Christian Wohlwend

18. Mai 2019 17:01; Akt: 18.05.2019 17:01 Print

Der wilde Nati-Assistent und neue HCD-Trainer

von Marcel Allemann, Bratislava - Bisher war er die rechte Hand von Patrick Fischer und der U20-Nati-Trainer. Doch als zukünftiger HCD-Coach ist Christian Wohlwend zu einer Hauptfigur geworden.

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Man schrieb das Jahr 1996, als zwei talentierte Junioren des EHC St. Moritz aus dem Engadin auszogen, um die Hockey-Schweiz zu erobern. Der eine war der damals 17-Jährige Sandro Rizzi, der andere der 19-jährige Christian Wohlwend. «Mein Ziel war es einfach nur, Hockeyprofi zu werden», erinnert sich Wohlwend zurück.

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Während Rizzi eine grosse Spielerkarriere hinlegte und mit dem HC Davos fünf Mal Schweizer Meister wurde, waren die Fussspuren, die Wohlwend hinterlassen konnte, bedeutend kleiner. Die erste Saison nach seinem Wechsel spielte er in der NLA bei Rapperswil-Jona, danach wurde vor allem die NLB und in erster Linie der HC Thurgau seine Heimat.

Es begann alles beim EHC Wallisellen

Wohlwends Problem war sein fragiler Körper. Immer wieder wurde er von schweren Verletzungen gestoppt. «Ich hatte insgesamt 13 Knochenbrüche und eine Diskushernie. Aber das Gute daran war, dass ich mich dadurch schon sehr früh damit befasste, was aus mir werden soll. Ich habe mit Ausbildungen meinen Horizont erweitert», erzählt Wohlwend. Vielleicht wäre er ohne sein Verletzungspech auch gar nie Trainer geworden.

Wohlwend stieg zunächst ins gewöhnliche Berufsleben ein, arbeitete unter anderem mit Bob-Olympiasieger Erich Schärer für einen Golf-Brand von Adidas. Vor 12 Jahren liess sich «Wolwo», wie Wohlwend von allen genannt wird, dann überreden, Trainer beim Zweitligisten EHC Wallisellen zu werden. Seine damalige Zusage hat er bis heute nicht bereut, sie brachte den Stein ins Rollen.

«Ich habe an Wallisellen sehr schöne Erinnerungen. Auf dieser Stufe trifft man oft auf Spieler, die ebenfalls sehr talentiert sind und genauso viel Herzblut für das Eishockey wie ein Nationalspieler haben, aber sich für ein Studium oder den Beruf entschieden haben. Und diese hinterfragen alles viel öfter als Profis, die einfach ausführen, was der Trainer verlangt, weil es ihr Job ist. Ich konnte in dieser Zeit viel lernen», sagt Wohlwend rückblickend.

Der gemeinsame Ausstand mit Raffainer

Nach zwei Jahren in Wallisellen nahm Wohlwends Trainerkarriere allmählich Fahrt auf. Weiter ging es beim Erstligisten EHC Bülach, dann wechselte er zum HC Lugano, wo er die Elite-Junioren übernahm, Assistenztrainer der ersten Mannschaft war und diese interimistisch auch als Headcoach leitete, nachdem ein gewisser Patrick Fischer entlassen wurde und bevor Doug Shedden übernahm.

2016 wurde Wohlwend Cheftrainer der U20-Nationalmannschaft und bei der A-Nati wiederum Assistent von Fischer. Parallel dazu stieg auch die Erfolgsausbeute. Der 42-jährige Bündner war mit der Nati vor einem Jahr beim Silberwunder in Kopenhagen ein wichtiges Element im Coachingstaff und führte die U20-Nati an der jüngsten WM in Kanada sensationell in den Halbfinal.

Sich in Davos zurücknehmen? «Auf keinen Fall!»

Plötzlich war der Trainer, den vor 12 Jahren beim EHC Wallisellen kaum jemand wahr nahm, in aller Munde. Und das bescherte ihm auf die nächste Saison einen Vertrag als Cheftrainer beim HC Davos. Sein grösster Fürsprecher war Nati-Chef Raeto Raffainer, der als neuer Sportchef ebenfalls zum HCD wechselt. An der WM in Bratislava geben sie gemeinsam ihren Ausstand.

Wohlwend ist ein wilder, emotionaler Coach. Die Bilder, wie er an der U20-WM Spieler zusammenstauchte und sie kurz später in den Arm nahm, waren rührend, wurden zum Gesprächsthema. Muss er sich da nun beim Rekordmeister, mit Erwachsenen, ein wenig zurücknehmen? «Auf keinen Fall. Ich muss so sein, wie ich bin. Wenn ich versuchen würde mich zu verstellen, dann merken dies die Spieler und es käme nicht gut», ist Wohlwend überzeugt.

Damit, dass seine Art durchaus kritisch beäugt wird, hat er längst Leben gelernt. «Schon damals in Bülach sagten sie mir, dass dies auf der nächsten Stufe so nicht mehr funktionieren wird. Doch es hat funktioniert, man muss immer authentisch bleiben.» Oft wird Wohlwend auch als ein Arno Del Curto 2.0 bezeichnet. Er selbst sagt dazu: «Wir sind beides Engadiner, extrovertiert und impulsiv. Aber damit hat es sich dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Arno ist Arno und ich bin ich.»

Er weiss, wie man Schweden schlägt

Es ist klar, dass sich Wohlwend in den letzten Wochen viele Gedanken über den HC Davos gemacht hat, aber mit seinem ganzen Herz ist er aktuell noch bei der Nati. «Ich lebe im Moment und geniesse diesen hier», hält er fest. Der nächste grosse Moment ist am Samstagabend die Partie gegen Schweden. Es ist die Revanche für die unglückliche Niederlage im Penaltyschiessen im letztjährigen WM-Final.

Mit der U20-Nati ist es Wohlwend im Januar gelungen, den Schweden-Komplex, von dem im letzten Sommer an der WM auch noch die Fussball-Nati erfasst wurde, zu beerdigen und die Skandinavier im Viertelfinal rauszuwerfen. Zur Ausgangslage mit der A-Nati sagt er: «Dieser angebliche Schweden-Komplex existiert in den Köpfen der Spieler nicht. Schweden ist ein Gegner wie jeder andere auch, den wir schlagen wollen und können, auch wenn wir wissen, dass dies sehr schwierig wird.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ehc büli am 18.05.2019 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bravo

    go Wolwo! mach es wie in Bülach und es "fägt"

  • Dan16 am 19.05.2019 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt das auch noch!

    Jetzt müssen wir disen Schnorri auch noch in der NLA erleben. OMG

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dan16 am 19.05.2019 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt das auch noch!

    Jetzt müssen wir disen Schnorri auch noch in der NLA erleben. OMG

  • ehc büli am 18.05.2019 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bravo

    go Wolwo! mach es wie in Bülach und es "fägt"