Marco Streller

29. Juli 2018 03:27; Akt: 29.07.2018 11:27 Print

«Die nächste Patrone muss sitzen»

von E. Tedesco - Marco Streller äussert sich zur Trennung von Raphael Wicky und sagt, dass der FC Basel nicht wieder einen Trainerneuling an die Seitenlinie stellen wird.

Marco Streller äussert sich zur Trennung von Raphael Wicky und sagt, dass der FC Basel nicht wieder einen Trainerneuling an die Seitenlinie stellen wird. (Video: 20 Minuten)
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Zwei Tage schwieg der FCB nach dem Rauswurf von Trainer Raphael Wicky. Igelte sich in seiner rotblauen Welt ein, obwohl es viele Fragen gab. Kritische Fragen. Nach dem 1:1 gegen Aufsteiger Xamax beendete der FCB-Sportdirektor das Schweigen.

Marco Streller, warum hat der FCB nach der Trennung von Raphael Wicky so lange geschwiegen?
Marco Streller: Ein Stück weit haben wir das auch bewusst gemacht, um die Mannschaft zu schützen, damit sie sich auf das Spiel in Neuenburg vorbereiten konnte und wir alles abbekommen. Es war sicher eine Entscheidung, die nicht nur auf Euphorie gestossen ist. Präsident Bernhard Burgener und ich haben dadurch auch Angriffsfläche geboten. Aber es waren zwei Tage und nicht zwei Wochen.

Sie haben in einer Medienmitteilung erklärt, die Trennung sei eine Folge der Analyse. Können Sie das genauer ausführen?
Die ersten Zweifel kamen nach dem Testspiel gegen Feyenoord (0:5 im Uhrencup, Anmerk. d. Red.). Da hatten wir ja keine junge Mannschaft auf dem Platz und dachten: Funktioniert das? Dann haben wir das dritte Startspiel und auch in Saloniki verloren. Deswegen sind wir zum Schluss gekommen, dass wir nicht mehr hundert Prozent Vertrauen haben. Auch wenn es sehr hart und sehr früh ist. Wenn man dann überzeugt ist, muss man die Reissleine ziehen. Die Situation war menschlich extrem schwierig. Aber in unserer Position muss man manchmal harte Entscheide treffen. Keiner weiss, wie das am Mittwoch gegen Saloniki rauskommt und dann hätten wir uns der Vorwurf machen müssen, nichts getan zu haben.

Die Frage bleibt: Wenn Sie schon so früh Zweifel hatten, wieso hat man den Entscheid nicht vor der Saison gefällt?
Diesen Vorwurf müssen wir uns machen. Das ist richtig. Wir haben die Saison analysiert. Wir hätten es schon Ende Saison beenden können, aber wir haben entschieden, ihm noch eine Chance zu geben und auch den Staff so zusammenzustellen, wie gewünscht. Schlussendlich mussten wir die Reissleine ziehen und das sieht sicher nicht sehr professionell aus. Aber im Sinne des Vereins mussten wir so handeln.

Hat sich das nicht schon länger abgezeichnet? Zum Beispiel nach der Negativserie im Frühjahr?
Wir haben mit Raphi gesprochen und ihm gesagt, dass er in Italien, Deutschland oder England nach so einer Niederlagenserie zumindest angezählt wäre. Das war aber bei uns nicht so, wir haben entschieden, den Weg weiterzugehen. Aber klar, die hervorragende Champions League hat ihm geholfen.

Wie war die Situation, als Sie Raphael Wicky über die Trennung informiert haben?
Wir sind schnell auf den Punkt gekommen. Da war Enttäuschung. Raphi sagte uns, dass er überzeugt sei, das Ruder noch herumreissen zu können.

Wer sind wir?
Raphael Wicky, Massimo Lombardo, Roland Heri (operativer Geschäftsführer, Anmerk. d. Red.) und ich.

Und dann hat man Alex Frei in das «Haifischbecken» geworfen?
Nein, das glaube ich nicht. Wir haben das ja mit Alex abgesprochen, dass es eine Übergangslösung ist. Und es bleibt nur eine Übergangslösung! Wir sind in Gesprächen und versuchen, schnell einen neuen Trainer zu finden. Die nächste Patrone muss sitzen. Deswegen muss es eine wohlüberlegte Entscheidung sein.

Wie weit sind diese Gespräche schon fortgeschritten?
Sehen Sie, das sind erst zwei Tage seit der Trennung. Und es ist nicht so, dass wir schon vorher Gespräche geführt hätten. Wir werden nichts über das Knie brechen.

Wie weit wird der neue Trainer vom Profil von Raphael Wicky abrücken?
Ich denke, man muss vom Profil abrücken. Es muss ein Trainer kommen, der Erfahrung hat. Das ist wichtig und sicher eine Erkenntnis, die wir aus Fehlern gezogen haben. Raphi und ich waren zwei unerfahrene Leute in wichtigen Positionen. Vielleicht war es zu viel Unerfahrenheit. Der Trainer ist immer das schwächste Glied in der Kette. Das zweitschwächste ist der Sportchef. Das ist Fakt.

Braucht der FCB dann auch einen Sportchef, der erfahrener ist?
Das wird sich irgendwann zeigen. Ich bin verantwortlich für die Kaderzusammensetzung. Und wie gut das Kader ist, kann man nicht nach zwei Spieltagen sagen, das werden wir erst in ein paar Wochen sehen. Es ist klar, dass meine Person kritisch hinterfragt wird. Ich muss das aushalten. Und ich weiss auch, dass ich Resultate brauche. Definitiv.

Spüren Sie noch das Vertrauen von Präsident Burgener?
Ja, das spüre ich. Absolut. Aber ich habe auch Ansprüche an mich selber.

Was passiert, wenn der FCB am Mittwoch gegen Paok scheitern sollte?
Ich bin kein negativ denkender Mensch. Saloniki ist eine gute Mannschaft, aber keine Übermannschaft, gegen die wir chancenlos wären. Jeder Sieg hilft uns. Auch ein Sieg gegen Xamax hätte geholfen, aber man hat nach 70 Minuten gemerkt, dass wir kaputt waren. Das stimmt mich schon ein wenig nachdenklich, warum wir physisch nicht auf der Höhe sind. Auch das gilt es, zu analysieren. Und dann gilt es, einen Trainer zu holen, der Ruhe in den Kessel bringt.

Sind es nicht eher Resultate, die für Ruhe sorgen?
Schon auch. Aber wenn einer kommt, der die Erfahrung hat, hilft das am Anfang auch ein wenig. Jetzt ist es so – und das musste ich auch erst lernen – sind es die Resultate, die über die Stimmung entscheiden.

Welchen Zeitrahmen hat sich der FCB für die Trainersuche gesteckt?
Mit Alex ist abgesprochen, dass wir sehr kurzfristig denken und uns voll auf das Paok-Spiel konzentrieren. Danach haben wir drei weitere Heimspiele. Mit vier Siegen in diesen Spielen kann ich mit dem Unentschieden gegen Xamax leben. Aber wir müssen endlich beginnen, zu gewinnen. Wir haben gesagt, dass der St. Jakob-Park wieder eine Festung werden muss – und dann verlieren wir das erste Heimspiel. Da habe ich mir auch gedacht: Mein Gott, das kann es ja nicht sein. Wir sind in Gesprächen und wollen relativ schnell eine Lösung haben. Und ich versuche, aus Fehlern zu lernen: Wir werden nicht wieder einen Trainerneuling an die Seitenlinie stellen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chupachup am 29.07.2018 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles vergeigt

    Umbruch ja.Hätte aber nie gedacht, dass der Karen so schnell an die Wand gefahren wird.

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  • Drippler am 29.07.2018 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange noch

    Wie manchen Fehler darf ein FC Basel Sport-Direktor machen?

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  • Marcello am 29.07.2018 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    ist Streller der (unerfahrene) Neulingnoch dabei. ????

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Hotz am 30.07.2018 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ihnen fehlt der Schnauf

    Hat man das schon einmal gesehen? Eine Super-Ligue-Mannschaft, die schon nach 70 Minuten platt ist? Spieler, die lange vor Spielende von Wadenkrämpfen gepeinigt werden? Wie hat der FC Basel im Sommer trainiert? Marco Walker musste als Konditionstrainer gehen. Wer ist auf ihn gefolgt? Guschti Brösmeli? Es kann ja nicht sein, dass der FCB konditionell nicht auf der Höhe ist.

  • Marco Plöchlinger am 30.07.2018 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strellers Wahl

    Wenn Streller jetzt Marcel Koller holt, kann er sich vielleicht noch retten, denn Koller ist ein sehr guter Trainer. Setzt Streller hingegen erneut auf einen lieben Tscholi, damit er weiter über seine Kumpels in der Mannschaft Einfluss nehmen kann, wird er auch bald abtreten müssen.

  • Yoann Bieger am 30.07.2018 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3300g Kampfgewicht

    Mein Vater ist Starspieler (zurzeit Ersatz) eines grossen Mitfavoriten auf den 6. Platz in der 5. Liga Gruppe 4 regional. Wären Streller und co. gleich lausig als Spieler zu Werke gegegangen wir sie es in der sportlichen Führung tun, so hätte das Team von meinem Vater die Lausbubenbande hinter sich gelassen.

    • Wow am 30.07.2018 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Yoann Bieger

      So originell! Da hätten sie sich die Mühe sparen können;)

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  • frizz am 30.07.2018 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zum Start

    Patrone muss sitzen.... was für eine unglückliche Phrase! Nein, der Züngler mag ein jovialer Kumpel sein (...) aber ein Sportchef sollte auch rhetorisch auf der Höhe sein. Das reicht nicht. Es hat ja erst begonnen, zum Ausmisten reichts noch.

  • Baselbieter am 30.07.2018 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Hausgemachte Probleme...

    Es ist immer das gleiche, zuerst muss der Trainer gehen... und keine Clubleitung merkt, dass es einfach die Mannschaft ist, welche zu wenig gut ist. Aber eben: Hauptsache immer Spieler verkaufen und von den Geldeinnahmen profitieren. Besser wäre es, die Spieler noch 1 oder 2 Jahren zu behalten und ihnen einen Vertrag mit höherem Salär zu bieten. Alles Nörgel nützt nichts, beim FCB (und allen andern CH-Clubs) wird's leider auch in 10 Jahren noch so sein...