Nati-Analyse

23. Mai 2019 22:11; Akt: 23.05.2019 22:11 Print

Mit dieser Mannschaft wäre mehr drin gelegen

von Marcel Allemann, Kosice - Das WM-Abenteuer 2019 ist für die Schweizer Eishockey-Nati zu Ende. Die Leistung war gut. Doch da gibt es noch ein grosses Aber.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die ersten vier Spiele (gegen die Kleinen) gewonnen. Die letzten vier Spiele (gegen die Grossen) verloren. Das Soll hat die Eishockey-Nationalmannschaft grundsätzlich erfüllt. Sie hat jene Teams, die in der Weltrangliste hinter ihr liegen, geschlagen. Und deshalb ist es grundsätzlich auch Fehl am Platz, nun Kritik zu üben. Und nach einem solch dramatischen Viertelfinal-Spiel mit einem derart bitteren Ausgang erst recht.

Aber es bleibt trotzdem ein schaler Nachgeschmack. Nach der Pflicht (zwölf Punkte zum Start) hat man sich für die Kür natürlich schon mehr erhofft. Es muss ja nicht gerade in jedem Jahr eine Medaille sein, das zu erwarten, wäre vermessen. Die Schweiz ist immer noch die Schweiz.

Umfrage
Wie beurteilen Sie das Abschneiden der Nati an der WM?

Kein Exploit bedeutet einen Rückschritt

Aber zumindest ein Exploit gegen einen Grossen wäre schon nett gewesen. Dieser blieb aber erstmals seit 2016 aus. Die Zeiten, in denen die Nati sich noch über ehrenvolle Niederlagen definiert hat, sind im Jahr 2019 eigentlich vorbei. Aber genau solche hat es in der Slowakei gegeben. Vier an der Zahl. Und deshalb ist dieses Turnier eben doch ein Rückschritt.

Der Hauch Enttäuschung schwebt auch über dieser WM-Expedition, wenn man bedenkt, wer aus der NHL alles mit von der Partie war. Unser Überverteidiger Roman Josi ausnahmsweise sogar von Beginn, ebenso erstmals Nummer-1-Draft Nico Hischier. Dazu kamen Spektakel-Flügel Kevin Fiala, der robuste Verteidiger Yannick Weber und im Lauf des Turniers der wirblige Sven Andrighetto sowie auch noch das offensive Herz Nino Niederreiter.

Viel besser geht es nicht. Wirklich vermisst hat man von der Schweizer NHL-Topgarde eigentlich nur den neuen Rekordskorer Timo Meier. Und trotzdem blieb der Sondereffort dieses Mal aus.

Der nächste grosse Wurf an der Heim-WM?

Deshalb endet diese WM mit dem unbefriedigenden Gefühl, dass mit dieser Mannschaft eigentlich mehr dringelegen wäre. 0,4 Sekunden bis zum Halbfinal-Glück hin oder her. Auch weil die Ansprüche dieser Hockeygeneration gross sind und sich ihr Chef, Patrick Fischer, früher oder später mit einer Goldmedaille dekorieren möchte. Dass er dies so offen deklariert, ist gut. Die Kehrseite der Medaille ist, dass er nun auch damit klarkommen muss, wenn nach einer «normalen» Viertelfinal-WM niemand in einen Begeisterungssturm ausbricht.

Wenn sich die Nati den nächsten grossen Wurf einfach für 2020 aufgespart hat, dann ist es ohnehin voll okay im Jahr zuvor in der zweiten Reihe zu stehen und ein Zwischenjahr zwischen dem Silberwunder von Kopenhagen und der Heim-WM in Zürich und Lausanne einzuschalten. Die Perspektiven bleiben gut, aber vielleicht ist nun auch etwas mehr Realismus zurückgekehrt, was nicht so schlecht sein muss.

Der Abgang von Raffainer als grosser Verlust

Im Vorgang zum Turnier vor eigenem Publikum stehen beim Verband einige nicht unerhebliche Veränderungen an. Nati-Direktor Raeto Raffainer und Assistenztrainer Christian Wohlwend verlassen Swiss Ice Hockey in Richtung HC Davos. Wohlwend war eine gute Ergänzung zu Fischer, Kandidat für seine Nachfolge ist mit Thierry Paterlini aber ein ebenfalls sehr talentierter Coach.

Gross sind die Fussabdrücke, die Raffainer hinterlässt. Der Engadiner galt als nimmermüder Workaholic, der ein grosses Dach über alle Schweizer Landesauswahlen baute, ideale Strukturen schuf und die erfolgreiche Swissness beim Verband einführte. Daneben überzeugte Raffainer auch stets mit seinem Auftreten und seinen Inhalten. Nachfolger Lars Weibel wird an einem ganz starken Mann gemessen.

Resultate und Tabellen

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fatrick Pischer am 23.05.2019 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dennoch chapeau!

    Für mich hat diese Nati die Unterstützung des gesamten Landes verdient! Sehr authentische und starke Auftritte mit Herzblut für die Schweiz! Vielen Dank, dass ihr so unser Land repräsentiert!

    einklappen einklappen
  • cat11tu am 23.05.2019 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stolz / Vorbildlich

    Die Jungs haben Super gespielt. Ins besondere als Mannschaft und Team. Ihr dürft stolz sein den ein 0.03s Tor ist wie es ist und soll eure Leistung nicht Minderen. Ich freue mich schon auf 2030

    einklappen einklappen
  • Sepp am 23.05.2019 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Schade, gekämpft bis zur zweiletzter Sekunde gekämpft, dieses Jahr hats leider nicht für mehr gereicht, vielleicht nächstes Jahr, Hopp Schweiz.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jos Pel am 26.05.2019 04:33 Report Diesen Beitrag melden

    Der Grundtenor hier:

    Mimimi. Fakt ist, mit dem Selbstbewusstsein der Deutschen gepaart mit dem Schweizer Kader, liegt eine Goldmedaille alleweil drin. Die Finnen machen es vor, lediglich ein NHL-(Reserve)spieler und immerhin im Finale.

  • Guguseli am 25.05.2019 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine ausreden nicht jammern

    Anscheinend war nicht mehr drin...ansonsten hätten sie gewonnen, auch das finalspiel.

  • Peter V. am 24.05.2019 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Chancen und Risiken

    Wer Chancen nicht wahr nimmt, wird Risiken ausgesetzt. Dies hat unsere Nati an diesem Turnier einige Male gezeigt. In einigen Spielen war man erst ab der 10. oder 12. Minute im Spiel. Gegen andere Gegner hätte man mehr einnetzen müssen. Generell war das Überzahlspiel viel zu schwach um in diesem Jahr an der Spitze dabei zu sein. Hut ab vor der Entscheidung, mit 18, 19 und 20-jährigen Spielern an der WM teilzunehmen. Und alle 3 haben gute bis sehr gute Leistungen gezeigt. Wenn man die Stärken ausbaut, gleichzeitig die Schwächen minimiert, dann hat unsere Nati wieder Chancen auf eine Medaille!

  • CB am 24.05.2019 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Grossen

    Hört doch endlich mit dem blöden Spruch auf, unsere Mannschaft hätte gegen die 'Grossen' keine Chancen gehabt! Ist denn ein Vice-Weltmeister kein 'Grosser'? Ich würde sagen, die Schweiz kann auch unter diesen Grossen eigereiht werden, nur hatten sie in diesem Jahr weniger Glück. Das kann sich aber an der nächsten Heim-WM wieder ändern. Übrigens, der Nochweltmeister Schweden -auch einer der Grossen- ist ja bekanntlich auch ausgeschieden!

    • Jaromir Jagr am 24.05.2019 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @CB

      Kanada, Russland, USA, Schweden, Finnland und Tschechien sind faktisch die "Grossen", nur weil man ausnahmsweise mal Vizeweltmeister war gehört man ganz bestimmt nicht dazu.

    • Peter V. am 24.05.2019 16:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Jaromir Jagr

      Das "ausnahmsweise" ist fast beleidigend für unser Hockey Team. Man wurde innert 5 Jahren 2x Vize Weltmeister! Natürlich sind die Eisgenossen weder die Russen noch die Kanadier oder die Schweden. Aber zu den anderen Teams hat man aufgeschlossen. Diesbezüglich darf man die Schweiz zu diesem "Klub" dazuzählen!

    einklappen einklappen
  • Punisher am 24.05.2019 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig OK

    Laut den Wettquoten war Kanada haushoher Favorit. Es ist daher keine Schande gegen dieses Team zu verlieren. Aber das Unentschieden in letzter Sekunde ist natürlich sehr bitter. Das hat Kanada gestärkt und die Schweizer massiv verunsichert. Trotzdem bin ich stolz auf unsere Nati. Und alle die hier rumnörgeln, sollten doch wieder lieber Formel 1 schauen.