FC Basel

16. Juli 2014 21:53; Akt: 16.07.2014 23:32 Print

Sousa und die Sache mit dem Linksverkehr

von Eva Tedesco - Neue Leute, neue Ideen, neue Abläufe: Für den Schweizer Meister und seinen neuen Trainer Paulo Sousa kommt der Meisterschaftsstart wohl um einige Wochen zu früh.

FCB-Sportdirektor Georg Heitz spricht über Trainer Sousa, das neue Kader, Zeit und warum das Spiel gegen Aarau zu früh kommt. (Video: 20 Minuten)
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«Wir sind noch nicht auf Top-Level. Aber wir stecken in einem Prozess mit neuen Spielern, neuen Ideen und Abläufen. Das braucht alles seine Zeit. Aber ich hoffe, dass dieser Prozess nicht zu lange dauert», sagt der neue FCB-Trainer vier Tage vor dem ersten Ernstkampf am Samstag gegen den FC Aarau. Er fordert die Zeit, die man im Fussball aber zumeist nicht hat.

Dennoch formuliert man beim Schweizer Serienmeister (fünfmal in Folge) das Saisonziel wie gewohnt: Meister werden und international so lange wie möglich im Geschäft bleiben. Was sonst? «Etwas anderes ist beim FCB und dem Klub mit dem grössten Budget in der Schweiz auch nicht möglich», so Georg Heitz, «es ist klar, dass wir den Titel verteidigen wollen.»

Eine unbeliebte Forderung

Aber auch der FCB-Sportchef fordert die nötige Zeit ein, obwohl er weiss, dass er sich damit nicht beliebt macht: «Die neuen Spieler und der Trainerstab müssen sich erst noch finden.» Zumal die WM-Fahrer (Fabian Schär, Serey Die, Giovanni Sio) erst am Montag zum Team gestossen sind und Marcelo Diaz und der japanische Neuzugang Kakitani sogar erst am Donnerstag in Basel erwartet werden. Von diesen WM-Fahrern wird man auf dem Brügglifeld ziemlich sicher keinen spielen sehen. So viel hat Sousa verraten. «Sie haben in Brasilien viel erlebt und auch viel Kraft verbraucht, sie brauchen noch Zeit», sagt Sousa.

Auch muss er sich erst ein Bild von seinen Nationalspielern machen. Genauso müssen sich die Spieler an die neuen Abläufe und Methoden des Trainers gewöhnen, der wie Heitz sagt, täglich mit der gleichen Wettkampf-Intensität trainieren wird – auch während der Meisterschaft. «Das klingt vielleicht banal, aber viele Trainer bevorzugen unter der Woche ein gemässigteres Tempo. Zudem will Sousa einen fliessenderen Übergang zwischen Nachwuchs und Profiabteilung. Deshalb werden einige Junioren regelmässig mit der ersten Mannschaft trainieren.»

Zeit, ein viel verwendeter und dehnbarer Begriff

Aber wie viel Zeit braucht Sousa? Der Portugiese brachte ein Beispiel aus dem Strassenverkehr. «Wenn Sie als Schweizer, der sich Rechtsverkehr gewohnt ist, in England Auto fahren wollen, müssen sie sich an den Linksverkehr gewöhnen. Der eine braucht länger, um sich daran zu gewöhnen, dem anderen glückt es schneller. Das ist im Fussball nicht anders.»

Durchaus ähnlich könnten sich aber auch die Folgen sein – je nachdem irgendetwas zwischen einem Blech- und einem Totalschaden. Wie viel Zeit erhält der Nachfolger von Trainer Murat Yakin, der selbst mit dem Erreichen des Cupfinals, des Viertelfinals in der Europa League und dem Meistertitel die FCB-Bosse und die Fans nicht zufriedenstellen konnte?

Heitz: «Es ist nicht so, dass wir die Übung abbrechen, wenn Sousa vier Wochen lang keinen Erfolg hat. Das macht niemand – also fast niemand ... Wir haben Vertrauen in den Trainer und den Staff, aber auch in die Spieler, und ich glaube, dass wir trotz der Abgänge viel Qualität in der Mannschaft haben.»
FCB-Trainer Paulo Sousa drei Tage vor dem ersten Meisterschaftsspiel in Aarau. (Video: 20 Minuten)