von meinen Aufenthalten während WM-Turnieren, Spengler-Cups, Testspielen und Reisen durch die Schweiz weiss: Es ist ein wunderbares Land. Alle scheinen zufrieden hier, und wenn man mit Leuten redet, preisen sie die gute Lebensqualität an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • !!! MIr sind Züri !!! am 27.05.2014 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Welcome Glen

    All the best....

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  • Luki am 27.05.2014 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst ihn anfangen!

    Ich habe vorhin in einem anderen 20 Minuten Bericht die Kommentare gelesen. Zum Teil musste ich da schon negatives lesen. Der Mann trainierte 3 Jahre die Caps, also wird er schon etwas von seinem Handwerk verstehen. An alle die schon jetzt nörgeln: Lasst ihn sich einarbeiten und gebt ihm Zeit. Ich jedenfalls bin positiv gestimmt und wünsche Glen viel Glück und gutes Gelingen!

  • simon am 27.05.2014 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genau der richtige mann

    supper einstellung. ..... das passt zu uns!! auch wenn ich immer noch anderer meinung bin als wie das mit simpson zu ende geführt wurde.... ich denke glen hanlon ist der richtige mann für unser team. emotional, ehrlich, sich der aufgabe bewusst und gibt jedem eine chance. ausserdem gut vernetzt und familiär. genau die atributte die ich füt einen nationaltrainer wichtig finde. wünsche dir und deiner familie einen supper start hier. .... und uns weiterhin gutes eishockey. bin ech begeistert wie sich die schweiz entwickelt hat die letzten jahre. trotzdem gibts beim verband par sesselkleber die sich lieber mal zurückziehen würden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • peter freitag am 28.05.2014 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Wow ein kraftpaket dazu, hätte damit nicht gerechnet. Willkommen bei uns, hoffe du bringst uns paar Medallien nach Hause

  • ruth am 27.05.2014 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mal anfangen

    soll zeigen und beweisen ob er die paar 'Fränkli' wert ist. war sicher ein Schnäppli.....

  • Luki am 27.05.2014 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst ihn anfangen!

    Ich habe vorhin in einem anderen 20 Minuten Bericht die Kommentare gelesen. Zum Teil musste ich da schon negatives lesen. Der Mann trainierte 3 Jahre die Caps, also wird er schon etwas von seinem Handwerk verstehen. An alle die schon jetzt nörgeln: Lasst ihn sich einarbeiten und gebt ihm Zeit. Ich jedenfalls bin positiv gestimmt und wünsche Glen viel Glück und gutes Gelingen!

  • simon am 27.05.2014 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    genau der richtige mann

    supper einstellung. ..... das passt zu uns!! auch wenn ich immer noch anderer meinung bin als wie das mit simpson zu ende geführt wurde.... ich denke glen hanlon ist der richtige mann für unser team. emotional, ehrlich, sich der aufgabe bewusst und gibt jedem eine chance. ausserdem gut vernetzt und familiär. genau die atributte die ich füt einen nationaltrainer wichtig finde. wünsche dir und deiner familie einen supper start hier. .... und uns weiterhin gutes eishockey. bin ech begeistert wie sich die schweiz entwickelt hat die letzten jahre. trotzdem gibts beim verband par sesselkleber die sich lieber mal zurückziehen würden.

  • !!! MIr sind Züri !!! am 27.05.2014 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Welcome Glen

    All the best....

    • Pascal am 27.05.2014 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Welcome

      Thumbs up Schliesse mich an!

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