Unvergessene Erfolge

14. September 2010 14:48; Akt: 14.09.2010 15:34 Print

Willi Melliger und der «weisse Mythos»

Wer an Willi Melliger denkt, denkt automatisch auch an Calvaro. Der erfolgreichste Schweizer Springreiter und sein Spitzenschimmel waren ein Traumpaar. Vielleicht erobert sein Sohn den Sport ebenfalls.

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Willi Melliger mit Calvaro im Wettkampf.

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Auf Quinta C wurde Willi Melliger 1993 Europameister. Es sollte die einzige goldene Auszeichnung an grossen internationalen Titelkämpfen bleiben. Immerhin sammelte er aber noch zwölf weitere EM-Medaillen und stieg bei Olympia zweimal aufs Podest.

Eng verbunden mit den Erfolgen des besten Schweizer Springreiters steht sein hochdotierter Traumschimmel Calvaro. Als das Pferd achtjährig war, wurde es von Melliger entdeckt. Von 1995 bis 2001 eroberten die beiden die Welt mit unzähligen Siegen, darunter auch die olympische Silbermedaille 1996 in Atlanta und die Teammedaille in Sydney 2000 (Silber). Dazwischen folgte ein Highlight dem anderen. So siegte der weisse Riese (185cm) Calvaro mit Melliger als erster Schweizer beim CSI Zürich (1998).

Klonversuche mit Calvaro

Calvaro wurde als «weisser Mythos» bezeichnet, Melliger ritt auf seinem Rücken von Erfolg zu Erfolg, unter anderem der Weltnummer-1-Position anfangs 2000. Das zahlte sich auch finanziell aus. Melliger nahm mit dem Schimmel rund zwei Millionen an Preisgeldern ein. Bis zu 5,5 Millionen Franken wurden für den Schimmelwallach geboten. Melliger verkaufte nicht. Calvaro sei ihm «sehr ans Herz gewachsen». Der Name Calvaro wurde gar geschützt. Eine böse Meniskusverletzung des Pferdes beendete die Karriere des erfolgreichen Duos. Trotz den besten Tierärzten half alles nichts mehr. Calvaro wurde im September 2003 fast 20-jährig eingeschläfert.

Bald wieder ein Melliger in der Weltklasse?

Calvaro war so erfolgreich, dass selbst Klonversuche gestartet wurden. 250 000 kostete der erste. Das Fohlen mit den Wundergenen wurde jedoch nicht alt, es starb an einer Gelenk-Infektion. Mit dem Klonen habe das nichts zu tun gehabt. Ein zweiter Versuch wurde kurz darauf in den USA gestartet.

Melliger selbst suchte nach Calvaros Tod lange nach einem nächsten Spitzenpferd. Er blieb weiterhin ziemlich erfolgreich, bevor er vor über drei Jahren zurücktrat. Heute ist Melliger OK-Chef des CSI Neuendorf, unterstützt den Nachwuchs und ist in diesem Jahr einer von 40 Sporthilfe-Jubiläumsbotschaftern. Unter den Talenten reitet auch sein 16-Jähriger Sohn Kevin, welcher beim CSI Zürich 2010 sein Debüt in der Reiter-Weltklasse gab. «Kevin hat sich sehr gut entwickelt und ist auf einem guten Weg», sagt der heute 57-jährige Vater. «Es liegt nun hauptsächlich an ihm, aber auch an mir, damit er auf diesem Weg bleibt.» Wer weiss, vielleicht fiebern wir schon bald wieder mit einem Melliger um Olympiamedaillen.

(fox)