SCB-Analyse

17. April 2017 22:26; Akt: 17.04.2017 22:33 Print

Durchmarsch statt Meister-Blues

von Peter Berger - Der SC Bern feiert den 15. Meistertitel. Dass die Mutzen den Triumph von 2016 wiederholen konnten, macht diesen Titel noch wertvoller.

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Der Kübel geht in die Hauptstadt. Hört beim SCB auf: Martin Plüss feiert vor dem Gästesektor seinen 6. persönlichen Meistertitel. Martin Plüss wartet als Captain auf die Pokal-Übergabe. Krueger, Moser und wie sie alle heissen machen den Sieger-Tanz. Klatschen, singen, hüpfen: In der Bossard Arena feiert «Gelb-Schwarz». Martin Plüss weiss noch nicht, wie und ob es mit seiner Karriere weitergeht. Sein Vertrag beim SCB wird jedenfalls nicht verlängert. 7000 Fans lassen die Party in der PostFinance-Arena steigen. Weg mit den Handschuhen, Helmen und Stöcken: Die Meisterhelden herzen sich nach der Sirene. In Bern gehts heiss her und zu. Beim Public Viewing werden bereits die ersten Meister-Zigarren gequalmt. SCB-Keeper Leonardo Genoni und Thomas Ruefenacht gratulieren sich gegenseitig zu absoluten Top-Leistungen . Traurige Gesichter: Die EVZ-Spieler können ihre Enttäuschung nicht verstecken. Dennoch, das Heimpublikum klatscht, singt und gratuliert ihren Schützlingen. Fröhliche SCB-Fans: Der prall gefüllte Gäste-Sektor feiert ihre Helden. Die Hoffnung stirbt zuletzt, die Zuger Fans bibbern weiter. Kurz vor Ende des zweiten Drittels verkürzt Fabian Schnyder (r.) zum 1:4. Nach nur 3 Sekunden Überzahlspiel trifft Ramon Untersander (r.) zum 4:0. EVZ-Mentalcoach Saul Miller sieht sich das Spiel an und ihm ist wohl bewusst, dass seine Hilfe nicht gefruchtet hat. Kurz nach Start des zweiten Drittels schiesst Simon Moser (21) die Berner 3:0 in Front. Rund 7000 Zuschauer verfolgen beim Public Viewing in der PostFinance Arena in Bern die Partie. Der SCB legt nach, dieses Mal überlistet Ryan Lasch Stephan. Er schiesst den Goalie von hinter dem Tor an den Rücken, der Puck kullert rein. Da hat der 30-jährige US-Amerikaner gut Lachen, was für eine Schlitzohr. Besser hätte der Start für den SC Bern nicht ausfallen können: Thomas Rüfenacht (l.) hat zuvor Raphael Diaz den Puck abgeluchst und verwertet dann souverän gegen Tobias Stephan zum 1:0.

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Erstmals seit den ZSC Lions vor 16 Jahren gelang wieder einem Team die Titelverteidigung. Den Grundstein dazu legten die Berner um CEO Marc Lüthi bereits letztes Jahr, just als sie sich auf dem Weg zum 14. Titel befanden. Sie verpflichteten Kari Jalonen als neuen Trainer. Zwar erntete Lüthi auch Kritik, weil er dem Meistertrainer Lars Leuenberger nicht mehr vertraute und ihn vor die Türe setzte. Aber im Nachhinein erwies sich diese unpopuläre Massnahme als entscheidendes Mosaikstückchen.

Mit dem Finnen an der Bande war jeder einzelne Spieler vom ersten Training an wieder gefordert. Der 57-Jährige ist nicht dafür bekannt, dass er stundenlang mit den Spielern diskutiert und sich nach deren Seelenleben erkundigt. Der oft mürrisch wirkende Nordländer will Leistung auf dem Eis sehen. Und genau das verhinderte einen Meister-Blues. Noch 2014 hatte der SCB im Jahr nach dem Meistertitel sogar die Playoffs verpasst.

Das beste Kader

Die Lehren aus dieser Peinlichkeit wurden gezogen. Zwar verlief der Saisonstart auch jetzt zäh, aber Panik brach nie aus. Und als die Gegner im Herbst ihre ersten Krisen durchmachten, hatten sich die Berner definitiv gefunden und nahmen immer mehr Fahrt auf, gewannen auch mal neun Mal in Folge. Bloss zweimal reihten sie in den 50 Qualifikationsrunden zwei Niederlagen aneinander. In der Finalserie gegen Zug passierte das nach der 2:0-Führung ebenfalls. Eine Krise gab es deswegen nie. Das war mit dem überragenden Goalie Leonardo Genoni auch gar nicht möglich. Der noch vom vormaligen Sportchef Sven Leuenberger vollzogene Transfer war vielleicht sogar das grössere Puzzleteil als Jalonen.

In den Playoffs kam dann auch der Erfolgshunger wieder zum Ausdruck. Das mag damit zusammenhängen, dass Captain Martin Plüss unbedingt mit einem Titel abtreten wollte. Der Leitwolf trieb auch andere Leader wie Andrew Ebbett oder Thomas Rüfenacht in der entscheidenden Phase zu Bestleistungen an. Dazu kam, dass der SCB über ein breites Kader verfügte. Gegen Biel, Lugano und nun auch im Final gegen Zug blieben die Mutzen letztlich ungefährdet. Ihr Kader war schlicht besser als dasjenige der Gegner.

Spannende Zukunft

Dass die Berner aber nun zum FC Basel des Eishockey mutieren und Titel an Titel reihen, ist nicht anzunehmen. Zwar bleibt Genoni zwischen den Pfosten. Aber mit Captain Plüss fällt der Leithammel weg. Mit David Jobin verlieren die Berner viel Routine auf dem Eis, mit Marc Reichert viel Einfluss in der Kabine. Klar darf davon ausgegangen werden, dass Jalonen erneut eine schlagkräftige Equipe haben und formen wird, aber in entscheidenden Momenten dürften die entstandenen Lücken spürbar sein. Sollte dem SCB 2018 dennoch das Meister-Triple gelingen, wäre das mehr als eine bärenstarke Leistung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Iceman29 am 17.04.2017 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bravo

    Gratuliere dem SCB..und dem Zuger Publikum..super ..fair.danke ..grüsse eines SCB fans

  • Pit am 17.04.2017 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Fans

    Gratulation nach Bern. Ein verdienter Sieger. Riesen Kompliment an die Fans von Zug. Tolle und geile Stimmung gemacht. Das war stark von Euch..

  • wednesday am 17.04.2017 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meisterlich!

    Gratulation an den SCB zur meisterlichen Leistung! Beeindruckend. Ein Davoser Fan gratuliert zur erfolgreichen Titelverteidigung. Applaus an die Zuger Fans die ihr Team verdient feierten, ein Team das nie aufgegeben hat und Vizemeister wurde.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rappi-Fan am 18.04.2017 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Spannende Entwicklung!

    Irgend etwas scheint dieser SCB gut zu machen. Unterschreiben doch in Bern Spieler, die anderswo weit mehr verdienen könnten. - Spannend, wohin dies führen wird!

  • Logiker am 18.04.2017 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    bin gespannt

    Bin gespannt auf nächste Saison, erst da werden wir die Handschrift von Jalonen richtig sehen! Er wird recht vieles neu Machen müssen nachdem so viele Routiniers abtreten! (oder abgetreten wurden) Ich habe aber die hoffnung dass der SCB nun noch viel mehr Eigengewächse auf dem Eis präsentieren wird!

  • Anna Lytikus am 18.04.2017 07:32 Report Diesen Beitrag melden

    Vorfreude

    Ich blein dabei: Jeder, der Meister wird, hat es in irgend einer Weise auch verdient. Auch Bern. Aber bei denen muss man definitiv nach Argumenten suchen. Spielen kein gutes Hockey, uninteressant ja gar langweilig und keinesfalls überzeugend. Ich freue mich, wenn endlich wieder gutes Hockey gespielt wird ab September und ich glaube 90% der Hockeyschweiz freut sich auf ein Absturz des SCB

    • HCD Fan am 18.04.2017 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anna Lytikus

      Sorry ich als HCD fan muss sagen das scb leider ein hammer geiles hockey spielen. Weis nicht was daran schlecht sein soll. Gratulation an den scb und schade für zug. Hötte es euch auch gegönnt. Jedenfalls bis Nächste season. Da wird dann definitiv der Bär gejagt ;-)

    einklappen einklappen
  • wikinger am 18.04.2017 02:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Gratulation an den SCB und auch Zug darf Stolz auf diese Leistung sein! Zwei verdiente Finalisten!

  • O.B. am 18.04.2017 02:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top Stimmung!

    Chapeau EvZug Fans für die Standing Ovation bimne 1:5! #MeisterDerStimmung