Unvergessene Erfolge

15. April 2010 15:01; Akt: 16.04.2010 11:39 Print

Erst Sportverbot, dann aufs Olympiapodest

Alois «Wisel» Kälin bestieg als erster Schweizer bei Olympischen Winterspielen in den nordischen Disziplinen das Podest. Er löste einen Boom aus und hält einen Rekord für die Ewigkeit.

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Alois «Wisel» Kälin 1969 in Action.

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Noch im Februar jubelte die ganze Schweiz mit Simon Ammann und Dario Cologna. Die beiden kehrten von den Olympischen Winterspielen aus Vancouver mit Goldmedaillen zurück. Einen ähnlichen Empfang erlebte Alois Kälin 1968 nicht.

Damals lief er bei den Olympischen Spielen in Grenoble hinter dem Deutschen Franz Keller in der nordischen Kombination als Zweiter in das Ziel – es war das erste Edelmetall für die Eidgenossen in einer nordischen Disziplin. Kälin bekam den Übernamen «Silber-Wisel». Der Deutsche Keller schlug den Einsiedler schon an der Ski-WM 1066 in Oslo, als Kälin Bronze gewann.

Bronze in Sapporo löste Boom aus

1972 stieg Kälin bei den Winterspielen in Sapporo ein zweites Mal aufs Podest. Dieses Mal als Dritter mit der Schweizer 4x10km-Langlaufstaffel. Genau, Sie haben richtig gelesen: Langlauf. Da er sich auf der Skisprungschanze nie wirklich wohl fühlte, gab er dies 1971 mit Blick auf die Olympischen Spiele in Japan auf und setzte voll auf das Rennen mit den dünnen Latten in der Spur. Der unerwartete Erfolg der Staffel löste in der Schweiz gar einen «Langlauf-Boom» aus. «Wir waren an diesem Tag einfach alle vier in Topform», erinnerte er sich Jahre Später in der «Solothurner Zeitung».

Je mindestens eine Olympische Medaille in diesen zwei Disziplinen zu gewinnen, ist ein Kunststück, welches nach Kälin niemand mehr schaffte. Es ist davon auszugehen, dass es auch nie mehr einen Athleten geben wird, welcher sich nur schon wagt, dies zu erreichen.

Verbot vom Vater und 10 Franken Tageslohn

Dabei hätte Kälin gar nicht Sport betreiben dürfen. Dem Bauernsohn wurde dies in jungen Jahren von seinem Vater verboten, was ihn allerdings nur noch mehr antrieb. Da er viel in der Familie mitarbeiten musste, hatte er eine gute Grundkondition. Nach Turnen und Schanzenspringen entdeckte er den Langlauf für sich.

Kälin trat 1972 zurück. Nach eigenen Aussagen hätte er noch vier Jahre weiterlaufen können. Er musste sich allerdings zwischen seinem Beruf als Offsetdrucker, der Familie, der Langlaufschule und dem Spitzensport entscheiden. Denn das grosse Geld liess sich im Sport damals noch nicht verdienen. Vom Schweizer Skiverband erhielt er damals für jeden Tag, an dem er für die Nationalmannschaft unterwegs war, 10 Franken. Hinzu kamen Entschädigungen für Kost und Logis und 2000 Franken für die Olympia-Vorbereitung im Jahr 1972.

Der inzwischen 71-Jährige ist heute Inhaber des Sportgeschäfts «Wisel Kälin Sport» in Einsiedeln.