Unvergessene Erfolge

18. Mai 2010 14:18; Akt: 18.05.2010 14:30 Print

Gold gewonnen und untergetaucht

von Herbie Egli - Christine Stückelberger ist die Grande Dame des Dressur-Reitens. Die heute 63-jährige Bernerin gewann unzählige Medaillen bei Grossanlässen. Vor einer Zeremonie drückte sie sich bewusst.

Christine Stückelberger gewinnt 1976 die Olympia-Goldmedaille im Dressur-Reiten. (Video: Youtube)
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An Olympischen Spielen die Goldmedaille zu gewinnen ist der Traum vieler Sportler. Nur für wenige geht dieser jedoch in Erfüllung. Die Schweizerin Christine Stückelberger gehört aber zu jenem Kreis, der den Olympia-Traum erleben durfte.

Der Karriere-Höhepunkt der Schweizerin liegt 34 Jahre zurück. Bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal gewann Stückelberger die Goldmedaille. Die Bernerin konnte den Erfolg am Anfang aber offenbar gar nicht richtig geniessen. «Es war so unglaublich, dass ich zuerst verschwinden musste. Dann habe ich mich unsichtbar gemacht. Ich musste all dies zuerst für mich verdauen», sagte Stückelberger vor zwei Jahren zum «SF»-Magazin «glanz & gloria». In der Folge wurde die Olympia-Siegerin wurde verzweifelt gesucht und erst nach einiger Zeit erschien sie dann doch noch zur Siegerehrung, weil Fotografen Bilder schiessen und Fernsehstationen Interviews machen wollten.

Vier Jahre später verzichtete Stückelberger jedoch auf die Titelverteidigung. Sie boykottierte die Olympischen Spiele 1980 in Moskau, weil die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte. Damit entgingen der Dressur-Reiterin weitere Medaillen, die sie vermutlich auf sicher gehabt hätte. In ihrer 33-jährigen Karriere gewann Stückelberger total 26 Medaillen. Die Enkelin des ehemaligen Bundesrats Eduard von Steiger (1941 bis 1951) wurde 1978 Weltmeisterin und 1975 und 1977 Europameisterin. Nach den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney beendete die Grande Dame des Dressur-Reitens ihre grosse Karriere.

Halbblindes Vertrauen

Alle ihre Erfolge erreichte Stückelberger auf «Granat». Der Holsteiner Wallach war auf einem Auge blind, was den Gewinn der Medaillen noch mehr unterstrich. Über ihr Parade-Pferd sagte sie einst: «Granat war das zuverlässigste Pferd, das ich je ritt. Er kannte keine Schwäche und nahm als einziges Pferd an drei Olympischen Spielen teil.»

Stückelberger erlebte aber auch die Schattenseiten des Reitsports. 1989 wurde sie von einem jungen Pferd an die Wand ihrer Reithalle gedrückt. Bei diesem Zwischenfall brach sich Stückelberger den dritten und vierten Lendenwirbel. Es drohte ihr ein Leben im Rollstuhl. Doch die ehrgeizige Reiterin kämpfte sich zurück an die Spitze.

Ein Leben für die Pferde

Bei Christine Stückelberger dreht sich auch heute noch alles um Pferde. Sie hat eine Zucht und bildet Tiere und Reiter aus. Aber nicht dank dem gewonnen Preisgeld. Stückelberger: «Reich bin ich als Spitzen-Dressurreiterin nicht geworden. Sämtlichen Ertrag investierte ich wieder in Pferde. Aber ich habe Freunde in der ganzen Welt kennengelernt. Gute Freunde zu haben ist viel wichtiger, als viel Geld zu besitzen.»