Unvergessene Erfolge

11. Mai 2010 12:32; Akt: 11.05.2010 12:33 Print

Dank verlorener Wette zum ersten WM-Titel

von Reto Fehr - Ottavio «Otto» Danieli bescherte der Schweiz den ersten von bisher drei Curling-Weltmeistertiteln der Männer. Am Anfang der Geschichte stand eine herablassende Behauptung über den Sport.

storybild

Empfang für die Schweizer Weltmeister am Flughafen Kloten 1975: Ueli Mülli, Rolf Gautschi, Roland Schneider und Skip Otto Danieli (v.l.).

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es war eine sehr grosse Überraschung, als Skip Otto Danieli sein Team bei der WM 1975 gegen Kanada in der Round Robin zum Sieg führte. Seit sechs Jahren spielte die Equipe von Danieli mit Ueli Mülli, Rolf Gautschi und Roland Schneider damals zusammen und war erstmals an einer WM mit dabei. Die Schweiz qualifizierte sich bei der Endrunde im schottischen Perth mit einer Bilanz von 6:3 hinter Kanada, den USA und Schweden (alle 7:2 Siege) für die Halbfinals.

Dort kam es erneut zum Duell gegen die Grossmacht Kanada. Bis dahin hatten die Nordamerikaner 13 von 17 Endrunden für sich entschieden (zu Beginn den Scotch Cup, ab 1968 offiziell die WM). Im letzten End lag die Schweiz zurück. Bei noch zwei aussstehenden Steinen lag Kanada dreifach Shot. Skip Danieli gelang ein Kunstschuss, indem er den eigenen Stein nicht nur Shot legen, sondern auch verstecken konnte. Kanadas Skip Bill Tetleys letzter Stein missriet und so stand die Schweiz erstmals im WM-Finale.

Auch dort triumphierte das Team vom Curling Club Crystal Zürich. Mit dem Sieg gegen die USA ging erstmals ein Curling-WM-Titel in die Schweiz. Nur 1981 und 1992 sollte dieses Kunststück einer Schweizer Männerequipe nochmals bisher glücken.

Herz an Altherren-Bettflaschenherumschieben verloren

Zum Traumstein im Halbfinale und der Sensation mit Siegen gegen die gesamte Weltelite kam es eigentlich nur durch einen vorlauten Spruch Danielis. Sein Vater spielte früher Curling, als Otto behauptete: «Für dieses Altherren-Bettflaschenherumschieben braucht es kein Training, ich wette, dass ich ihn jederzeit schlagen könne», erinnerte sich Danieli in der «Schweizer Illustrierten» vor Jahren an die Anfänge. «Ich verlor nicht nur die Wette, sondern auch das Herz ans Curling», resümierte er. Es sei ein «Psycho-Sport, aber nichts für Psychopathen. Dafür braucht es körperliche und geistige Fitness. Als «Altherren-Bettflaschenherumschieben» würde Danieli seinen Sport sicherlich nie mehr bezeichnen.

Als Erfolgsrezept für den unerwarteten Triumph sieht er auch, dass die vier Teamspieler gute Freunde waren. Egal ob im Training, Wettkampf oder in der Freizeit. 1988 hörte er mit Curling auf, weil seine Frau damals schwer erkrankte.